Eine starke Defensive hatte der SV Atlas schon immer, jetzt glänzt auch die Offensive und trifft im Schnitt 3,9 Mal Der neu entdeckte Torhunger

„Wir haben jetzt eine ganz andere Mentalität.“ Atlas-Trainer Jürgen Hahn Delmenhorst.
08.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der neu entdeckte Torhunger
Von Christoph Bähr

Die Abwehr steht so sicher wie eh und je, daran hat sich nichts geändert. Doch was im Vergleich zur vergangenen Saison anders geworden ist beim SV Atlas Delmenhorst, darüber muss Trainer Jürgen Hahn nicht lange nachdenken. Die deutlich verbesserte Offensive ist der entscheidende Grund dafür, dass die Blau-Gelben die Fußball-Bezirksliga momentan fast nach Belieben beherrschen. „Wir haben uns weiterentwickelt. Jetzt spielen wir bis zur 90. Minute voll durch und wollen immer Tore machen“, betont Hahn.

Die Zahlen geben ihm recht. Insgesamt 78 Treffer erzielte der ungeschlagene Tabellenführer in den bisherigen 20 Spielen. Das macht einen Schnitt von 3,9 Toren pro Partie. In ganz Niedersachsen gibt es nur drei Bezirksligisten, die noch öfter trafen als der SVA. Seit der Winterpause sind die Delmenhorster sogar besonders torhungrig und jubelten in sechs Partien stolze 32 Mal (Schnitt: 5,3). Niemand lasse sich hängen, selbst wenn die Mannschaft hoch führt, hebt der Sportliche Leiter Jörg Rosenbohm hervor. „Das liegt natürlich auch am Konkurrenzkampf.“

Den wollten die Atlas-Verantwortlichen mit Macht befeuern, deswegen hat der Klub vor der Saison personell mächtig aufgerüstet, und Coach Hahn freut sich jetzt, dass er vorne „sehr viele Optionen“ hat. „Es ist fast egal, wen man bringt. Wir haben so viele torgefährliche Leute.“ In der Vorsaison hatte der Trainer dieses Luxusproblem nicht. Viele Spiele gewann der SVA nur knapp und musste sich vorwerfen lassen, dass er zwar erfolgreich, aber wenig attraktiv auftrete. 74 Treffer in 30 Begegnungen standen für die Blau-Gelben nach der vergangenen Spielzeit zu Buche. Das ergibt einen Durchschnitt von 2,5. Dieser Wert ist zwar durchaus ordentlich, erscheint aber verglichen mit dem aktuellen Toreschnitt von 3,9 eher mickrig. Die Torfabrik der Liga war in der Vorsaison der VfL Wildeshausen, der 89 Treffer markierte und dem SVA den Landesliga-Aufstieg wegschnappte.

Bereits in der Spielzeit davor waren die Blau-Gelben in der Kreisliga vor allem für ihre starke Defensive und nicht für ihre Offensive gelobt worden. Deutlich mehr Treffer gelangen damals dem TSV Ganderkesee, der dann am Ende auch Kreisliga-Meister vor den Delmenhorstern wurde. Jürgen Hahn will gar nicht verhehlen, dass früher viele Siege seines Teams nicht eben Begeisterungsstürme bei den Zuschauern auslösten. „Wir mussten in der letzten Saison darauf hoffen, dass Dominik Entelmann trifft oder dass Musa Karli einen Freistoß reinhaut“, erinnert sich der Trainer. Hatte Mittelstürmer Entelmann mal einen schwächeren Tag, blieben Atlas-Tore sogleich Mangelware.

Das ist längst Vergangenheit, denn inzwischen hat die Mannschaft sogar zwei Angreifer mit bemerkenswertem Torinstinkt in ihren Reihen. Der vom Bremer SV gekommene Iman Bi-Ria führt die Torschützenliste der Bezirksliga momentan mit 19 Treffern an, direkt dahinter liegt Entelmann mit 18 Toren. Dabei spielt Letzterer gar nicht mehr in vorderster Front. „Wir haben Domo etwas zurückgezogen. Er ist jetzt mehr der Vorbereiter, während Iman vorne im Zentrum spielt“, erklärt Hahn. Dass Entelmann trotzdem Tore am Fließband erzielt, spricht für ihn. Ein Sonderlob vom Trainer erhält er allerdings nicht mehr für seine geschossenen Treffer. „Ich lobe ihn jetzt immer, wenn er Tore vorbereitet. Das ist viel mehr wert. Wichtig ist nur der Erfolg der Mannschaft“, sagt Hahn.

Dass das interne Duell um die Torjägerkrone zwischen Entelmann und Bi-Ria für den Atlas-Coach keine Rolle spielt, verwundert denn auch wenig. „Das interessiert mich gar nicht. Wer die Tore macht, ist völlig egal.“ Sehr zu Hahns Freude gibt es schließlich neben den beiden Topscorern noch weitere Atlas-Spieler, die wissen, wie das Toreschießen funktioniert. Spielmacher Musa Karli gehört mit elf Treffern ebenfalls zur Bezirksliga-Spitze. Lars Scholz traf fünfmal, Daniel Isailovic viermal. Die Joker Dennis Metzing (2 Tore) und Simon Matta (3) können nach Einwechslungen immer eine Partie entscheiden. Dazu ist Steven Müller-Rautenberg (2) seit Kurzem nach einer siebenmonatigen Verletzungspause wieder fit. „Auch er ist normalerweise ein sehr torgefährlicher Spieler“, sagt Hahn.

Außerdem sorgen bei Standardsituationen die groß gewachsenen Verteidiger Florian Knipping (2) und Hanno Hartmann (3) zuverlässig für Gefahr. Kein Wunder also, dass der SV Atlas in der laufenden Saison in jedem Pflichtspiel mindestens ein Tor erzielt hat. Das dürfte sich aller Voraussicht nach auch am heutigen Freitag beim Tabellenzehnten SV Eintracht Wiefelstede nicht ändern. In der vergangenen Saison mussten sich die Blau-Gelben in Wiefelstede zwar mit einem 0:0 begnügen, eine Wiederholung dieses Ergebnisses erscheint aber sehr unwahrscheinlich. Seine aktuelle Mannschaft sei deutlich weiter als die damalige Atlas-Elf, betont Jürgen Hahn. „Wir haben jetzt eine ganz andere Mentalität und spielen einen ganz anderen Fußball.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+