Fußball-Landesliga Bremen Dicht vor dem Absturz

Erstmals seit Zugehörigkeit zur Fußball-Landesliga Bremen droht der DJK Germania Blumenthal der Absturz in die nächst tiefere Klasse.
24.05.2018, 15:41
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Mats Vogt

Blumenthal. Erstmals seit Zugehörigkeit zur Fußball-Landesliga Bremen droht der DJK Germania Blumenthal der Absturz in die nächst tiefere Klasse. Ein halbes Jahrzehnt genügte, um sich in der zweithöchsten Spielklasse Bremens zu etablieren. Die Nordbremer haben sich durchgesetzt und einen Namen gemacht. Für Aufstiegs- oder Meisterschaftsambitionen reichte es zwar nie, mit einem gesicherten Mittelfeldplatz musste die DJK zum Saisonende aber kaum wirklich schwitzen.

Eigentlich hätte auch in dieser Serie erneut alles so laufen können wie in den fünf Spielzeiten zuvor, doch es kam anders als geplant. Die Nordbremer sind im Jahr 2018 in eine für sie ungewohnt prekäre Lage gerutscht. Mittlerweile stehen sie unmittelbar vor dem Abstieg, und die Situation scheint fast schon aussichtslos zu sein, bedrohlich ist sie allemal.

Vier Spieltage vor dem Saisonende liegen die Blumenthaler auf dem vorletzten Tabellenplatz, der Abstand zum rettenden Ufer beträgt schon vier Zähler. Eine Niederlage am Sonnabend in der Auswärtspartie gegen die TS Woltmershausen könnte somit fast schon das Aus bedeuten und ihnen alle Hoffnungen rauben. „Die Luft für uns wird immer dünner. Solange es rechnerisch aber noch möglich ist, glauben wir weiter fest an den Klassenerhalt“, gibt sich der zweite Vorsitzende der DJK Germania Blumenthal, Gerd Stedtnitz, kämpferisch. Stedtnitz, selbst einst erfahrener Fußballer und Torjäger, weiß, wovon er spricht. Er grübelt aber noch immer über die Ursachen des Dilemmas und hat auch die passenden Antwort parat, weshalb sein Klub in diese Misere geraten konnte. Den Teammanager beschäftigen weiterhin die Ereignisse aus der Winterpause.

Zehn Spieler, fast eine ganze Mannschaft, verließen plötzlich und wie aus dem Nichts die DJK Germania Blumenthal, ein Großteil von ihnen wechselte sogar zum Nachbarn und Lokalrivalen SV Türkspor. Die Akteure folgten den Lockrufen ihres Ex-Trainers Bahadir Kilickeser. Dieser hatte die DJK noch im Vorjahr trainiert und suchte nun für seinen neuen Klub Verstärkungen. Für Stedtnitz war das ein nicht haltbarer Vorgang, ernüchternd stellt er fest: „Im Fußball ist es nicht mehr wie früher, viele Spieler halten einfach nicht mehr ihr Wort.“ Stedtnitz ärgert sich immer noch über den Verlust seiner Akteure. Er wusste rechtzeitig von den Abgängen, konnte sie aber nicht verhindern.

Wie Stedtnitz musste sich auch DJK-Trainer Abdelfattah Rhazani mit den neuen Bedingungen arrangieren. Rhazani stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Von der Stammelf waren nur noch fünf Spieler übrig geblieben, für den Rückrundenstart mussten somit dringend neue Akteure her. Doch durch die guten Kontakte des Übungsleiters schlossen sich dann innerhalb kürzester Zeit elf Neue der DJK an. Die Eingliederung verlief zunächst schneller als erwartet, sogar der Start in die zweite Saisonhälfte gestaltete sich erfolgreich.

Ein 3:0-Erfolg gegen Tura Bremen und selbst das Unentschieden gegen den SC Vahr-Blockdiek waren echte Mutmacher. Nach diesen erfreulichen Ergebnissen wurde vereinsintern schon mal mit einem einstelligen Tabellenplatz spekuliert. Doch die Freude währte nicht lange, der Negativtrend folgte. Die Anfangseuphorie war nur ein Strohfeuer, zu inkonstant waren die Leistungen der neu zusammengesetzten Mannschaft.

„Wir hatten zu wenig Zeit, um eine richtige Einheit zu werden. Dazu kamen dann noch die schlechte Trainingsbeteiligung und das Verletzungspech. Bei einem so kleinen Kader ist es schwierig, das zu kompensieren“, erklärt Co-Trainer Dennis Tanski den Absturz auf einen Abstiegsrang. Doch trotz der wenig zufriedenstellenden Situation steckten die Verantwortlichen der DJK aber nie die Köpfe in den Sand. Immer wieder bekamen sie Unterstützung vom Alt-Herrenteam. Und wenn erneut richtig Not am Mann war, spielte der 46-Jährige Coach Rhazani selbst in der Abwehr mit.

„Vor dem Trainer ziehe ich meinen Hut. Da können sich noch einige eine Scheibe abschneiden“, so Stedtnitz, der auch in der kommenden Saison unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit mit seinem Übungsleiter weitermachen will. Über dieses Thema hat sich Rhazani allerdings noch keine Gedanken gemacht, er selbst hat momentan nur den Klassenerhalt vor Augen.

„Das wird eine Herkules-Aufgabe für uns werden. Ich bin aber eine Kämpfernatur und ziehe das bis zum Ende mit den Jungs durch“, so Rhazani, der sich grundsätzlich aber einen Verbleib bei der DJK Germania Blumenthal vorstellen könnte. Anders sieht es allerdings beim mitspielenden Co-Trainer Dennis Tanski aus. Der Mittelfeldakteur hat schon jetzt seinen Abschied bekannt gegeben. Der ehemalige Amateur-Fußballer des Jahres in Bremen wird ab der kommenden Saison für Tura Bremen in der Landesliga auflaufen. Derzeit kennt aber auch Tanski nur ein Ziel: „Ich würde mich gerne mit dem Klassenerhalt von Blumenthal verabschieden.“ Nur so würde er dann in der nächsten Saison auch auf seine alten Kameraden treffen. Ein Wiedersehen macht gewiss beiden Seiten Freude.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+