Fußball und TV-Gelder Der Traum von einer Milliarde Euro

Die englische Premier League ist absoluter Spitzenreiter in Sachen TV-Gelder für die Übertragung der Fußballspiele. Die deutsche Fußball-Bundesliga möchte in dieser Hinsicht gerne gleichziehen - mindestens.
10.02.2016, 00:00
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Vergangene Woche traf sich die Branche mal wieder zum Netzwerken. SpoBis heißt der jährliche Treff in Düsseldorf, zu dem unter anderem Sportrechtevermarkter, Bundesliga-Manager, Liga-Bosse und Entscheider aus TV- und Telekommunikationsunternehmen zusammenkommen. Peter Hutton war auch da. Hutton ist der Geschäftsführer von Eurosport, und Hutton sagte mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen über den Verkauf der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga: „Das ist ein großes Wettbieten.“

Dieser Befund an sich kam nicht überraschend. Die Klubs aus der ersten und zweiten Bundesliga rechnen mit einem Verkaufsrekord. Bis zu einer Milliarde Euro, so die Hoffnung einiger Vereine, soll der Verkauf der Fernsehrechte ab der Saison 2017/2018 aus der In- und Auslandsvermarktung bringen. So weit, so bekannt. Trotzdem hören alle Beteiligten besonders genau hin, wenn einer wie Hutton sich zum Topthema der nächsten Monate äußert. Denn es kann gut sein, dass der US-Konzern Discovery, zu dem Eurosport gehört, demnächst mitmischt im Kampf um die Übertragungsrechte. Discovery hatte erst im vergangenen Sommer mit dem Erwerb der Olympia-Rechte alle Welt überrascht.

Das Kartellamt ist eingeschaltet

Ein ähnlicher Coup bei der Fußball-Bundesliga wäre ganz nach dem Geschmack etwa von Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef des FC Bayern freut sich über jeden Konkurrenten zum Branchenprimus Sky. Um den Wettbewerb zu verschärfen, also den Konkurrenzdruck auch auf Sky zu erhöhen, haben unter anderem die Bayern beim Bundeskartellamt unlängst einen Antrag eingebracht. Auch die Telekom und eine Gruppe um den Ex-Kirch-Chef Dieter Hahn verlangen eine sogenannte No single buyer rule, eine Regel, die es künftig nicht mehr erlaubt, Live-Rechte komplett und allein an einen Anbieter zu vergeben. Aktuell ist das noch der Fall: Sky ist die klare Nummer eins.

„Wir brauchen mehr Geld – nicht nur Bayern München, sondern die gesamte Bundesliga“, sagt Rummenigge deshalb seit langer Zeit. Zusätzliche Konkurrenten für Sky, so der Plan, sollen den Preis nach oben treiben. In England hat das funktioniert. Dort übertragen Sky und die BT Group (British Telecom) live aus der Premier League, dafür fließen ab dem Sommer jene sagenhaften 2,3 Milliarden Euro, die auch hierzulande vielen Bundesliga-Managern den Kopf verdrehen. Dieses Geld, so die Erwartung, wird den Transfermarkt in den europäischen Topligen gehörig durcheinanderwirbeln.

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Allerdings: Was in England funktioniert hat, das muss in Deutschland nicht unbedingt auch klappen. Aktuell berät das Kartellamt noch über die „No single buyer rule“, weshalb sich der Ausschreibungsbeginn für die Bundesliga-Rechte auch schon verschoben hat. Im April soll trotzdem die Entscheidung fallen. Noch ist unklar, wer dann tatsächlich im Kampf um die einzelnen Rechtepakete überhaupt mitmacht. Es geht um verschiedene Bereiche: Free-TV, Pay-TV, Erstverwertung, Zweitverwertung, Internet und mobile Netze.

Der Spieltag wird zerstückelt

RTL, der Springer-Verlag mit Bild.de, die Telekom, Vodafone/Kabel Deutschland, die ARD, die Amerikaner von beIN-Sports und die Engländer von Perform, vielleicht auch Google und Amazon werden seit geraumer Zeit als mögliche Interessenten gehandelt. Verschiedene Szenarien sind in den einzelnen Bereichen denkbar, darunter auch eines, das flächendeckend für gehörigen Wirbel sorgen würde, weil es die gute, alte „Sportschau“ der ARD am Sonnabend betrifft. Ein Konzept sieht vor, die Sendung von jetzt gut 90 Minuten auf 45 Minuten zu verkürzen. So könnte in dem Segment „zeitversetzte Highlight-Berichterstattung“ im Free-TV ein weiterer Anbieter mit ins Boot geholt werden.

Längst klar ist, dass die Deutsche Fußball-Liga bereit ist, Zugeständnisse an die TV-Sender zu machen. So soll es ab der Saison 2017/2018 fünf Erstliga-Spiele montags ab 20.15 Uhr sowie fünf Erstliga-Spiele sonntags ab 13.30 Uhr geben. Offiziell begründet die DFL dies mit einer Entlastung für die deutschen Klubs, die donnerstags regelmäßig in der Europa League am Ball sind. Jeder weiß aber, dass es in Wirklichkeit jedoch darum geht, das Produkt Bundesliga-Fußball für den Markt noch attraktiver zu machen. Auf dass die Milliarden-Marke geknackt werde.

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