Bremerhavens Fans peitschen den DEL-Neuling gegen Wolfsburg nach vorne

Der siebte Pinguin

Bremerhaven. „Diese Bremerhavener werden hier noch einige Spiele gewinnen”, zeigte sich Grizzlys-Trainer Pavel Gross nach dem erfolgreichen DEL-Auftakt seiner Wolfsburger am Freitagabend beeindruckt. Die Fischtown Pinguins, der Neuling im deutschen Eishockey-Oberhaus, hatten dem favorisierten Vizemeister beim 2:3 über weite Strecken des Spiels Paroli geboten.
18.09.2016, 00:00
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Der siebte Pinguin
Von Marlo Mintel
Der siebte Pinguin

Die Pinguins wehrten sich am Freitagabend mit allen Mitteln. Bremerhavens Mike Moore (l.) und Wolfsburgs Philip Riefers lieferten sich gegen Spielende einen Faustkampf.

nordphoto / Ewert, nordphoto

Bremerhaven. „Diese Bremerhavener werden hier noch einige Spiele gewinnen”, zeigte sich Grizzlys-Trainer Pavel Gross nach dem erfolgreichen DEL-Auftakt seiner Wolfsburger am Freitagabend beeindruckt. Die Fischtown Pinguins, der Neuling im deutschen Eishockey-Oberhaus, hatten dem favorisierten Vizemeister beim 2:3 über weite Strecken des Spiels Paroli geboten.

Gross‘ Kompliment galt nicht nur der aufopfernd kämpfenden Pinguins-Mannschaft, sondern auch den Bremerhavener Fans in der ausverkauften Eisarena. 4647 Zuschauer kamen in die Halle am Wilhelm-Kaisen-Platz – darunter rund 400 Gäste-Fans. „Eine ganze Stadt, eine ganze Organisation hat diesem Spiel entgegengefiebert”, sagte Fischtown-Trainer Thomas Popiesch nach der Partie. Und die Euphorie von den Rängen schwappte auf die Mannschaft über.

Im Stehplatzbereich, dort wo die treuesten Pinguins-Fans bei den Heimspielen stehen und ihre Mannschaft lautstark unterstützen, stand ein Banner sinnbildlich für die Gefühlslage der Pinguins-Anhänger. „Leben unseren Traum” war dort zu lesen. Diesen Traum lebten die Zuschauer auf den Rängen aus. Sie unterstützen ihre Mannschaft über den gesamten Spielverlauf lautstark und bedingungslos. „Wir haben die besten Fans der Liga. Wir konnten uns teilweise auf dem Eis untereinander nicht verstehen”, sagte Doppeltorschütze Jordan Owens nach der Partie. Der 30-jährige Kanadier schrieb sich mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 in die Geschichtsbücher des Klubs – ganz zur Freude des Heimpublikums. „Vor allem bei unserem ersten DEL-Tor im zweiten Drittel haben wir die Fans gehört”, sagte der Angreifer, der seit der vergangenen Saison den Pinguins angehört und in der DEL 2 in 52 Spielen 16 Treffer erzielte.

Ähnlich beeindruckt zeigte sich Mike Moore, der neue Kapitän der Bremerhavener, vom euphorisierten Anhang. „Es war unglaublich. Das Publikum war atemberaubend, was für eine Eishockey-Stadt, was für eine Eishockey-Atmosphäre.” Der kanadische Sommerzugang tritt als Kapitän die Nachfolge von Pinguins-Identifikationsfigur Marian Dejdar an, der vier Jahre das Team als Mannschaftsführer aufs Eis geführt hatte. „Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als mir der Trainer in der vergangenen Woche mitgeteilt hat, dass ich das Amt ausführen darf“, sagte der 31-jährige Kanadier, der bei den meisten seiner vorherigen Klubs zum Kapitän oder immerhin zum Assistenten gewählt wurde. Mike Moore sei die „beste Wahl”, findet sein Trainer Thomas Popiesch. Marian Dejdar hatte ihm im Sommer mitgeteilt hat, „dass er für das Kapitänsamt nicht mehr zur Verfügung stehen möchte”. Nicht nur beim Coach, auch innerhalb der Mannschaft genießt der neue Pinguins-Kapitän großen Rückhalt. „Er ist ein guter Leader. Wir stehen hinter ihm. Er hat gut gespielt”, sagte Fischtown-Routinier Andrew McPherson nach der Auftaktniederlage. Was Mike Moore auszeichnet? „Er hat viel Erfahrung. Er ist ruhig, redet in der Kabine zu uns, er wählt die richtigen Worte”, so der 37-Jährige weiter, der seit 2012 für den DEL-Neuling spielt.

Auch das Bremerhavener Publikum hatte den Kanadier, der von den Hershey Bears aus der zweithöchsten nordamerikanischen Eishockey-Liga (AHL) kam, schnell in sein Herz geschlossen. Kurz vor Ende der Partie zettelte er einen Faustkampf gegen Wolfsburgs Riefers an. Die Zuschauer erhoben sich und feuerten ihren Neu-Pinguin an. „Er wollte ein Zeichen setzen”, sagte Popiesch, dem die Aktion seines Schützlings gefiel.

Ob auch an diesem Sonntag (19 Uhr) in Schwenningen, im ersten DEL-Auswärtsspiel der Bremerhavener Vereinsgeschichte, die Fäuste fliegen werden, bleibt abzuwarten. Die Wild Wings mussten wie ihr kommender Gegner eine Auftaktniederlage hinnehmen. Mit 0:4 kam das Team von Coach Pat Cortina beim ERC Ingolstadt, dem DEL-Meister des Jahres 2014, unter die Räder und zeigte dabei eine wenig inspirierte Leistung.

„Wir wollen dort drei Punkte holen”, stellte Pinguins-Publikumsliebling Cody Lampl schon kurz nach dem Wolfsburg-Spiel klar. Auch Kapitän Mike Moore fordert einen Sieg beim Schlusslicht der vergangenen DEL-Saison. Und vielleicht wird Pat Cortina dann sagen, dass der DEL-Neuling aus Bremerhaven auch in der Fremde noch so einige Spiele für sich entscheiden wird.

„Wir haben die besten Fans der Liga.“ Jordan Owens
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