Werders feiert Sieg gegen Leipzig Der Tag der Österreicher

Wichtiger Heimsieg für Werder! Die Bremer besiegen RB Leipzig zuhause auch ohne Serge Gnabry und Max Kruse mit 3:0. Zlatko Junuzovic, Florian Grillitsch und Florian Kainz treffen.
19.03.2017, 00:00
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Der Tag der Österreicher
Von Andreas Lesch

Wichtiger Heimsieg für Werder! Die Bremer besiegen RB Leipzig zuhause auch ohne Serge Gnabry und Max Kruse mit 3:0. Zlatko Junuzovic, Florian Grillitsch und Florian Kainz treffen.

Wieder und wieder hallten die Gesänge durchs Weserstadion. „Oh, wie ist das schön! Oh, wie ist das schön! So was hat man lange nicht geseh'n, so schön, so schön!” Tatsächlich hat man das lange nicht gesehen: dass Werders Fußballer gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga 3:0 (1:0) gewinnen – und das auch noch verdient. Man hat das aber auch lange nicht gehört: dass die Bremer Fans dieses Lied so inbrünstig schmettern. Es klang, als habe dieser Triumph über RB Leipzig in ihnen eine Hoffnung geweckt. Die Hoffnung, dass sie dem ewigen Abstiegskampf bald entkommen und wieder bessere Zeiten erleben.

Dieser Sieg war vor allem deshalb ein Mutmacher, weil er voller wunderbarer Geschichten steckte. Zuallererst war da natürlich die Geschichte der drei Österreicher. Zlatko Junuzovic, Florian Grillitsch und Florian Kainz erzielten die Treffer der Bremer – und das auch noch gegen einen Gegner, der vom Österreicher Ralph Hasenhüttl trainiert und vom Österreicher Dietrich Mateschitz finanziert wird. „Dass drei Österreicher treffen, ist natürlich Wahnsinn. Das ist die Kür”, sagte Junuzovic. Er ahnte, dass er und seine Kollegen einen ausgeben müssen, um diese ganz spezielle Leistung zu feiern: „Um den Kaiserschmarrn werden wir nicht drumherum kommen.”

Gnabry und das Gesäß

Grillitsch beteiligt sich bestimmt – auch wenn er nach dem Spiel noch nicht so euphorisch klang. „Natürlich freue ich mich auch für meine Landsleute”, sagte er, musste dann aber selbst grinsen, als er merkte, dass das ein bisschen zu staatstragend klang. Die Bremer haben viel gelacht an diesem Sonnabend, sie haben gelöst gewirkt wie lange nicht. „Das war genau das Spiel, das wir uns alle gewünscht haben”, sagte Außenverteidiger Robert Bauer. Er und seine Kollegen haben gespürt, dass ihnen an diesem Tag etwas Großes gelungen ist.

Denn sie haben die Leipziger ja nicht in bester Besetzung bezwungen, sondern ohne die verletzten Offensivspieler Max Kruse und Serge Gnabry, ihre vielleicht talentiertesten Kräfte – und das war die nächste Geschichte dieses 3:0 gegen Leipzig. Kruse hatte schon in den Tagen vor der Partie wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel gefehlt. Gnabry hatte sich am Donnerstag im Training eine Sehnenreizung am Gesäß zugezogen.

Er wird in dieser Woche wohl auch nicht zur U 21-Nationalmannschaft fahren. Zu Beginn der Partie gegen Leipzig merkte man, wie sehr die beiden Hochbegabten fehlten; die Bremer bekamen kaum einen geordneten Angriff hin. Dann aber strukturierten sie ihr Spiel immer besser. Sie ließen die Leipziger nur selten gefährlich vor ihr Tor kommen, und sie kombinierten selbst schön, schnell, direkt.

„Wir haben gezeigt, dass wir die Ausfälle auffangen können im Kollektiv”, sagte Bauer. Trainer Alexander Nouri schwärmte: „Ich fand, dass wir es großartig kompensiert haben, mit unheimlich viel Herz und Disziplin.” Er lobte seine Mannschaft für eine „sehr, sehr gute Teamleistung” – und gab ihr als Belohnung für diese Leistung zwei Tage frei. Ob die Spieler diese Freizeit nutzen wollten, um ihren Sieg zu feiern? „Ja, heute ist das mal erlaubt”, sagte Grillitsch. Sportchef Frank Baumann sah das ähnlich. „Wir können heute definitiv den Tag genießen – und morgen auch”, sagte er.

Der Genuss der Bremer war auch deshalb so groß, weil sie so traumhafte Treffer erzielten. Beim 1:0 flankte Bauer von links, die Leipziger beförderten den Ball aus dem Strafraum, und Junuzovic drosch ihn mit einer Art gesprungenen Grätsche aus 22 Metern ins Netz (34.). Das 2:0 schafften die Bremer durch einen Freistoßtrick, den sie im Training einstudiert hatten. Erst besprachen sich Grillitsch und Thomas Delaney; dann ging Delaney zu Junuzovic und tuschelte mit ihm; dann schoss Junuzovic den Freistoß flach zu Grillitsch, der ihn aus vollem Lauf in den linken oberen Torwinkel beförderte (59.). „Ein Tor, das man auch nicht alle Tage schießt”, wie Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl gestand. Das 3:0 erzielten die Bremer durch einen Konter. Fin Bartels sprintete mit dem Ball nach vorn und passte ihn quer zu Aron Johannsson. Der eingewechselte Angreifer scheiterte an Torwart Peter Gulacsi, doch der ebenfalls eingewechselte Kainz traf im zweiten Versuch und krönte einen perfekten Nachmittag (90.).

Nouri und die Gastronomen

Die Bremer haben ihre Serie damit ausgebaut. 13 Punkte haben sie aus den jüngsten fünf Spielen geholt, durch vier Siege und ein Unentschieden. In der Tabelle sind sie auf Platz 13 geklettert. Wie lange diese Serie noch weitergeht? „Ich hoffe, bis zum letzten Spieltag”, sagte Bauer. Das klang optimistisch, aber kein bisschen großkotzig. Die Bremer wissen, dass die Bundesliga ein rasendes Geschäft ist, in dem Trends sich schneller ändern, als man denkt. Kein Wunder, dass Nouri ein paar mahnende Worte fand. „Wir sollten bescheiden bleiben, trotz dieser Punktausbeute. Es gibt keinen Anlass, in irgendwelchen Jubel auszuarten”, sagte er. „Es ist so, dass alle Schritt halten und dass du dir keine Blöße geben darfst. Wir dürfen uns bis zum Ende keine Nachlässigkeit erlauben.”

Jetzt aber haben die Bremer sowieso erst mal zwei Wochen kein Bundesligaspiel, weil Länderspielpause ist. „Schade”, sagte Baumann. „Wir hätten gern den Lauf weiter genutzt.” Andererseits, merkte Nouri an, hätten Gnabry und Kruse so mehr Zeit, um in Ruhe wieder fit zu werden. Und ihren Optimismus werden die Spieler in der Pause schon nicht verlieren. „Wir versuchen, nach der Länderspielpause wieder da anzuknüpfen, wo wir jetzt aufgehört haben”, kündigte Grillitsch jedenfalls an.

Aber so weit mochten die Bremer an diesem Feiertag noch gar nicht zu lange denken. Nouri dachte viel lieber an das, was der Sieg seines Teams in der Stadt auslösen würde. „Wir haben die Fans und die Gastronomen hier im Viertel belohnt”, sagte er. „Die haben hoffentlich genug Bier kaltgestellt.”

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