Neuer Qualifyingmodus fällt durch

Desaster mit Ansage

Melbourne. Von „Müll“über „Schrott“ und „totaler Blödsinn“ bis hin zum „Griff ins Klo“, wie es Niki Lauda formulierte – so eindeutig wie das neue Qualifyingformat ist noch kaum eine Regeländerung in der Formel 1 durchgefallen. Ein mehr an Spannung sollte das neue System (wir berichteten) bringen – und produzierte doch nur maximale Langeweile.
20.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Karin Sturm

Von „Müll“ über „Schrott“ und „totaler Blödsinn“ bis hin zum „Griff ins Klo“, wie es Niki Lauda formulierte – so eindeutig wie das neue Qualifyingformat ist noch kaum eine Regeländerung in der Formel 1 durchgefallen. Ein mehr an Spannung sollte das neue System (wir berichteten) bringen – und produzierte doch nur maximale Langeweile. In den letzten acht Minuten der Qualifikation von Melbourne waren noch genau zwei Autos auf der Strecke; in den letzten vier Minuten, die sonst für die Fans die meiste Spannung bei der Jagd nach der Pole Position bieten, war dann gar kein Fahrzeug mehr draußen. Entsprechend groß war der Aufschrei.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel wunderte sich indes nur darüber, dass alle so überrascht vom Debakel des neuen Ausscheidungsfahrens waren. „Das war doch absehbar, dass das passieren würde. Und bei unserem Meeting mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting haben wir Fahrer vorher ja auch unsere Bedenken deutlich ausgedrückt“, sagte er. Aber, so meinte Fernando Alonso resignierend, „die machen ja sowieso, was sie wollen“. Ein bisschen optimistischer zeigte sich Williams-Pilot Felipe Massa: „Vielleicht ist das einzig Positive an diesem Fiasko ja, dass man uns Fahrern in Zukunft doch mal zuhört.“

Auch verschiedene Teammanager, der Praxis näher als die Teamchefs, die das neue Konzept in der Strategiegruppe erarbeiteten, hatten gewarnt. Während der Testfahrten von Barcelona hatten sie Whiting den Vorschlag gemacht, doch eine Zwischenlösung zu finden, wenigstens die letzte Session – Q3 genannt – nach dem früheren Format zu fahren. Denn dort, so ihre Vermutung, würden die Probleme mit Abstand am massivsten werden. Wobei jetzt in Melbourne auch über die Effekte in den Abschnitten Q1 und Q2 diskutiert wurde – aber so krass wie in Q3 ist der Schaden des neuen Systems dort längst nicht.

Jetzt hat die Formel 1 den Salat – und muss sehen, wie sie aus dem Schlamassel schnellsten wieder herauskommt, ehe ihr noch mehr Fans den Rücken kehren. Zumindest die Einsicht ist da. „Wir sollten unseren Fehler einsehen und bis zum nächsten Rennen in Bahrain wieder auf das alte System zurück. Es wäre jetzt auch falsch, weitere Experimente zu veranstalten und nur das Q3 zu ändern“, befand Niki Lauda. Red-Bull-Teamchef Christian Horner schlug in die gleiche Kerbe: „Wir müssen uns bei den Zuschauern entschuldigen und so schnell wie möglich zum alten System zurück.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff gab zu, dass zwischen Theorie und Praxis eben oft ein Riesenunterschied besteht. „Die Basis-Idee war nicht so falsch. Die Absicht des Systems war, dass unter dem Druck, alle 90 Sekunden rauszufliegen, Fehler passieren und die Startaufstellung durchgemischt wird. In der Praxis hat es leider nicht funktioniert“, räumte er ein. Die Dinge, die eigentlich einfacher werden sollten, habe man stattdessen noch verkompliziert. „Das neue System ist Müll. Deshalb sollte es unser Ziel sein, das zu korrigieren“, sagte Wolff.

Vor dem Rennen am Sonntag wollen sich die Teamchefs nun zusammensetzen und das weitere Vorgehen diskutieren. Regeltechnisch könnte der Schritt zurück zum alten Modus schon für Bahrain durchaus gemacht werden – auch ohne Formel-1-Kommission und FIA-Weltrat eigens noch einmal zusammenzurufen. Die Möglichkeit einer Abstimmung per Mail oder Fax ist im Reglement explizit vorgesehen. FIA-Rennleiter Charlie Whiting dazu: „Wir bräuchten Einstimmigkeit unter den Teams – und 18 der 26 Stimmen der Formel-1-Kommission für eine sofortige Änderung.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+