Frauen-Oberliga: TV Jahn müht sich zu 5:0-Sieg über Wüsting / Spiel ist nach Kienelt-Verletzung Muster ohne Wert Die Derby-Farce

Das Oberliga-Derby hat den erwarteten Ausgang genommen: Die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst bezwangen das punktlose Schlusslicht SF Wüsting-Altmoorhausen mit 5:0 (1:0). Freuen konnte sich über dieses Ergebnis allerdings nur der unterlegene Außenseiter.
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Die Derby-Farce
Von Christoph Bähr

Das Oberliga-Derby hat den erwarteten Ausgang genommen: Die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst bezwangen das punktlose Schlusslicht SF Wüsting-Altmoorhausen mit 5:0 (1:0). Freuen konnte sich über dieses Ergebnis allerdings nur der unterlegene Außenseiter.

Berrit Kienelt fasste sich immer wieder an die verletzte Schulter und versuchte, den Arm anzuheben, doch es ging einfach nicht. Nach einigen Minuten hatte die Torhüterin der SF Wüsting-Altmoorhausen die bittere Wahrheit akzeptiert und schlich vom Platz. Die Schmerzen und der Frust über die erzwungene Auswechslung trieben Kienelt einige Tränen in die Augen. Wahrscheinlich wusste sie in diesem Moment, dass sich die Mannschaft von ihrem Ausscheiden nicht mehr erholen würde. Eine Reservetorhüterin hatte Wüsting nämlich nicht dabei, nicht einmal eine Ersatzspielerin saß auf der Bank. Also spielte das Oberliga-Schlusslicht 50 Minuten lang in Unterzahl und ohne etatmäßige Keeperin. Da verwunderte lediglich, dass Wüsting das Derby beim TV Jahn Delmenhorst am Sonntag nur mit 0:5 (0:1) verlor.

„Ich bin zufrieden. Wir haben alles gegeben“, hielt Wüstings Coach Oliver Gerrits fest, während sich seine Spielerinnen nach dem Abpfiff abklatschten wie nach einem Punktgewinn. Bis zu Kienelts Verletzung hatte es sogar danach ausgesehen, als könnte der abgeschlagene Tabellenletzte im Delmenhorster Stadion ein knappes Ergebnis gegen den Spitzenreiter erzielen. Die Gäste spielten mit einer Viererabwehrkette und einer Fünferkette davor. Der TV Jahn tat sich gegen diese massive Defensive schwer, weil er viel zu behäbig und einfallslos agierte.

Wenn es doch einmal Chancen für die Gastgeberinnen gab, war Torfrau Kienelt zur Stelle. Bereits in der dritten Minute lenkte sie einen wuchtigen Distanzschuss von Lena Walters mit einer starken Parade an die Latte. In der 22. Minute war Kienelt allerdings machtlos, als Sandra Göbel aus elf Metern platziert und hart das 1:0 für die Delmenhorsterinnen markierte. Nach vergebenen Möglichkeiten von Neele Detken (26./28.) und Walters (27.) kam es für die beste Spielerin auf dem Platz knüppeldick. Walters setzte etwas zu energisch nach und traf Kienelt an der Schulter (40.). Noch während des Spiels machte sich die verletzte Torhüterin auf den Weg ins Krankenhaus. Trost erhielt sie vorher vom früheren Wüstinger Coach Ralf Eilenberger, der sich unter den 40 Zuschauern befand.

Für Kienelt rückte die Feldspielerin Ines Böhlmann zwischen die Pfosten. In der Folge wurde das Derby zu einer Farce, die mit Oberliga-Fußball wenig gemein hatte. Die zehn Wüstingerinnen verbarrikadierten sich am eigenen Strafraum und schlugen die Bälle nur noch möglichst weit Richtung Mittellinie. Dass Böhlmann keine gelernte Torfrau ist, wurde trotz aller Bemühungen schnell deutlich. Wirklich Kapital konnten die Delmenhorsterinnen daraus aber nicht schlagen, weil sie bei unzähligen Schussversuchen kaum einmal das Tor trafen. Nur kurz nach der Pause spielte der Tabellenführer einige Minuten lang schnell in die Spitze und erzielte prompt drei Tore. Jana Dasenbrock markierte das 2:0 (48.). Lynn Janning erhöhte mit einer verunglückten Flanke, die an der bemitleidenswerten Böhlmann vorbei ins Netz kullerte, auf 3:0 (51.). Das 4:0 war ein abgefälschter Schuss von Simone Wimberg (53.). „Nach der Halbzeit waren wir kurz in Schwung, aber dann kam wieder ein Bruch ins Spiel“, sagte Meier.

Der Jahn-Trainer hatte sich vor der Partie weit aus dem Fenster gelehnt, und mindestens sieben Treffer von seiner Mannschaft gefordert. Dieses Vorhaben scheiterte gegen dezimierte Wüstingerinnen, die zuvor in jedem Auswärtsspiel gnadenlos untergegangen waren. „Man muss Ziele haben, aber es war nicht einfach, Tore zu machen“, betonte Meier. Selbst die Einwechslung der ehemaligen Zweitliga-Spielerin Anna Mirbach brachte kaum frischen Wind. Die Jahn-Frauen verzettelten sich in Einzelaktionen, spielten zu selten über die Außen und waren im Abschluss erschreckend schwach. Nur Lena Walters traf nach einer schönen Einzelaktion noch zum 5:0 (69.).

Symptomatisch für das Derby war aber eher eine Szene aus der 75. Minute: Delmenhorsts Nadine Poppen stolperte über den Ball, Wüstings Sabrina Warns hatte daraufhin freie Bahn, lief bis zum Strafraum und schickte einen kümmerlichen Schuss in Richtung Tor, der in den Armen von Keeperin Magdalena Flug landete. Ein Lattenkracher von Wimberg war danach noch erwähnenswert (90.), dann ertönte der Schlusspfiff, und alle Beteiligten schienen froh darüber zu sein. „Wüsting hat ständig die Zeit verzögert. So macht es keinen Spaß“, sagte Meier, dessen Team nun am Sonntag den Zweiten ATSV Scharmbeckstotel zum Spitzenspiel erwartet. Ganz andere Sorgen haben die Wüstingerinnen. „Wir werden jetzt Gespräche führen“, kündigte Coach Gerrits an. Er brauche mehr Unterstützung aus der zweiten Mannschaft. „So wie jetzt geht es nicht weiter.“

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