2018 Die 22 FIFA-Exekutivmitglieder

Zürich. 22 Exekutivmitglieder des Weltverbandes FIFA entscheiden am 2. Dezember über die Vergabe der Fußball- Weltmeisterschaften 2018 und 2022.
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Zürich. 22 Exekutivmitglieder des Weltverbandes FIFA entscheiden am 2. Dezember über die Vergabe der Fußball- Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

JOSEPH BLATTER (Präsident): Blatter hat 35 seiner 74 Lebensjahre in der FIFA verbracht. Seit 1998 ist der Schweizer der Boss. Eine weitere Amtszeit will er noch absolvieren. Bei Abstimmungen über WM-Vergaben enthält er sich normalerweise der Stimme. Auch dieses Mal wird er wohl so verfahren, um es sich mit niemandem zu verscherzen.

JULIO GRONDONA (Senior-Vizepräsident): Obwohl er nur Spanisch spricht, ist der Argentinier eines der "Schwergewichte" der FIFA. Grondona ist seit 1988 Mitglied im Exekutivkomitee und steht auch der einflussreichen Wirtschaftskommission vor. An den Ruhestand scheint der 79-Jährige noch lange nicht zu denken. Man sagt, er werde Spanien/Portugal sowie Katar seine Stimme geben.

ISSA HAYATOU (Vizepräsident): Der 64-jährige Kameruner scheiterte 2002 mit seinem Versuch, Blatter vom FIFA-Thron zu stoßen. Er ist ein Multitalent, war in seiner Heimat Basketball-Nationalspieler, Leichtathlet und Fußballer, aber auch Direktor im Ministerium für Jugend und Sport. Seit 2001 ist er auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Wer seine Stimmen bekommen wird, ist noch völlig unklar.

CHUNG MONG JOON (Vizepräsident): Der 64-jährige Südkoreaner war unter anderem als Blatter-Nachfolger sowie als Regierungschef seines Landes im Gespräch. In beiden Fällen zog er aber seine Kandidatur zurück. Der Milliardär gehört der Hyundai-Dynastie an, deren Automobil- Abteilung von seinem Bruder geleitet wird und Sponsor der FIFA ist. Für 2022 wird er natürlich Südkorea unterstützen. Bei der ersten Abstimmung für 2018 gibt er möglicherweise England den Vorzug.

JACK WARNER (Vizepräsident): Der Mann aus Trinidad und Tobago leitet den Concacaf-Verband mit "eiserner Hand". Zu seinen wichtigsten Alliierten zählt auch Chef Blatter, der ihm ungeachtet mehrerer Korruptionsvorwürfe weiterhin volle Rückendeckung gewährt. Warner ist schon seit 27 Jahren im FIFA-Exekutivkomitee. Er wird für England und die USA votieren.

ÁNGEL MARÍA VILLAR (Vizepräsident): Der Anwalt und frühere Fußball- Profi ist ein weiteres Schwergewicht. Villar leitet die Schiedsrichterkommission und ist seit 22 Jahren Chef des spanischen Verbandes. Wie Grondona ließ er sich bei seinem Aufstieg nicht von der Tatsache aufhalten, dass er praktisch nur Spanisch spricht. Er wird Spanien/Portugal und Katar seine Stimmen geben.

MICHEL PLATINI (Vizepräsident): Der 55-jährige UEFA-Präsident war als Fußballer eine Legende. Vor einiger Zeit galt der Franzose als möglicher Nachfolger von Blatter, aber seine Ambitionen sind zuletzt schwächer geworden. Die UEFA hat mit eigenen Korruptionsvorwürfen zu kämpfen, die in Zusammenhang mit der Vergabe der Euro 2012 an die Ukraine und Polen laut geworden sind. Sein Votum ist ungewiss.

GEOFF THOMPSON (Vizepräsident): Der 65-jährige Engländer machte Karriere, indem er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Mitglied des Exekutivkomitees wurde er 2007, nachdem der Lieblingskandidat der Briten, der Schotte John McBeth, sich mit Warner angelegt hatte und seine Chancen verspielte. Thompson stimmt für England und für die USA.

MICHEL D'HOOGHE: Der 64-jährige Belgier ist Vorsitzender der Medizin- Kommission und gilt als einer der grundehrlichen Männer der FIFA. Er ist mit IOC-Präsident Jacques Rogge seit gemeinsamen Uni-Zeiten befreundet. Die Bewerbung Belgien/Niederlande hat seine Stimme sicher.

RICARDO TEIXEIRA: Der brasilianische Verbandspräsident (seit 1989) wurde mit Hilfe seines damaligen Schwiegervaters, des früheren FIFA- Präsidenten Joao Havelange, 1994 ins Exekutivkomitee gewählt. Der 63 Jahre alte Chef des Organisationskomitees der WM 2014 gilt als einer der mächtigsten und auch ehrgeizigsten Fußball-Funktionäre. In Brasilien überstand er unzählige Skandale, Korruptions-Affären und sogar Untersuchungen im Parlament von Brasilia. Nun wird er auch auf internationaler Ebene von Beschuldigungen heimgesucht. Seine Stimmen gehen an Spanien/Portugal und Qatar.

MOHAMED BIN HAMMAM: Der Präsident des asiatischen Fußball-Verbandes gilt als Protegé des Emirs von Katar. Er ist ein Erdölmagnat. Irgendwann einmal will Bin Hammam den FIFA-Thron besteigen. Zuletzt überstand er eine Kampfabstimmung um seinen Posten als Fußball- Präsident Asiens. Seine Stimmen bekommen Spanien/Portugal und Katar.

SENES ERZIK: Der 69-jährige Türke ist seit 1996 im Exekutivkomitee. Er scheiterte beim Versuch, die EURO 2016 in sein Land zu holen. Seine Stimme ist ein gut gehütetes Geheimnis.

CHUCK BLAZER: Der 65-jährige US-Amerikaner, ein dicklicher und freundlicher Mann, gilt als die "rechte Hand" von Warner im Concacaf- Verband. Er wird für England oder Russland sowie für die USA stimmen.

WORAWI MAKUDI: Der 59 Jahre alte Mann aus Thailand ist seit 13 Jahren Mitglied im Exekutivkomitee. Er gilt als Freund von Bin Hammam. Seine Wahl könnte auf Spanien/Portugal und auf Katar fallen.

NICOLÁS LEOZ: Der Paraguayer ist ein weiterer "starker Mann" innerhalb der FIFA. Seit 1986 als Präsident des südamerikanischen Verbandes Conmebol tätig, hat der 82-Jährige mehrere Beschuldigungen der Korruption bisher ohne sichtbaren Schaden überwinden können. Der frühere Journalist und Geschichtslehrer, der sich im gesamten amerikanischen Kontinent ein enges Netz von Vertrauten aufgebaut hat, wird nun mit neuen schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Er wird für Spanien/Portugal und Qatar stimmen.

JUNJI OGURA: Der 72-jährige Japaner ist in der FIFA-Familie sehr beliebt. Er gilt sogar in der harten Fußball-Politik als zu höflich. Ogura hofft, die mutmaßliche "iberisch-katarische Achse" zu durchbrechen. Dazu geht er auch in Südamerika auf Stimmenfang. Er wird für Russland oder England und natürlich für Japan stimmen.

MARIOS LEFKARITIS: Lefkaritis ist ein erfolgreicher Unternehmer aus Zypern, der sich in der Welt der Sportpolitik bestens auskennt. Der 64-Jährige, seit 2007 Exekutivmitglied, hat keinen Einblick in seine Stimmabsichten gewährt.

JACQUES ANOUMA: Der 59-jährige Wirtschaftswissenschaftler von der Elfenbeinküste ist Chef seines Nationalverbandes und seit drei Jahren im Exekutivkomitee. Seine Stimmabsicht bleibt unklar.

FRANZ BECKENBAUER: "Kaiser" Franz ist einer der besten Fußballer aller Zeiten, machte aber auch in der Sportpolitik Karriere. Der 65-jährige Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes und Ehrenpräsident des FC Bayern München will die FIFA allerdings 2011 verlassen, um der Familie mehr Zeit widmen zu können. Einige behaupten, Beckenbauer wolle für Russland und Australien stimmen.

RAFAEL SALGUERO: Der 63-Jährige aus Guatemala ist ein Mann des "Warner-Teams". Der Concacaf-Vizepräsident sitzt seit 2007 im Exekutivkomitee. Man sagt, er unterstütze Spanien/Portugal und USA.

HANY ABO RIDA: Der 57-Jährige aus Ägypten ist einer der Neulinge. Der enge Hammam-Vertraute ist nämlich erst seit einem Jahr im Exekutivkomitee. Seine Favoriten sind Spanien/Portugal und Katar.

WITALY MUTKO: Der russische Sportminister gilt als sehr mächtiger Mann, der Ministerpräsident Wladimir Putin nahe steht. Der 51-Jährige ist auch erst ein Jahr im Exekutivkomitee. Er wird natürlich Russland seine Stimme geben und sollte im Rahmen des angeblichen Paktes mit Australien die "Aussies" für 2022 unterstützen. (dpa)

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