Nachgefragt: DFB-Stützpunkt-Trainer Pierre Schwital über den dritten Platz der D-Jugend-Auswahl beim Avacon-Cup „Die Besten setzen sich immer durch“

Es ist schon auffällig: Regelmäßig belegt die D-Jugend-Auswahl des relativ kleinen Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst beim Avacon-Cup für die insgesamt 40 Stützpunkte und Leistungszentren Niedersachsens vordere Plätze. Am Wochenende kam das Team, das aus Spielern des DFB-Stützpunkts Ganderkesee besteht, auf den dritten Rang.
08.07.2014, 00:00
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Es ist schon auffällig: Regelmäßig belegt die D-Jugend-Auswahl des relativ kleinen Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst beim Avacon-Cup für die insgesamt 40 Stützpunkte und Leistungszentren Niedersachsens vordere Plätze. Am Wochenende kam das Team, das aus Spielern des DFB-Stützpunkts Ganderkesee besteht, auf den dritten Rang. Warum sich die Talente aus der Region gegen die starke Konkurrenz derart gut behaupten können, erörterte Trainer Pierre Schwital im Gespräch mit Christoph Bähr.

Herr Schwital, selbst Hannover 96 hatte das Nachsehen: Die D-Jugend-Auswahl des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst hat es beim Avacon-Cup auf den dritten Platz geschafft. Das ist sicherlich als Erfolg zu werten, oder?

Pierre Schwital: Das ist ein tolles Ergebnis. Schon die Endrunden-Teilnahme ist ein Erfolg. Wir haben in den vergangenen vier Jahren dreimal sehr gute Ergebnisse erzielt und den Cup 2011 sogar gewonnen, aber das sehen wir nicht als selbstverständlich an. Dass wir wieder Dritter geworden sind, macht uns sogar stutzig. Andere Stützpunkte haben viel mehr Möglichkeiten.

Was meinen Sie damit genau?

Wir sind eben recht klein. Unser Einzugsbereich besteht aus dem Landkreis Oldenburg, der Stadt Delmenhorst und dem Südteil der Stadt Oldenburg. Die Teams aus Hannover können beispielsweise aus viel mehr Spielern auswählen. Bei uns findet man zwar auch gute Talente, aber eben nicht gleich acht, sondern zwei oder drei.

Und dann spielen beim Avacon-Cup auch noch die Nachwuchsmannschaften der Bundesligisten VfL Wolfsburg und Hannover 96 mit . . .

Die sind die Seriensieger, weil die seit Jahren in der Besetzung zusammenspielen. Dieses Mal kamen Wolfsburg und Hannover aber nicht so gut zurecht. Dass Emsland-Nord das Turnier gewonnen hat, war schon eine große Überraschung.

Ihre Mannschaft hat in der Vorrunde den VfL Wolfsburg mit 1:0 geschlagen und im Spiel um Platz drei Hannover 96 ebenfalls mit 1:0 bezwungen. Wie sind diese Siege und auch der dritte Platz zu erklären?

Die Grundlagen dafür sind die gute Nachwuchsarbeit in den Vereinen, beim NFV und im DFB-Stützpunkt Ganderkesee. Man will sich nicht selber loben, aber Robert Heidtmann, Marco Elia, der jetzt neu dabei ist, und ich haben als Stützpunkt-Trainer eine gewisse Philosophie. Wir setzen auf eine hohe Laufbereitschaft und auf Ordnung im Spiel. Dadurch kommen auch in schwächeren Partien gute Ergebnisse zustande. Wir wollen jeden Einzelnen besser machen. Davon profitiert auch das Team. Bisher haben wir es immer geschafft, dass sich Spieler beim Avacon-Cup für die Niedersachsenauswahl anbieten konnten.

Dieses Mal wurden zwei Talente aus Ihrer Mannschaft gesichtet.

Genau, Nils Meinken und Luca Liske haben eine Einladung erhalten. Es hätten durchaus noch zwei weitere Spieler von uns dabei sein können, aber dass zwei Jungs es geschafft haben, ist ein Erfolg.

Kam es Ihrer Mannschaft zugute, dass acht von zwölf Akteuren dem VfB Oldenburg angehören und eingespielt sind?

Das hätte man denken können, aber gerade die Spieler von den anderen Klubs waren sehr wichtig für das Team. Willem Hoffrogge spielt beim VfL Wildeshausen, Philipp Pöpken beim SV Tungeln. In ihren Heimatklubs sind sie zu Persönlichkeiten gereift. Deshalb sind wir Trainer auch dagegen, zu früh den Verein zu wechseln.

Dabei gehen doch viele Spieler zum VfB Oldenburg, nachdem sie für den Stützpunkt Ganderkesee gesichtet wurden . . .

Wir können das nicht ändern, aber in dem Alter muss das noch nicht sein. Da können sich die Jungs in ihrem Heimatverein genauso gut entwickeln. Dort müssen sie Verantwortung übernehmen. Im ersten oder zweiten C-Jugend-Jahr sollte man wechseln. Ich habe mehrmals erlebt, dass jemand schon in der U12 zu Werder ging, dann aber in der U16 wieder zu Hause spielte. Aus Werders U12 schaffen es nur fünf Prozent bis in die U19.

Abschließend noch eine Frage zum DFB-Stützpunkt Ganderkesee: Wie sieht dort die Arbeit mit den Talenten aus?

Wir sichten die Spieler beim Sparkassen-Cup. Zwei Jahre bleiben sie in Ganderkesee, der Jahrgang 2001 wird etwa demnächst verabschiedet. Danach werden die vier bis sechs Besten zwei weitere Jahre am Stützpunkt in Lehmden ausgebildet. Bei uns ist einmal pro Woche Training. Großen Wert legen wir auf die Beidfüßigkeit. Wir können den Kindern nur Angebote machen, es hat sich aber gezeigt, dass sich die Besten am Ende immer durchsetzen.

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