Lukas Rüpke will als Tennis-Profi Karriere machen – doch die Fortschritte lassen auf sich warten

Der Traum von den Top 100

Bremen. Mit der Teilnahme an einer Tennis-Akademie in Wien erhoffte sich Lukas Rüpke, seiner Profikarriere neuen Schwung zu verleihen. Verbunden mit dem Ziel, den Top 100 der ATP-Weltrangliste entscheidend näherzukommen.
04.12.2016, 00:00
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Der Traum von den Top 100
Von Marlo Mintel
Der Traum von den Top 100

Training für den Traum: Tennisspieler Lukas Rüpke vom Club zur Vahr.

Frank Thomas Koch

Bremen. Mit der Teilnahme an einer Tennis-Akademie in Wien erhoffte sich Lukas Rüpke, seiner Profikarriere neuen Schwung zu verleihen. Verbunden mit dem Ziel, den Top 100 der ATP-Weltrangliste entscheidend näherzukommen. Stattdessen wurde die Akademie zum Tiefpunkt des Tennisspielers vom Club zur Vahr (CzV). Mehr noch: Nach dem viermonatigen Intermezzo im vergangenen Jahr stand der Bremer sogar kurz davor, alles hinzuwerfen. Rüpke machte weiter. Doch die Top 100 sind für die aktuelle 927 der Welt weiter nicht in Sichtweite. Es ist ein Wettkampf gegen die Zeit. Schließlich ist er bereits 23 Jahre alt.

Lukas Rüpke, am Sonnabend mit dem CzV in der Hallen-Regionalliga aktiv (Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor), spielt Tennis, seit er fünf ist. Mit neun nahm er an seinen ersten Turnieren teil. Er fing mit zwölf an, von einer Karriere als Profi-Tennisspieler zu träumen. Drei Jahre später, nach seinem Realschulabschluss, stand er vor der Wahl: Tennis oder Abitur. „Wir haben gesagt, jetzt Vollgas. Jetzt tun wir alles, alles für Tennis“, sagt Lukas Rüpke rückblickend. Mit wir meint er Vater Peter und CzV-Trainer Lars Graubohm. Lukas Rüpkes Karriere verlief seitdem wie eine Berg- und Talfahrt.

Mit 18 spielte er seine ersten Weltranglistenturniere, holte mit 19 den ersten WM-Punkt bei einem ITF-Future-Turnier. Die ITF-Future-Serie ist nach der ATP-World-Tour und der ATP-Challenger-Tour die drittgrößte Kategorie im Profi-Tennis. Mit 21 rückte er im Januar 2015 bis auf Position 861 vor – seine beste Platzierung, bis heute. Erste Motivationsprobleme traten auf. Der Traum von den Top 100: doch nur eine Illusion?

Im August 2015 fiel der Entschluss, nach Wien auf die Tennisakademie zu gehen. „Das hat ihm das Genick gebrochen“, sagt Vater Peter. anfangs war das nicht absehbar, die Rahmenbedingungen stimmten. „Da war alles“, sagt Lukas Rüpke. „Es gab Trainingspartner ohne Ende, einen Konditionstrainer. Jugend- und Herrenspieler waren da. Teilweise Spieler, zwischen Weltranglistenplatz 200 und 300“, berichtet der 23-Jährige.

Es wurde nicht nur ausschließlich trainiert, sondern man reiste auch zu Turnieren nach Serbien, Ägypten oder Österreich. Doch die erhofften Erfolge blieben aus. „Als ich nach Wien gekommen bin, war ich um Platz 900. Während dieser Zeit bin ich um 200 bis 300 Plätze gefallen. Ich bin eigentlich nur auf Turnieren rumgekrebst.“ Und fügt an: „Ich habe in dieser Zeit auch nicht die Entwicklung gespürt, die hätte passieren müssen.“ Die Entwicklung, um zeitnah einer der 100 besten Spieler der Welt sein zu können.

„Wenn man es in die Top 100 schafft, kann man davon leben“, erklärt Rüpke. Das war sein Ziel. Rund 4000 Euro betrugen die monatlichen Kosten in Wien, die zum Großteil von privaten Sponsoren finanziert wurden, die Rüpkes Weg seit Jahren unterstützen. Besonders an der Tennisakademie spürte der Bremer den Druck, etwas sportlich zurückgeben zu müssen. „Man will natürlich Ergebnisse abliefern und für sich eine Bestätigung einholen. Auch um den anderen zu zeigen: Das lohnt sich, macht weiter“, sagt Rüpke.

Nicht mehr weiter ging es für ihn in Wien im November 2015. Rüpke hörte freiwillig auf und kehrte nach Bremen zurück. Er nahm eine Auszeit vom Tennis. „Ich habe den Schläger nicht einmal angefasst. Eigentlich war es mal das Richtige, nicht an Tennis zu denken. Einfach mal loszulassen“, sagt er.

Ganz ließ Rüpke aber nicht los, und wagte nach vier Wochen noch einmal einen Versuch. Er reduzierte Anfang des Jahres seine Turnierteilnahmen und spielte vor allem kleinere nationale Turniere, die nicht das hohe Niveau der Future-Serie haben. Sein Ziel: Spielpraxis zu bekommen. Im Sommer kamen auch wieder nationale Future-Turniere hinzu.

„Wir haben uns dann im September einen Schub von außen geholt“, sagt Peter Rüpke. Er hatte den Kontakt zu Nicolas Kiefer hergestellt, der ehemaligen Nummer vier der Welt. Kiefer ist der Kopf des Trainerteams der Tennis-Base in Hannover, dem Bundesstützpunkt Nord. Lukas Rüpke spielte vor den Augen des Ex-Profis vor, holte sich Tipps ein. Und die Einschätzung, ob es sich lohnt, weiter den Traum der Top 100 zu verfolgen. „Du musst an dich glauben“, entgegnete Kiefer dem Spieler vom CzV.

Der Besuch in Hannover schien Auftrieb verliehen zu haben. Im bayrischen Hambach erreichte Rüpke im Oktober das Halbfinale, seine zweite Vorschlussrunden-Teilnahme bei einem Future-Turnier überhaupt. Anfang November holte er sich als Vierter der Setzliste den Norddeutschen Hallenmeistertitel. Eine Woche später schaffte er es beim Challenger im italienischen Brescia nach drei Siegen in der Qualifikation ins Hauptfeld, schied dann in zwei Sätzen gegen Lukas Lacko, der ehemaligen Nummer 44 der Welt, aus. Am vergangenen Wochenende bei den Verbandsmeisterschaften Nordwest musste die Nummer 89 der deutschen Rangliste allerdings eine Enttäuschung hinnehmen: Überraschend schied er glatt in zwei Sätzen (1:6, 2:6) im Halbfinale gegen Jannik Schepers (BTV v. 1896) aus.

„Mit 25 sollte schon die Ausrichtung auf die Top 100 vorhanden sein. Dann kann man absehen, ob man es dahin schaffen kann“, erklärt Rüpke. Wenn nicht, beendet er seine Ambitionen und hört als Tennisprofi auf. „Einen Plan B“, wie er sagt, habe er bereits in der Tasche. Seit eineinhalb Jahren macht er an einer Fernschule in Hamburg sein Abitur. Genau diese Zeit dauert es noch, bis er die Prüfung absolvieren kann. Im Anschluss sei ein Studium an der Sporthochschule Köln denkbar, sagt er. Aber noch lieber ist ihm die Vorstellung, es eines Tages als Tennisprofi in die Top 100 geschafft zu haben.

„Du musst an dich glauben.“ Ex-Profi Nicolas Kiefer
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