Die Unentbehrlichen: Lutz Schmauder erweckt eine Sportart wieder zum Leben

Der Wasserball-Aktivist

Bremen. Zugegeben, es ist aktuell nicht viel los im Bremer Wasserball. Die Zeiten, in denen Spieler wie die Brüder Rademacher, Richard Reich, Otmar Reglin, Fritz Quenstedt oder Heinz-Walter Hettling auch bundesweit bekannt waren, sind einige Jahrzehnte vorbei.
19.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinz Fricke
Der Wasserball-Aktivist

Dauergast am Beckenrand: Lutz Schmauder engagiert sich seit Jahren im Wasserball.

Christina Kuhaupt

Bremen. Zugegeben, es ist aktuell nicht viel los im Bremer Wasserball. Die Zeiten, in denen Spieler wie die Brüder Rademacher, Richard Reich, Otmar Reglin, Fritz Quenstedt oder Heinz-Walter Hettling auch bundesweit bekannt waren, sind einige Jahrzehnte vorbei. „Wir sind heute drittklassig. Wir spielen mehr zum Spaß als aus wirklichem sportlichen Ehrgeiz“, gibt Wilfried Schwarze zu, der einst selbst Wasserballer war und seit sechs Jahren an der Spitze des Bremer Landesschwimmverbandes steht. Doch es gibt eine Hoffnung. Sie hört auf den Namen Lutz Schmauder, dessen Aktivitäten seinen Präsidenten derzeit so begeistern, dass Schwarze sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden in Deutschland gibt, der mehr für den Wasserballsport tut.“

Eigentlich war die Frage nur als lockerer Gesprächseinstieg gedacht. „Was genau tun Sie im Wasserball?“, wollten wir von Lutz Schmauder wissen. Als Antwort kam eher eine Gegenfrage. „Fragen Sie mich doch lieber, was ich nicht tue.“ Das mag auf den ersten Blick etwas überheblich klingen, doch dann zeigt sich bald: Der Mann hat recht.

Lutz Schmauder, 52 Jahre alt und hauptberuflich Projektmanager beim Bremer Straßen- und Verkehrsamt, lebt sein Hobby Wasserball in allen Variationen. Er ist Trainer gleich an mehreren Schauplätzen inklusive der Landesauswahl, organisiert den gesamten Punktspielbetrieb, regelt die Finanzen für den Verband und seinen Verein Bremen 10, ist Jugendleiter Wasserball im Landesverband und sitzt für den Verband auch noch am runden Tisch der Bremer Behörden, wenn es etwa um das Bäder-Konzept geht. „Mit 20 Stunden in der Woche komme ich in Sachen Wasserball nicht aus“, sagt Schmauder. In seiner Behörde hat er sich auf eine Dreiviertel-Stelle setzen lassen, vorwiegend aus Zeitgründen. „Wenn ich früh anfange und mittags durchziehe, kann ich auch schon mal am frühen Nachmittag gehen und andere Dinge erledigen.“ Die dann meistens mit Wasserball zu tun haben.

Es begann, wie so oft in solchen Fällen, ganz klein. Als Neujähriger trat Schmauder in den Schwimmverein Bremen 10 ein. Als 14-Jähriger merkte er, dass sein Talent zum Leistungssport Schwimmen doch limitiert war – er wechselte zum Wasserball. Mit 18 Jahren gab er sein Debüt in der ersten Herrenmannschaft von Bremen 10, doch da hatte Lutz Schmauder seine wahre Bestimmung schon gefunden – er kümmerte sich auch um andere. Mit 16 schon Lizenz als Schwimmtrainer, fast parallel Assistent des Wasserballtrainers, anschließend erstmals Cheftrainer – selbst zu spielen, wurde zweitrangig. „Das war bei den Damen des Polizei SV, die spielten damals in Norddeutschland ganz oben mit.“ Inzwischen allerdings wird beim Polizei SV überhaupt nicht mehr Wasserball gespielt, doch Lutz Schmauder blieb am Ball, gleich an diversen Fronten. So begann er, auch Ferienfreizeiten von jungen Schwimmern zu leiten. Das führte ihn in viele Länder, unter anderem auch zu den Olympischen Spielen 1996 nach Atlanta.

2004 dann startete er Aktivitäten, die auch heute noch reiche Früchte tragen. „Gemeinsam mit dem SV Weser haben wir ein Projekt begonnen, Kinder an Wasserball heranzuführen“, erzählt Lutz Schmauder. Auch Kinder, die noch gar nicht schwimmen konnten: „Die Sechs- und Siebenjährigen haben anfangs im Lehrschwimmbecken gestanden und sich nur aus Spaß die Bälle zugeworfen.“ Mit von der Partie war auch das eigen Fleisch und Blut: Sohn Dirk Schmauder bestritt schon als Vierjähriger sein erstes Wasserballspiel im Stehen, sein Bruder Torben war bei seiner Premiere zwei Jahre älter. „Wir haben mit zehn Kindern angefangen, zwei Jahre später waren es schon über 30“, erinnert sich Vater Lutz. Und es ging weiter: Gemeinsam mit Hamburg wurde vor zehn Jahren eine Liga für Kinderwasserball gegründet, später kamen auch Städte wie Aurich, Cuxhaven und Osnabrück mit ihren jungen Schwimmern hinzu.

Und auch sportlich ging es bergauf: Die U 11 kam von den deutschen Meisterschaften mit einem vierten Platz zurück. Aushängeschild ist derzeit die Spielgemeinschaft Bremen/Cuxhaven, die in der U 17-Bundesliga ganz oben mitmischt. „Ich denke, in einigen Jahren spielt Bremen im Wasserball dank Lutz Schmauder wieder eine gute Rolle“, glaubt Verbandspräsident Wilfried Schwarze.

Zu erwähnen ist schließlich noch, dass es Lutz Schmauder nicht nur um sportliche Erfolge geht. Er hat eine Schul-AG ins Leben gerufen. Und als der Gehörlosen-Sportverein anfragte, ob man nicht auch Wasserball anbieten könne, schritt Schmauder zur Tat. Inzwischen wurde das Bremer Team bei den Gehörlosen schon deutscher Vizemeister, alles läuft bestens. Bis auf eine Kleinigkeit: Schmauder sucht derzeit eine Firma, die ihm ein Gerät liefert, dass anstelle der Trillerpfeife optische Signale liefert. Denn auch Gehörlose müssen dem Schiedsrichter folgen können.

„Fragen Sie mich doch lieber, was ich nicht tue.“ Lutz Schmauder
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