Handball-Verbandsliga Der Routinier kann es noch

Die Personalnot war groß, da kam Andre Haake die rettende Idee. Der Spielertrainer des Handball-Verbandsligisten HSG Delmenhorst benötigte dringend einen Kreisläufer und rief Jens Hafemann aus der dritten Mannschaft an.
09.04.2014, 00:00
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Der Routinier kann es noch
Von Christoph Bähr

Die Personalnot war groß, da kam Andre Haake die rettende Idee. Der Spielertrainer des Handball-Verbandsligisten HSG Delmenhorst benötigte dringend einen Kreisläufer und rief Jens Hafemann aus der dritten Mannschaft an. Der 44-jährige Routinier mit Oberliga-Erfahrung wusste im Spiel bei der HG Jever/Schortens auf Anhieb zu überzeugen und hat Lust auf mehr bekommen.

Es war Sonnabendnachmittag, und Jens Hafemann radelte gemütlich zum Treffpunkt seiner Mannschaft. Mit dem dritten Herrenteam der HSG Delmenhorst sollte es gegen den TSV Ganderkesee II gehen. Eine weitere Partie in der Regionsoberliga, wo der frühere Oberliga-Spieler Hafemann seine Handball-Laufbahn in aller Ruhe und ohne übermäßiges Training ausklingen lässt. Kurz bevor der 44-Jährige sein Ziel erreichte, klingelte das Handy. Am anderen Ende meldete sich Andre Haake, der Spielertrainer der ersten Mannschaft. Er brauchte kurzfristig einen Kreisläufer für das Verbandsliga-Spiel bei der HG Jever/Schortens und erinnerte sich an Hafemanns Qualitäten. „Ich wurde vom Fahrrad weg verpflichtet und habe spontan zugesagt“, erzählt der Routinier.

Plötzlich war es vorbei mit der Gemütlichkeit: Hafemann drehte sofort um, eilte zum Treffpunkt des ersten Teams und kam gerade noch rechtzeitig, um mit nach Jever zu fahren. Dort packte der Kreisläufer in der Deckung kräftig zu, warf ein Tor und trug seinen Teil dazu bei, dass die Delmenhorster sich am 29. März ein 27:27 erkämpften. Kurz vor Schluss sah er die Rote Karte nach seiner dritten Zeitstrafe. Dennoch betont Haake: „Mit seiner Routine hat ,Hafe’ uns Halt gegeben.“ Aus Hafemanns Sicht lief es überraschend gut. „Ich war schließlich gar nicht im Training, aber einige Dinge verlernt man nicht.“

Beruflich stark eingespannt

An den Einheiten der dritten Mannschaft hatte er nur unregelmäßig teilgenommen, weil er als Geschäftsführer einer Logistik-Firma sehr eingespannt ist. Das Comeback in Jever hat jedoch den Ehrgeiz wieder geweckt. Hafemann trainierte anschließend einmal mit dem ersten Team und lief am vergangenen Sonnabend beim FTSV Jahn Brinkum erneut in der Verbandsliga auf. „Da habe ich schon gemerkt, dass ich ein bisschen länger durchhalten konnte“, schildert er. Der 44-Jährige warf wieder einen Treffer, konnte die 30:35-Niederlage der Delmenhorster aber nicht verhindern.

„Dass wir verloren haben, ist schade. Trotzdem hatte ich großen Spaß“, betont Hafemann. „Bei uns im Verein kennt man sich. Da wurde es mir leicht gemacht, auszuhelfen.“ Einige seiner jetzigen Mitspieler kannte er schon, als sie noch Kinder waren. „Ich stehe nun mit Kyan Petersen und Fino Oetken auf dem Feld. Früher habe ich mit deren Vätern zusammengespielt. Das ist etwas Besonderes“, sagt Hafemann.

Der kampfstarke Kreisläufer lief bis 2003 mit der HSG Delmenhorst und ab 2004 mit der SG Bremen-Ost in der Oberliga auf. 2006 kehrte Jens Hafemann dann zu seinem Heimatklub HSG zurück, wo er fortan in unteren Teams mitmischte. Der Beruf hatte Vorrang, doch zumindest in den kommenden Wochen will er sich wieder mehr Zeit für den Handball nehmen. „Wenn einem etwas Spaß macht, findet man einen Weg“, unterstreicht Hafemann. Außerdem sei das unerwartete Comeback in der Verbandsliga eine willkommene Abwechslung. „Ich habe viel Kontakt zu jungen Leuten. Das hält frisch“, schildert Hafemann. Haake kann den Routinier derzeit allzu gut gebrauchen, denn am Kreis herrscht Notstand. Wie lange Christian Ahrens mit seiner Schulterverletzung ausfällt, muss noch geklärt werden. Der A-Jugendliche Dominik Ludwig ist ebenfalls angeschlagen.

Für die nächste Begegnung der Delmenhorster am Sonntag, 27. April, gegen den TvdH Oldenburg ist Hafemann daher fest eingeplant. Der Routinier freut sich bereits auf die Partie: „Endlich ein Heimspiel“, sagt der 44-Jährige, nachdem er bislang zweimal in der Fremde dabei war. Jens Hafemanns Sohn Joel, der mit den Delmenhorster D-Junioren gerade Regionsmeister geworden ist, schaut bei fast jedem Spiel der HSG-Erstvertretung in der Stadionhalle zu. „Dass er mich dort nochmal spielen sehen kann, ist eine sehr schöne Sache“, hebt Hafemann hervor.

Das Duell mit dem Tabellendritten TvdH Oldenburg wird somit zu einem kleinen Familientreffen, denn der Trainer des Gegners ist Jens’ Bruder Ralf Hafemann. „Ich weiß gar nicht, ob er schon mitbekommen hat, dass ich gegen seine Mannschaft auflaufen werde“, überlegt der Delmenhorster. Vornehmlich beschäftigen müssten sich die Oldenburger aber ohnehin mit anderen HSG-Spielern, betont Jens Hafemann. „Meine Reaktivierung ist nur eine ergänzende Maßnahme.“ Den Fokus lege er auf die Deckungsarbeit. „Aber ich habe schon den Ehrgeiz, komplett mitzuspielen“, betont Hafemann.

Etwas mehr Tape an den Fingern als die jungen Mitspieler benötigt der erfahrene Kreisläufer zwar, doch körperlich fühlt er sich topfit. Der Grund dafür sei seine Ernährung, sagt Hafemann. „Ich lebe seit über einem Jahr vegan. Dadurch habe ich an körperlicher Fitness gewonnen. Sonst wäre solch ein Comeback aus der kalten Hose wohl kaum möglich gewesen.“ Coach Haake hat der Routinier bereits beeindruckt: „Mit regelmäßigem Training könnte er von der Leistung her sicher noch in der Verbandsliga spielen.“ Über eine dauerhafte Rückkehr in die erste Mannschaft, die aufgrund des angekündigten Abschieds von Christian Ahrens einen Kreisläufer sucht, denkt Jens Hafemann aber nicht nach. Wenn nötig, stehe er dem Verbandsliga-Fünften bis zum Saisonende zur Verfügung. Den theoretisch noch machbaren Oberliga-Aufstieg hat er dabei nicht im Kopf. Der Kreisläufer hat vorerst ein ganz bescheidenes Ziel: „Ich persönlich möchte jetzt mal ein Spiel gewinnen.“

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