WESER-KURIER-Talk

Der Preis der Medaillen

Hochrangige Vertreter aus Sport und Wirtschaft haben beim WESER-KURIER-Talk über gute Sportförderung diskutiert.
18.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Der Preis der Medaillen
Von Nico Schnurr
Der Preis der Medaillen

Handelskammer-Präses Harald Emigholz, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Peter Gagelmann, Vorsitzender der Bremer Sportstiftung, beim Talk mit WESER-KURIER-Sportchef Marc Hagedorn (von links).

Frank Thomas Koch

Hochrangige Vertreter aus Sport und Wirtschaft haben beim WESER-KURIER-Talk über gute Sportförderung diskutiert.

Alle vier Jahre, wenn die Olympischen Spiele die deutsche Öffentlichkeit daran erinnern müssen, dass Fußball doch nicht alles ist, und der Blick auf den Medaillenspiegel keine allzu große Freude bereitet, dann wird sie mal wieder gestellt: die Frage nach der Finanzierung des Leistungssports. Dann haben wütende Kurznachrichten deutscher Olympia-Sportler in den sozialen Netzwerken genauso Konjunktur wie hektische Rufe nach Reformen.

Abseits der eingeübten Erregungszyklen haben sich am Dienstagabend hochrangige Vertreter aus Sport und Wirtschaft in der ÖVB-Arena zusammengefunden, um zu diskutieren, wie gute Sportförderung aussehen kann. Am Finaltag der Bremer Sixdays hatte der WESER-KURIER zum dritten Business-Talk geladen. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Peter Gagelmann, Vorsitzender der Bremer Sportstiftung, und Harald Emigholz, Präses der Handelskammer Bremen, waren der Einladung gefolgt.

Über 200 Millionen Euro fließen jährlich in die Förderung des deutschen Spitzensports. Betrachte man allein die Ausgaben, die dem Sport in Deutschland insgesamt zugute kämen, müsse man gar über einen Betrag von weit über einer Milliarde Euro sprechen, betonte Hörmann. „Wie aber misst man Erfolg in der Sportförderung?“, eröffnete WESER-KURIER-Sportchef Marc Hagedorn die Runde.

Olympia-Medaillen, da herrschte Einigkeit, können zumindest eine Maßeinheit sein. „Unser Ziel ist es, Bremer Spitzensport so zu fördern, dass wir irgendwann auch mal wieder Medaillen in der Stadt präsentieren können“, sagte Gagelmann. Wenn in der Vergangenheit Bremer zu Olympia reisten, waren es in aller Regel solche, die die Stadt zugunsten ihrer Karriere längst verlassen hatten – wie etwa Basketballer Philip Zwiener oder Handballer Finn Lemke.

Möglicher Weg: die sogenannten Olympia-Stützpunkte

„Wir müssen in die Infrastruktur des Bremer Sports und die Ausbildung von Trainern investieren, damit wir es künftig schaffen, Olympia-Talente länger in Bremen zu halten“, sagte Gagelmann. Ein möglicher Weg dahin könnten die sogenannten Olympia-Stützpunkte sein. Bundesweit gibt es derzeit etwa 200 solcher Leistungszentren, bald sollen sie auf rund 160 reduziert werden. Im gesamten Bundesland Bremen findet sich momentan allein einer dieser Bundesstützpunkte – jener der Rhythmischen Sportgymnastik.

„Da ist noch ganz viel Luft oben“, konstatierte Hörmann mit Blick auf die Bremer Sportförderung. Man müsse sich in Bremen die Frage stellen, ob das, was im Bereich der Förderung geleistet und an Talenten hervorgebracht werde, in Relation zur Größe der Stadt stehe. Hörmann merkte ganz generell an: „Es kann und darf doch nicht der Anspruch eines Bundeslandes sein, dass Leistung nicht zählt.“

Neben der Politik sahen die Diskussionsteilnehmer auch die Wirtschaft in der Pflicht, Spitzensport stärker zu fördern. Handelskammer-Präses Emigholz hob ein Modell hervor, nach dem Unternehmen einzelne Talente auf ihrem Weg in den Spitzensport begleiten und unterstützen können – etwa durch die Möglichkeit einer „dualen Karriere“ in Sport und Beruf. DOSB-Präsident Hörmann betonte, dass es ohnehin sinnvoller sei, Spitzensportlern künftig breitere berufliche Perspektiven nach ihrer Karriere zu bieten, statt ihnen möglichst hohe Medaillen-Prämien zu zahlen.

„In Bremen wird viel in die Kultur investiert, und wir würden uns freuen, wenn die Wirtschaft das auch in dem Maße im Sport täte“, befand Gagelmann. Der Vorsitzende der Bremer Sportstiftung sagte, dass es in Bremer schwierig sei, Förderer für den Leistungssport zu finden. Dabei passten Sport und Wirtschaft im Grunde doch perfekt zusammen, fand DOSB-Präsident Hörmann. „Das sind keine Gegensätze für mich“, sagte er. „In die Offensive gehen, anzupacken, etwas bewegen zu wollen: Das haben Sport und Wirtschaft doch gemeinsam, und das müssen wir noch stärker verbinden.“

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