Ehrung folgt auf Ehrung: Vom Bundespräsidenten bekommen die Weltmeister Silber und vom FIFA-Präsidenten Gold Die Ausgezeichneten

Berlin. Der Angler am Spreeufer dreht sich noch nicht einmal um, als der mit den Helden nicht ganz voll beladene Mannschaftsbus auf dem Weg zum Amtssitz des Bundespräsidenten vorbeihuscht. Es gibt an einem trüben Tag genau 25 Jahre und 17 Stunden nach der Maueröffnung in der Hauptstadt Wichtigeres im Leben eines Anglers, als mit einem Auge zum nahen Schlosses Bellevue zu linsen, nur weil dort Fußballspieler, die ein paar Monate zuvor Weltmeister geworden sind, mit dem Silbernen Lorbeerblatt beglückt werden.
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Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Der Angler am Spreeufer dreht sich noch nicht einmal um, als der mit den Helden nicht ganz voll beladene Mannschaftsbus auf dem Weg zum Amtssitz des Bundespräsidenten vorbeihuscht. Es gibt an einem trüben Tag genau 25 Jahre und 17 Stunden nach der Maueröffnung in der Hauptstadt Wichtigeres im Leben eines Anglers, als mit einem Auge zum nahen Schlosses Bellevue zu linsen, nur weil dort Fußballspieler, die ein paar Monate zuvor Weltmeister geworden sind, mit dem Silbernen Lorbeerblatt beglückt werden.

Das kleine Ding, das sich nur die verdientesten der verdienten Sportler im Land ans Revers heften dürfen, überreicht Joachim Gauck am Nachmittag im Festsaal 21-mal an die Recken. Von B wie Boateng bis Z wie Zieler wird keiner vergessen, nur die unpässlichen André Schürrle und Julian Draxler fehlen. Auch Angela Merkel will den Anlass, der sich trefflich zur Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache nutzen lässt, nicht verstreichen lassen. Ebenso wie Innenminister Thomas de Maizière. Auch Sepp Blatter hat’s irgendwie ins Schloss geschafft, aber der FIFA-Boss ist diesmal nur eine Randfigur, was niemand bedauert. Er hat seinen Auftritt erst am Abend vor der Vorführung des WM-Films „Die Mannschaft“ am Potsdamer Platz. Dort überreicht der welt-oberste Fußballmensch den Recken von Rio die Champions Badge der FIFA, das Weltmeisterabzeichen. In Gold.

Die Spieler des WM-Kaders kommen also mit ein paar zusätzlichen Utensilien nach Hause. Männer wie Per Mertesacker, Miroslav Klose und Philipp Lahm haben das Silberne Lorbeerblatt als höchste Auszeichnung schon zum dritten Mal überreicht bekommen. 2006 von Horst Köhler, 2010 von Christian Wulf, nun von Gauck.

Der 74-Jährige hat am Vortrag einen Feiertag erlebt, der ihm persönlich sicher näherging. Im deutschen WM-Team befindet sich lediglich ein Mann, der jenseits der ehemaligen Grenze zur Welt kam: Toni Kroos, geboren knapp zwei Monate nach dem Mauerfall. Gauck – ein Mann, der historisch denkt – kommt da zupass, dass Deutschland auch 1990 Weltmeister wurde, in einer bewegenden Zeit, eingerahmt von der „friedlichen Revolution und der Einheit unseres Landes im Oktober danach“, und nun, ein Vierteljahrhundert später, „wieder ein für unser Land wichtiger Zeitabschnitt“. Das sind Dimensionen, die zwischen den Strafräumen nicht unbedingt eine Rolle spielen.

Ganz am Ende bittet der Präsident noch einmal um Gehör. Er habe zu danken, und der Mann, dem er jetzt danke, wisse das schon. Alle Augen huschen rüber zu Joachim Löw, dem Weltmeister-Baumeister, der eine Stunde lang brav am linken Rand neben Jérôme Boateng gehockt hat, ohne dass sein Name auch nur ein Mal gefallen wäre. Doch dann dankt Gauck dem Moderator Johannes B. Kerner. Löw kann es verkraften. Er ist schon Träger des Bundesverdienstkreuzes und nun sogar Ehrenbürger seines Heimatortes Schönau.

Der Bundestrainer sorgt sich ohnehin zunehmend um die Psyche seiner Anvertrauten. Die Einladung zur Bambi-Verleihung an die Mannschaft in der Hauptstadt am Donnerstagabend hat er deshalb abschlägig beschieden. – niemand soll sich auf dem Lorbeerblatt ausruhen. Denn tags darauf wird Fußball gespielt. Gegen Gibraltar.

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