Weltklasse in der ÖVB-Arena Deutsche Volleyballer zeigen das sie Mitfavoriten für EM-Titel sind

Es ging nicht um einen Titel, Medaillen oder Weltranglistenpunkte. Das Volleyball-Länderspiel zwischen Deutschland und Russland in der Bremer ÖVB-Arena war dennoch hart umkämpft. Deutschland hat sich mit einem Sieg als Mitfavorit für den EM-Titel angeboten.
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Deutsche Volleyballer zeigen das sie Mitfavoriten für EM-Titel sind
Von Ruth Gerbracht

Es ging nicht um einen Titel, nicht um Medaillen, nicht um Weltranglistenpunkte. Das Volleyball-Länderspiel zwischen Deutschland und Russland in der Bremer ÖVB-Arena war eigentlich „nur“ ein Test. Eine Partie, die beiden Teams kurz vor Beginn der Europameisterschaft zeigen sollte, wo sie spielerisch stehen. Doch den rund 2800 begeisterten Zuschauern war beim 3:1-Erfolg der Deutschen schnell klar, dass es um weit mehr ging als nur um eine Standortbestimmung. „Es war vielleicht ein bisschen zu heiß für ein Trainingsspiel“, meinte Bundestrainer Vital Heynen mit einem Schmunzeln. „Wenn Deutschland und Russland aufeinandertreffen, gibt es aber immer harte und umkämpfte Spiele. Das hat die Historie gezeigt.“

Und so sollte es auch in Bremen nicht anders sein. Eine heiß umkämpfte Partie, in der sich zwei russische Spieler die gelbe Karte einfingen und der russische Trainer sich am liebsten mit seinem Kollegen angelegt hätte. Beide Mannschaften pokerten nicht, taktierten nicht – sie spielten, als ob es bereits das Finale der bevorstehenden EM sei. Es war Weltklasse-Volleyball, was beide Teams demonstrierten. Vor allem die Deutschen zeigten eine beeindruckte Leistung. Mit einer hervorragenden Block-Verteidigung brachten sie den russischen Gegner in manchen Situationen fast zur Verzweiflung. Hinzu kam das immense Selbstbewusstsein, mit dem das Team von Vital Heynen in die Partie gegangen war. Der Glaube an einen Sieg über Olympiasieger Russland schien bei den deutschen Spielern unerschütterlich. Selbst als die deutsche Mannschaft im vierten Satz immer wieder mit drei, vier Punkten hinten lag und viele schon an einen fünften Satz glaubten, ließen sich die deutschen Volleyballer nicht beirren. Sie kämpften sich mit gefährlichen und druckvollen Aufschlägen heran und zwangen die Russen so immer wieder zu Fehlern.

Als am Ende schließlich der nervenstarke Georg Grozer mit drei gewaltigen Hammeraufschlägen den 3:1-Sieg klarmachte, war beim russischen Team die Ratlosigkeit nicht zu übersehen. Trotz einer durchwachsenen Saison hatte man sich den Spielausgang gegen Deutschland anders vorgestellt. Immerhin gehören Maxim Mikhailov, der 2.18-Meter-Mann Dmitriy Muserskiy und Ilia Vlasov zu den weltbesten Volleyball-Akteuren. Allerdings haben gerade die Deutschen gezeigt, dass es nicht allein auf Einzelakteure ankommt, sondern auf ein exzellentes Zusammenspiel aller Spieler.

„Wir haben als Mannschaft gespielt und diesen Sieg geholt“, erklärte der Mann des Abends, Georg Grozer. Der gebürtige Ungar, mit 21 Punkten der mit Abstand beste Scorer in dieser Partie, gibt sich bescheiden. Auch er habe eine kleine Schwächephase im Laufe der zweieinhalb Stunden Spielzeit gehabt, aber dann auch wieder zum Ende der Mannschaft geholfen. „Gegen Topteams wie Russland geht es nur zusammen.“ Und an Freundschaftsspiele gegen einen Olympiasieger glaubt der 30-Jährige auch nicht wirklich. „So kurz vor der EM musst du einfach Gas geben. Vor allem gegen ein Topteam wie Russland.“ Grozer kennt die Situation in Russland. Er hat bis jetzt dort gespielt. Ein wenig Unsicherheit im Land sei schon zu erkennen, sagt der deutsche Diagonalspieler, aber auf keinen Fall dürfe man Russland unterschätzen. Die werden jetzt alles daransetzen, um noch die Olympiaqualifikation für Rio 2016 zu schaffen.

Auch wenn die Deutschen das zweite Spiel gegen Russland am Sonntag in Hamburg denkbar knapp mit 2:3 verloren, dürfte einem Wiedersehen bei der EM, die am 9. Oktober in Bulgarien und Italien beginnt, nichts im Wege stehen. „Ich will klar ins Finale“, sagte Georg Grozer. „Wenn man Dritter der WM ist und in diesem Jahr die European Games gewonnen hat, kann es kein anderes Ziel geben.“ Bundestrainer Heynen sieht es ebenso: „Wir haben hier in Bremen einen Schritt nach vorne gemacht und wenn wir in den nächsten Tagen noch besser spielen, dann sollte es auch eine Medaille geben.“ Man müsse allerdings auch vorsichtig sein, warnte Georg Grozer. Nach dem Sieg gegen Russland dürfe man jetzt nur nicht abheben und glauben, dass die EM schon halb gewonnen sei. „Wir dürfen nicht leichtsinnig werden. Jedes einzelne Spiel will erst einmal gewonnen werden.“

Immerhin kann sich Bundestrainer Heynen auf seine Mannschaft verlassen, das hat der Sieg gegen Russland gezeigt. Seine Spieler haben sich nicht entmutigen lassen, wenn sich mal ein paar Fehler eingeschlichen haben. „Ich bin da ganz ruhig. An der kämpferischen Haltung gibt’s nichts zu kritisieren“, sagte Heynen. Spielerisch soll in den nächsten Tagen das Niveau weiter nach oben gehen. Daran wollen die Deutschen intensiv arbeiten, bevor am 9. Oktober das erste EM-Spiel gegen Gastgeber Bulgarien ansteht. Kein einfacher Auftakt. Schließlich dürften die Zuschauer die Halle zum Kochen bringen, wenn das eigene Team aufläuft. Da gilt es von der ersten Minute an, Nervenstärke zu zeigen.

Dass die deutschen Volleyballer das können, haben sie ebenfalls in Bremen bewiesen. Sie haben in den entscheidenden Momenten die Big Points gemacht, allen voran Georg Grozer. Und Vital Heynen hat sein Versprechen gehalten, als er vor der Partie sagte, dass man so ein hochkarätiges Spiel womöglich nur alle zehn Jahre zu sehen bekäme. So lange würden die ebenfalls erstklassigen Bremer Volleyball-Fans nur ungerne warten.

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