Trainer Torben Beltz hat Angelique Kerber so selbstbewusst und fit gemacht wie sie noch nie in ihrer Tenniskarriere war

Der unverzichtbare Mann an ihrer Seite

Melbourne. Als Torben Beltz vor einem Dreivierteljahr in der Sonne Floridas über seine Chefin Angelique Kerber sprach, da blickte er ungewohnt ernst drein. Gerade erst war der 39 Jahre alte Beltz wieder an Kerbers Seite gerückt, zum zweiten Mal in deren Profikarriere, doch vom Optimismus, den der Übungsleiter sonst regelmäßig versprüht, war in diesem Moment nichts zu spüren.
28.01.2016, 00:00
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Von Jörg Allmeroth

Als Torben Beltz vor einem Dreivierteljahr in der Sonne Floridas über seine Chefin Angelique Kerber sprach, da blickte er ungewohnt ernst drein. Gerade erst war der 39 Jahre alte Beltz wieder an Kerbers Seite gerückt, zum zweiten Mal in deren Profikarriere, doch vom Optimismus, den der Übungsleiter sonst regelmäßig versprüht, war in diesem Moment nichts zu spüren. „Durchhangeln, durchwurschteln“ müsse man sich die nächsten Wochen, wenn nicht gar Monate, „harte, schwere Aufbauarbeit“ gelte es nach Kerbers Ergebnis- und Sinnkrise zu leisten, so Beltz.

Kerber kann Beltz immer wieder überraschen, den Mann, der in ihrer wechselvollen, ebenso bewegten wie bewegenden Laufbahn, der wichtigste Weggefährte gewesen ist. Einen Monat nach den verhaltenen Zukunftsprognosen in Miami gewann Kerber erst den WTA-Wettbewerb in Charleston und dann, besonders wertvoll, nach einem brillanten Lauf das Heimturnier in Stuttgart, den Porsche Grand Prix, später im Saisonverlauf 2015 kamen noch zwei weitere Pokalcoups hinzu. „Angie abzuschreiben, hat sich noch nie gelohnt. Sie ist so eine große Kämpferin“, sagt Beltz.

Auch jetzt, in Melbourne, bei den Australian Open, ist Beltz wieder der wichtigste Bezugspunkt für Kerber – dort, wo sich die Kielerin gerade bestechend stark ins Halbfinale durchgeschlagen hat, mit einem wegweisenden 6:3, 7:5-Triumph gegen ihre langjährige Angstgegnerin Viktoria Azarenka. Schon am frühen Donnerstagmorgen galt es für das Gespann Kerber/Beltz, diesen Meilenstein-Erfolg zu veredeln, im Duell mit der Britin Johanna Konta, der Nummer 47 der Welt.

In Melbourne beseitigte das Team Kerber auch den letzten großen Schwachpunkt, der die eigentlich ansprechende Saison 2015 in der Bilanz belastet hatte – nämlich das Wirken auf den großen, alles überragenden Grand Slam-Bühnen. Kein einziger Auftritt in der zweiten Major-Woche im Vorjahr, kein Achtelfinale – und nun gleich zum Start in die neue Spielzeit in Melbourne die Präsenz unter den letzten Vier, damit auch Image- und Bedeutungsgewinn im medialen Raum. Und Respektzuwachs bei den Konkurrentinnen. „2016 kann Angies Jahr werden, ihr bestes Jahr“, sagt Bundestrainerin Barbara Rittner, für die die wiedererstarkte Kerber auch zentrale Punktelieferantin beim kommenden Fed Cup-Match in Leipzig gegen die Schweiz sein soll.

Im Rückblick erscheint Kerbers wieder aufgenommene Partnerschaft mit Beltz als eine ihrer der wichtigsten Entscheidungen. Nach der Trennung von Benjamin Ebrahimzadeh im Februar 2015, einem vielleicht zu feurigen Forderer und Förderer, kehrte Kerber auf dem Höhepunkt des sportlichen Tiefs zurück zu Beltz. Er, der Gute Laune-Verbreiter und Wohlfühltrainer, kennt Kerber schon seit Jugendjahren – Beltz begleitete sie einst schon zu den Grand Slam-Nachwuchsturnieren. Als er Ende 2013 seinen Job bei Kerber aufgab, hatte das auch und vor allem familiäre Gründe – Beltz wollte mehr Zeit für seine Familie haben, war das Herumreisen durch die vielen Turniere leid.

Kerber ist eine Spielerin, die auf Bewährtes und Bekanntes in ihrem Umfeld setzt, auch auf Menschen, denen sie rückhaltlos vertraut, so wie der Immer-wieder-Trainer Beltz. Er gehört, ganz nebenbei, auch zum Trainerteam an Kerbers polnischer Tennis-Akademie. In den letzten Monaten verschärften sie noch einmal ihr gemeinsames Arbeitsprogramm, fanden nicht nur aus der Vorjahres-Startdepression heraus, sondern etablierten den sportlichen Kontakt zur enteilten Weltspitze. „Die Intensität im Training ist noch einmal gestiegen“, sagt Beltz, „Angie ist noch viel drahtiger, beweglicher.“ Kein Zweifel: Über diese weiter verbesserte Fitness ist auch noch mehr Zutrauen in den eigenen Auftritt im großen Spiel auf großer Bühne entstanden – die Gewissheit, hartnäckig, dauerhaft mit den Besten der Besten mithalten zu können. Was im besten Tennisspiel der letzten Saison noch nicht gelang, Kerber gegen Azarenka in der dritten US Open-Runde von New York, gelang nun auf Anhieb.

Als der erste Sieg im siebten Duell mit der Weißrussin perfekt war, ließ Kerber den Schläger auf den Centre Court sinken – und lenkte sofort den Blick hinauf zur Spielerloge. Dort, wo sich gerade Torben Beltz aufspringend zu ganzer Größe erhoben hatte. Der unverzichtbare Mann an ihrer Seite.

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