Hürriyet-Schlussmann Jens Dekarski muss wegen der Personalnot als Verteidiger aushelfen und hat ein großes Ziel Der Torwart und der Traum vom Tor

Delmenhorst. Als er nicht mehr wusste, wen er noch aufstellen sollte, erinnerte sich Chawkat El-Hourani an ein Angebot, das ihm Jens Dekarski schon vor einiger Zeit gemacht hatte. „Ich kann auch draußen spielen“, sagte der Torwart damals zu seinem Trainer.
26.03.2015, 00:00
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Der Torwart und der Traum vom Tor
Von Christoph Bähr

Als er nicht mehr wusste, wen er noch aufstellen sollte, erinnerte sich Chawkat El-Hourani an ein Angebot, das ihm Jens Dekarski schon vor einiger Zeit gemacht hatte. „Ich kann auch draußen spielen“, sagte der Torwart damals zu seinem Trainer. Am vergangenen Sonntag kam der Coach von Rot-Weiß Hürriyet darauf zurück und bot Dekarski tatsächlich als Außenverteidiger auf. Als das Spiel gegen den TV Dötlingen beendet war, und der Spitzenreiter der Fußball-Kreisliga mit 1:0 gewonnen hatte, zeigte sich El-Hourani geradezu begeistert von dieser Idee: „Jens war unser bester Spieler. Er war supergut.“

Für den 21-Jährigen selbst ist seine neue Rolle dagegen keine große Sache. „Das war für mich nicht neu. Ich habe in der Jugend schon im Feld gespielt“, erzählt Dekarski, der einst als Stürmer begann. Solch einen Spieler wie ihn wünscht sich wohl so mancher Trainer. „Ich kann alles spielen außer Zehner“, sagt der Delmenhorster. Und er tut das auch, wenn es nötig ist. Am morgigen Freitag im Auswärtsspiel bei den SF Wüsting-Altmoorhausen wird Dekarski laut El-Hourani wieder im Feld gebraucht. „Kein Problem“, sagt der Torwart. „Genug Kondition habe ich.“

Gegen Dötlingen hielt er 90 Minuten lang durch, erst als Links- dann als Rechtsverteidiger. Trotz der starken Leistung war Dekarski allerdings nicht vollends zufrieden: „Ich wollte unbedingt ein Tor schießen. Leider stand ich bei einer Chance im Abseits“, sagt er. „Bei Standards gehe ich immer mit nach vorne. Ich bin ein offensiver Außenverteidiger.“ Seinem Coach El-Hourani unterbreitete der etatmäßige Torwart nach dem Dötlingen-Spiel übrigens schon wieder einen Vorschlag: „Ich habe Chawkat gesagt, dass er mich in den Sturm packen soll“, berichtet er. Der Hürriyet-Trainer wollte sich aber noch nicht festlegen. „Müssen wir mal gucken“ hat er laut Dekarski geantwortet.

Klar ist für den 21-Jährigen aber, dass bei den abstiegsbedrohten Wüstingern ein Sieg Pflicht ist. „Ich will schließlich Kreisliga-Meister werden“, betont Dekarski. Der Titel könnte für ihn einen gelungenen Abschied nach vier Jahren bei Hürriyet darstellen, denn für den Sommer kündigt der Keeper seinen Wechsel an. Am liebsten würde sich Dekarski dem U21-Team von Werder Bremen (Bremen-Liga) anschließen. Dort trainiert er derzeit bereits regelmäßig mit. „Ich bin jeden Tag beim Training, entweder in Bremen oder bei Hürriyet“, erzählt Dekarski.

In der Jugend lief er schon mehrere Jahre für Werder auf. Als er mit Eintracht Delmenhorst am McDonald’s Junior-Cup teilgenommen hatte, war er von Spähern des Bundesligisten entdeckt worden. In der B-Jugend kehrte Dekarski in seine Heimatstadt zurück, wo er mit der A-Jugend des TV Jahn den Landesliga-Aufstieg schaffte. In der Herren-Kreisliga spielte er für den Delmenhorster TB und für Hürriyet. Jetzt sehnt er sich nach etwas höherklassigem Fußball, dann natürlich als Torwart. „Bei Werder habe ich auch immer nur im Tor gestanden“, sagt Jens Dekarski.

Bis zum Sommer aber kann er sich gut vorstellen, weiter im Feld aufzulaufen. Die Situation bei Hürriyet lässt derzeit auch kaum etwas anderes zu. In Dennis Bal steht nämlich noch ein weiterer Torhüter im Kader, während Feldspieler Mangelware sind. Nach den Abgängen von Mohammed Alawie und Zinar Sevimli während der Winterpause ging beim Kreisliga-Primus in der Personalplanung einiges schief. Zwar sollte Zinar Alkas vom KSV Hicretspor kommen, doch nach einem Missverständnis mit dessen altem Klub fehlt nun die Freigabe. Im Falle von Jannis Bensch wurde die Wechselfrist versäumt, weshalb der Stürmer jetzt doch beim SV Atlas II bleibt. Murat Krmer vom KSV Hippokrates darf erst ab 13. April spielen. Rückkehrer Ahmet Skeiki fällt verletzt bis zum Saisonende aus. Zwar reaktivierten die Rot-Weißen Kai Hager, der früher für den TuS Heidkrug aktiv war, doch gegen Dötlingen standen trotzdem nur zwölf Akteure im Aufgebot.

„Wir haben momentan keine Leute. Ich brauche Jens deswegen im Feld“, verdeutlicht El-Hourani. Dekarski kommt das sogar entgegen, denn er spürt immer noch die Folgen einer Schulterverletzung aus dem vergangenen Jahr. Die Gefahr, wieder auf die lädierte Stelle zu stürzen, ist als Feldspieler deutlich geringer als im Tor. Außerdem hat der Aushilfs-Verteidiger schon einen Vorteil ausgemacht, der ihm in Zweikämpfen weiterhilft. „Als Torwart kenne ich die Laufwege der Stürmer sehr gut“, sagt er. „Ich weiß, wie sie sich bewegen.“ Seine Körpergröße von fast zwei Metern sei zudem bei Kopfballduellen sicher kein Nachteil. Und bei dem Thema fällt Jens Dekarski auch sein großes Ziel wieder ein. „Da müsste es doch mit einem Tor mal was werden, vielleicht auch per Kopf. Gegen Dötlingen habe ich schon alles versucht“, sagt er und blickt optimistisch auf den morgigen Freitag: „Vielleicht klappt es dafür gegen Wüsting.“

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