Interview mit Thomas Mutlu

„Der respektvolle Umgang hat gefehlt“

Thomas Mutlu spielte jahrelang für den SV Atlas Delmenhorst und stieg mit ihm in die Oberliga auf. Nun wechselte er zum TB Uphusen und spricht über die Gründe, warum er die Blau-Gelben verließ.
22.11.2019, 16:00
Lesedauer: 4 Min
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„Der respektvolle Umgang hat gefehlt“
Von Michael Kerzel
„Der respektvolle Umgang hat gefehlt“

Thomas Mutlu (Mitte) gehörte jahrelang zur Stammelf des SV Atlas Delmenhorst, sah in der Vorbereitung jedoch keine Perspektive mehr unter dem neuen Coach Key Riebau.

INGO MÖLLERS
Herr Mutlu, Sie standen zu Saisonbeginn beim SV Atlas Delmenhorst unter Vertrag, haben aber seit sechs Monaten kein Spiel gemacht. Wie ist der aktuelle Stand?

Thomas Mutlu: Seit September halte ich mich beim TB Uphusen fit, trainiere mit und spiele künftig auch dort, voraussichtlich bin ich gegen Eintracht Northeim am Sonntag im Kader. Da sind dann die sechs Monate ohne Pflichtspiel nach dem Niedersachsenpokal-Finale gegen Bersenbrück abgelaufen und ich bin spielberechtigt.

Warum haben Sie sich für den TB Uphusen entschieden?

Ich bin noch voll im Saft und wollte weiter in der Oberliga spielen. Und Uphusen ist in der Nähe. Ich kenne Co-Trainer Sven Apostel schon lange, er war auch der Erste, der mich angesprochen hat, nach Uphusen zu kommen. Ich bilde mit ihm und Aladji Barrie, der auch in Delmenhorst wohnt, eine Fahrgemeinschaft.

Was unterscheidet Atlas und Uphusen?

Bei Atlas ist natürlich alles eine Nummer größer. Gerade bei den Heimspielen. Das war schon ein Mega-Support in Delmenhorst. Auch auswärts. Das hat uns immer gepusht. So was gibt es in diesem Ligenbereich wohl in ganz Deutschland nicht. In Uphusen ist das natürlich eine andere Nummer. Da muss man sich mehr selbst motivieren, aber das ist bei mir kein Problem.

Wie ist der aktuelle Kontakt zu Atlas? Beim Topspiel gegen Hildesheim waren Sie kurz vor Spielbeginn als Gast noch auf der Spielerbank.

Ich verfolge die Spiele. Und wenn es zeitlich passt, komme ich auch noch hin. Ich kenne die ganze Mannschaft und habe da viele enge Freunde.

Wie ist das Verhältnis zu den Verantwortlichen?

Mit Manni Engelbart habe ich mich ausgesprochen. Es ist alles gut. Mit Basti Fuhrken hatte ich nie ein Problem.

Rückblickend: Wie kam es zur Trennung?

Vor der Saison 2018/19 hatte ich einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben, und das aus gutem Grund. Nach dem Ende der Vorbereitung auf diese Saison hat sich dann gezeigt, dass ich beim neuen Trainer nicht den Stand wie bei seinen Vorgängern hatte. Da hat mir der respektvolle Umgang von ihm mit den etablierten Spielern gefehlt. Dann kam noch das Pokalspiel gegen Werder hinzu, bei dem ich nicht spielen durfte. Mir war dann klar, dass es keinen Sinn mehr macht und ich wechseln will. Ich würde schon sagen, dass das Werder-Spiel der entscheidende Punkt war, aber es ging um die gesamte Art und Weise des neuen Trainers. Das Spiel war ein absolutes Highlight. Mehr geht nicht. Das Spiel gehörte den Spielern, die das möglich gemacht haben, die das aufgebaut haben bei Atlas. Die von der Kreis- oder Bezirksliga bis zur Oberliga und dem Pokalsieg dabei waren. Gerade für die Jungs aus der Stadt Delmenhorst, die aus dem Stadtteil Düsternort kommen. Das war ein Fest für die Stadt. Man hat gesehen, wie die Stadt sich darauf gefreut hat. Und das weiß man nur, wenn man aus der Stadt kommt. Das Ergebnis bei dem Spiel war nicht wichtig. Werte sind da wichtiger. Viele Leute hatten die Chance, früh beim Atlas-Projekt dabei zu sein, viele wollten das aber nicht. Meiner Meinung nach wäre das Werder-Spiel eine Belohnung für die Spieler gewesen, die das aufgebaut haben. Es ist nicht meine Welt, wenn Stefan Bruns, der lange Jahre dabei ist, nicht im Kader steht, oder dass Kevin Radke, der seit der Kreisliga dabei ist, erst in der 80. Minute eingewechselt wird und dass ich gar nicht spielen darf. Jeder muss für sich entscheiden, wie er damit umgeht. Für mich war klar, dass es für mich nicht weitergeht bei Atlas. Das hat mit Respekt zu tun. Ich bin dann auf Basti zugegangen und habe um die Freigabe gebeten.

Nun spielen Sie bei Uphusen. Sie sind eigentlich ein klassischer Sechser: zweikampfstark und aggressiv. Sie haben aber auch oft als Außenverteidiger gespielt. Wo spielen Sie am liebsten?

Im Zentrum spiele ich am liebsten, aber an sich ist es mir komplett egal, Hauptsache ich kann spielen. Es war die letzten Monate schwer für den Kopf, nur trainieren und nicht spielen zu dürfen. Jede Woche, die vergangen war, war eine Erleichterung. Die Motivation an sich ist für mich kein Problem, aber es gibt schönere Situationen.

Das Spiel Atlas gegen Uphusen ist für den 22. Februar angesetzt. Findet es dann statt, wird es ein Kampfspiel bei Kälte und tiefem Boden. Ihre Lieblingsbedingungen?

Je tiefer der Platz wird, desto schwieriger wird es für einige Spieler, ich kann dann aber meine Attribute einbringen. Ich freue mich schon auf das Spiel, alleine schon auf das Einlaufen. Wenn man da nicht brennt, braucht man nicht spielen.

Auf das Duell mit welchen Atlas-Spielern freuen Sie sich am meisten?

Musa Karli und ich kennen uns gut. Jeder weiß, was der andere gut kann, und wird darauf achten. Dieses Duell wird viel Spaß machen. Auf Marco Prießner freue ich mich auch besonders. Im Training habe ich oft gegen ihn gespielt. Und auf Marlo Siech freue ich mich auch. Der haut auch gerne dazwischen.

Welches Spiel/welche Situation mit Atlas ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die erfolgreiche Aufstiegsrelegation zur Bezirksliga bei Frisia Wilhelmshaven ist mir gut in Erinnerung. Und das Landesliga-Spiel bei BW Lohne, wo wir in der letzten Minute noch den Ausgleich kassiert haben und dachten, dass es das war mit dem Aufstieg. Aber auch an die echten Männersiege erinnere ich mich noch gerne. Als wir in der Oberliga mit nur neun Mann in Northeim gewonnen haben. Die Niedersachsenpokal-Saison war auch mega mit dem absoluten Höhepunkt in Hannover gegen Bersenbrück. Ich habe da so viele Jungs auf der Tribüne gesehen, die schon Kreisliga-Siege gegen Ganderkesee als Zuschauer gesehen haben, mit einigen Zuschauern habe ich selber zusammengespielt. Das war pure, ehrliche Freude.

Zum Abschluss ein Tipp: Wo landen Atlas und Uphusen in der Endabrechnung?

Uphusen wird noch einen einstelligen Tabellenplatz hinbekommen. Atlas steigt auf. Das würde mich sehr freuen.

Das Interview führte Michael Kerzel.

Info

Zur Person

Thomas Mutlu (29)

spielte fünf Jahre für den SV Atlas Delmenhorst und absolvierte unter anderem 56 Oberliga-Spiele für die Blau-Gelben. Kürzlich schloss er sich dem Ligakonkurrenten TB Uphusen an.

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