Wie Felix Kroos den Champions-League-Sieg im Stillen genießt Die Freude

Mailand. Als die offizielle Pokalübergabe auf dem provisorischen Balkon des San Siro schon fast vorüber war, kam auch Toni Kroos noch an die Reihe. Den Henkelpott in die Luft recken, dazu das Lächeln für die Fotografen anknipsen.
30.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Mailand. Als die offizielle Pokalübergabe auf dem provisorischen Balkon des San Siro schon fast vorüber war, kam auch Toni Kroos noch an die Reihe. Den Henkelpott in die Luft recken, dazu das Lächeln für die Fotografen anknipsen. Artig hatte der deutsche Nationalspieler als Vorletzter auf diesen Moment gewartet, und die Kollegen von Real Madrid überließen ihm sogar die verantwortungsvolle Aufgabe, das silberne Schmuckstück die Treppe runter von der Empore zu tragen.

Doch als es dann aufs offizielle Siegerfoto unter einen blauen Rundbogen ging, trat der 26-Jährige das Objekt der Begierde schon wieder ab. An Sergio Ramos, den leidenschaftlichen Anführer, der im kollektiven Freudentaumel sogar Frau und Kind in den königlichen Kreis zerrte. Als der Kollege Kroos sehr spät, um zwei Uhr nachts, sich vor einem großen roten Stahltor zum Verhör stellte, sprach ein stiller Genießer. „Man kennt mich ja, dass ich das eher gefasst aufnehme.“ Überschwang widerspricht dem Naturell des gebürtigen Greifswalders.

Natürlich, es sei „etwas extrem Besonderes“, mit zwei verschiedenen Vereinen die Champions League zu gewinnen. Nur: 2013 bei den Bayern konnte er im deutschen Duell gegen Dortmund in Wembley nicht mitspielen, den Siegeszug zum Triple hatte er damals verletzt verpasst, „das ich das nun aktiv auf dem Platz nachholen konnte, ist unglaublich.“

Tatsächlich erwies sich Reals Nummer acht als eine der prägenden Gestalten in diesem flirrenden Finale. So als wolle der filigrane Virtuose allen zeigen, warum ihn der argentinische Fußball-Philosoph Jorge Valdano just in der „Süddeutschen Zeitung“ als „großartigen Dirigenten“ geadelt hatte. An ihm könne man „die Evolution des deutschen Fußballs nachzeichnen“, so Valdano, 1986 selbst Weltmeister mit Argentinien.

Und tatsächlich: Seine Spielfreude, seine Übersicht und seine Raffinesse übertraf anfangs nur noch der Kroate Luka Modric, insofern war es ein gewagtes Manöver von Trainer Zinedine Zidane, den Weltmeister nach 72 Minuten vom Feld zu winken und den Spanier Isco zu bringen. Sieben Minuten später fiel der Ausgleich. War Kroos verletzt? „Nee, mir ging es gut“, beschied der kühle Blonde entwaffnend ehrlich. „Und das Spiel lief auch wirklich gut. Der Trainer wollte einfach nochmal jemand frisches bringen, um das Spiel über die Zeit zu retten – was dann nicht geklappt hat.“

So erlebte die widerwillig vom Dienst befreite Passmaschine die Entscheidung gezwungenermaßen aus einer Position, die ihm erkennbare Probleme bereitete. Am Spielfeldrand auszuharren sei „immer schwieriger als auf dem Platz“, erläuterte Kroos, er sei dann stets „ein bisschen hibbeliger“. Doch Haken dran. Alles ist ja – über den Umweg des Elfmeterschießens – gerade noch gut gegangen. Das Ego können andere pflegen.

Zumal ja noch genug weitere Aufgaben warten. Kroos ist der einzige Akteur, der noch ins Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft nach Ascona nachreisen muss. Frühestens Dienstag, vielleicht auch erst Mittwoch wird das geschehen. „Ich brauche noch ein, zwei Tage“, plädierte er für eine kurze Pause, um gleichzeitig Joachim Löw für die Euro zu garantieren: „Ich bin fit und in sehr guter Verfassung – Lust habe ich definitiv.“ Der Bundestrainer braucht einen gesunden, spielstarken und willigen Stabilisator für die Mittelfeldzentrale.

Blieb bei Kroos nur noch die Frage zu klären, warum er nicht auch wie die Teamkollegen den Nachwuchs mit aufs Erinnerungsfoto geschleppt hatte. „Wäre keine so gute Idee gewesen“, erklärte der Familienvater grinsend. Ehefrau Jessica ist hochschwanger und erwartet das zweite Kind. Einfach eine gute Zeit gerade.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+