Ein Brexit könnte etliche ausländische Profis die Arbeitserlaubnis in der Premier League kosten Die Crux mit der Quote

London. Der flammendste Appell aus der Welt des Fußballs gegen einen Brexit kam von David Beckham. Die Sport- und Werbe-Ikone erinnerte an frühere europäische Teamkollegen wie Frankreichs Eric Cantona und beendete sein Plädoyer gegen den EU-Austritt Großbritanniens mit einem Wahlentschluss: „Remain“ (Bleiben).
23.06.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Florian Lütticke

London. Der flammendste Appell aus der Welt des Fußballs gegen einen Brexit kam von David Beckham. Die Sport- und Werbe-Ikone erinnerte an frühere europäische Teamkollegen wie Frankreichs Eric Cantona und beendete sein Plädoyer gegen den EU-Austritt Großbritanniens mit einem Wahlentschluss: „Remain“ (Bleiben). Doch was wären die Folgen für den Fußball auf der Insel, sollten sich bei dem Referendum am Donnerstag wirklich die Europa-Gegner durchsetzen?

Könnten England, Wales, Nordirland und Schottland weiterhin an einer EM und Klubs aus den Ligen dieser Länder am Europapokal teilnehmen?

Ja. Über die Chance zur Teilnahme an diesen Wettbewerben entscheidet allein die Mitgliedschaft in der Europäischen Fußball-Union.

Was wären die Folgen eines Brexit für die Premier League?

Spieler mit einem Pass eines EU-Mitglieds dürfen bislang ohne Einschränkung für einen Klub aus dem Vereinigten Königreich arbeiten. Dies wäre nach aktuellen Bestimmungen dann nicht mehr der Fall. Die Spieler würden wie Akteure aus einem Nicht-EU-Staat behandelt. Diese müssen strikte Kriterien einhalten. Diese Regeln wurden vom Innenministerium unter anderem auf Drängen des englischen Verbands FA zum Schutz einheimischer Spieler aufgestellt.

Welche Regeln sind das?

Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis richtet sich für einen solchen Spieler nach der Weltranglistenposition seines Herkunftslandes und seinen Länderspielen. So muss ein Spieler aus einer Nation unter den Top 10 der Welt 30 Prozent der möglichen Länderspiele der vergangenen zwei Jahre bestritten haben. Von einem Profi aus einem Land der Plätze elf bis 20 sind 45 Prozent aller Einsätze für sein Nationalteam gefordert – und so weiter.

Wie viele Spieler wären bei einem Brexit betroffen?

In der vorigen Saison hätte rund eine dreistellige Zahl an Spielern aus EU-Ländern allein in der Premier League keine Arbeitserlaubnis erhalten – der „Telegraph“ kommt auf 95. Die BBC rechnet mit gut 100, in den obersten beiden Ligen Englands und Schottlands seien insgesamt 332 Spieler betroffen.

Würden also auch die deutschen Legionäre unter diese Regel fallen?

Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger nicht, weil sie die Quote an notwendigen Länderspielen erfüllen. Andere deutsche Profis wie Emre Can oder Robert Huth würden hingegen keine neue Arbeitserlaubnis mehr bekommen, weil sie die Quote nicht erfüllen.

Also müsste sich die Premier League auf einen Schlag rund 100 neue Spieler suchen?

Dies ist nach Ansicht von Experten eher unwahrscheinlich. Das Innenministerium könnte die Bestimmungen für die Erteilung von Arbeitserlaubnissen wieder senken. „Die Premier League ist einer der größten Exporteure des Vereinigten Königreichs und generiert eine signifikante Summe“, sagte Sportökonom Babatunde Buraimo von der Universität Liverpool dem „Telegraph“. Rechtsexperte Gregory Ioannidis von der Sheffield Universität rechnet zwar mit keinen Problemen für die Klubs, sieht aber Schwierigkeiten, Fußballprofis anders als normale Arbeitnehmer zu behandeln. Wie neue Regularien aussehen könnten und welche Folgen diese hätten, ist ebenfalls noch völlig unklar.

Wie äußern sich aktuelle Spieler bei der EM?

Ein möglicher Brexit sei auch Thema beim Abendessen des englischen Teams im EM-Quartier, berichtete Ryan Bertrand. Seine Wahlpräferenz wollte der Außenverteidiger des FC Southampton jedoch nicht verraten. Auch sonst warb bis einen Tag vor dem Referendum kein englischer Nationalspieler offen für eine Seite.

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