Vater und Sohn schaffen die 290 Kilometer von Chur nach Tirano mit dem Mountainbike in sechs Tagen Die Alpen mit allen Sinnen erfahren

Fischerhude. Die Alpen sind touristisch durch ein relativ dichtes Straßen- und Schienennetz erschlossen. Doch der Reisende kann in abgelegenen Hochtälern und auf schmalen Singletrails vis-à-vis wilder Schluchten noch auf Murmeltiere und Steinböcke in freier Wildbahn treffen.
25.08.2011, 05:00
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Von Michael Schön

Fischerhude. Die Alpen sind touristisch durch ein relativ dichtes Straßen- und Schienennetz erschlossen. Doch der Reisende kann in abgelegenen Hochtälern und auf schmalen Singletrails vis-à-vis wilder Schluchten noch auf Murmeltiere und Steinböcke in freier Wildbahn treffen.

Sofern er denn nur bereit ist, auf Komfort weitgehend zu verzichten und sich möglichst ursprünglicher Fortbewegungsmittel zu bedienen. Der Fischerhuder Achim Beutling (61) und sein Sohn Sebastian (31) haben es durchgezogen: Mit dem Montainbike von Chur im schweizerischen Graubünden quer durch die Alpen bis nach Tirano, einer nordwestlich des Gardasees gelegenen italienischen Stadt.

Es hat sich für das Duo gelohnt. Auch wenn der Seniorpartner zwei Rippenbrüche als schmerzhaftes Andenken von der sechstägigen Tour mitgebracht hat, zugezogen bei einem Sturz auf einem der insgesamt 11 000 Abfahrtsmeter. Man macht sich bereits "erste Gedanken über eine Fortsetzung im nächsten Jahr".

Neun-Stunden-Tage im Sattel

Die sportliche Herausforderung, die die in sechs Etappen von 30 bis 70 Kilometer Länge unterteilten 290 Kilometer zweifellos darstellten, tritt für Achim Beutling dabei in den Hintergrund, wenn er an das "faszinierende Bergpanorama" denkt, an die Wasserfälle und die Kletterpassagen auf schmalen Trails mit atemberaubenden Tiefblicken. Die vergleichsweise archaische und damit langsame Fortbewegungsform - auf zwei Rädern und mit mechanisch verstärkter Muskelkraft - erlaubte es den Gebirgsquerern, die Alpen mit allen Sinnen zu erfahren, sie vor allem zu riechen und zu spüren. Dabei waren die Ansprüche an Kondition und Fahrtechnik nicht gering. Sieben bis neun Stunden täglich waren sie mit dem Rad unterwegs.

"Es ist nicht die längste Transalp und auch nicht die mit den meisten Höhenmetern", gibt Achim Beutling zu. Doch man bewegte sich bei der selbst gewählten Streckenführung immerhin auf dem Niveau von 1500 bis 2900 Tageshöhenmetern. Sebastian Beutlings Lebensgefährtin Tabea steuerte das Begleitfahrzeug mit dem Gepäck und den Ersatzteilen, während Vater und Sohn in die Pedalen traten, bis ihnen die Luft ausging und die Oberschenkel brannten. "Die 7000 Höhenmeter bergauf waren aber nicht das eigentliche Problem, sondern die 11 000 Höhenmeter bergab", versichert Achim Beutling, der bei einer Bremer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an leitender Stelle tätig ist und sich schon von Berufs wegen mit Grenzerfahrungen auskennt.

Das fahrerische Können wurden auf alten Saumpfaden, abenteuerlich, aber durchaus legal befahrbar, und auf Militärwegen auf die Probe gestellt, die den italienischen Norden durchziehen, seit dort während des Ersten Weltkrieges die Fronten Stellung bezogen haben. Die Etappen führten über Chur, Arosa, Davos, Suoz, Livigno und Santa Maria nach Tirano in der norditalienischen Lombardei. Zurück ging es über den Comer See und den Splügenpass. Wieder auf vier Rädern, aber nun motorisiert und mit einer Klimaanlage, die die Beutlings nun besonders deshalb genossen, weil sie auf der ersten und der dritten Etappe einen regelrechten Wintereinbruch erlebt hatten. Achim Beutling: "Das hat der Tour die Tour zu einem transgenerativen Gemeinschaftserlebnis mit Expeditionscharakter gemacht!"

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