Hausbesuch: Laura Burdorf kickt seit neun Jahren und blickt auf Prellball-Bundesliga-Einsätze zurück Die fußballspielende Preisträgerin

Mit fünf Jahren zog die 23-jährige Laura Burdorf mit ihrer Familie in ein Haus in Aumund. Nur ein Jahr später begann sie ihre Prellball-Karriere beim Vegesacker TV. 2005 entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Fußball und begann beim SV Eintracht Aumund. Mittlerweile kickt sie mit den ersten Frauen in der Verbandsliga Bremen. Anfang dieses Jahres wurde sie für ihr Engagement bei der Eintracht mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Ein Hausbesuch bei der sozial engagierten Fußballerin.
19.03.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Jannis Fischer

Mit fünf Jahren zog die 23-jährige Laura Burdorf mit ihrer Familie in ein Haus in Aumund. Nur ein Jahr später begann sie ihre Prellball-Karriere beim Vegesacker TV. 2005 entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Fußball und begann beim SV Eintracht Aumund. Mittlerweile kickt sie mit den ersten Frauen in der Verbandsliga Bremen. Anfang dieses Jahres wurde sie für ihr Engagement bei der Eintracht mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Ein Hausbesuch bei der sozial engagierten Fußballerin.

Bereits nach ein paar Satzwechseln mit Laura Burdorf und ihrer Mutter Doris wird klar, welcher Verein im Mittelpunkt der Familie Burdorf steht: SV Eintracht Aumund. Schon immer waren die Burdorfs Mitglieder bei den „Schwarz-Weißen“. Seit mittlerweile neun Jahren kann sich auch Laura Burdorf mit der Eintracht identifizieren. Das war nicht immer so: „Ich konnte nie verstehen, warum alle immer so begeistert von Aumund waren. Zu Hause wurde fast von nichts anderem gesprochen. Irgendwann ging es mir schon ein bisschen auf die Nerven. Doch mittlerweile bin ich genauso“, gibt Laura Burdorf zu.

Gemeinsam mit Papa Joachim (53 Jahre), Mama Doris (52) lebt sie in einem Haus, nahe der Schule Lerchenstraße. Sie sah bislang noch keinen Grund auszuziehen. Warum auch? Ihre Schulen waren immer in der Nähe, die Eintracht gleich um die Ecke und ihr Freund André Hensel (32), der ebenfalls wie ihr Bruder Steffen Burdorf (25) bei den ersten Herren der Eintracht kickt, wohnt nur wenige Kilometer vom Haus der Burdorfs entfernt. Auch ein Grund, warum sie größtenteils bei ihm und nicht bei ihren Eltern zu Hause ist.

Doch auch in der sehr idyllischen Siedlung bei ihren Eltern fühlt sie sich sehr wohl. Ein gepflegter Garten mit einem kleinen Teich hinterm Haus, eine sonnige Terrasse und ein gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer inklusive diverser Gegenstände oder Fotos, die die Eintracht nie vergessen lassen. Und auch das obligatorische Werder-Vogelhäuschen darf natürlich nicht fehlen. Zu Hause wohnen ist eben etwas Schönes. Dies kommt ihr momentan auch sehr gelegen. Bei einem Hallenturnier mit den ersten Frauen riss sich die 1,68 Meter große Spielmacherin vor vier Wochen ein Band im Sprunggelenk. Auch die Partien gegen Buntentor und das Nordderby gegen den Blumenthaler SV kamen noch zu früh. „Das ist sehr ärgerlich. Im nächsten Spiel hoffe ich aber wieder dabei zu sein“, sagt Laura Burdorf, trotz dunkler Miene von Mama Doris.

Laura Burdorf war eine lange Zeit gar nicht für den Fußball-Sport zu begeistern. Im Alter von sechs Jahren begann sie zunächst mit dem Prellball. Beim Vegesacker TV (heute MTV Eiche Schönebeck) spielte sie bis vor vier Jahren sehr erfolgreich. Am Ende ihrer Karriere lief sie für den VTV sogar in der 1. Bundesliga der Frauen auf. „Die Jahre in der Jugend waren die schönsten. Wir hatten immer viele Turniere an den Wochenenden. Die haben am meisten Spaß gemacht.“ Auch dort feierte sie einige Erfolge. Neben einer Ernennung zur besten Spielerin der Saison, durfte sie sich in der Jugend insgesamt fünf Mal Deutsche Meisterin nennen. Aufgrund einer Rheuma-Erkrankung in den Handgelenken musste sie ihre Prellball-Karriere aber vorzeitig beenden. „Das war für mich sehr schade. Ich hätte sehr gerne weiter Prellball gespielt“, zeigt sich Laura Burdorf betrübt. Der Fußball mache ihr damit aber umso mehr Spaß. Dort seien die Handgelenke kein Problem. Zum Fußball ist sie vor allem durch ihre Familie gekommen.

Beim Grillen Team gegründet

Bei einer Grillveranstaltung der Eintracht, zu der sie eingeladen war, überlegte sie sich gemeinsam mit ihren Freundinnen und ihrer Mama, ein Frauen-Team zu gründen. Zunächst begann alles in kleiner Runde. Die ersten Punktspiele absolvierten sie 2005 noch im „Siebener-Betrieb“ (lediglich sieben Spielerinnen pro Mannschaft). Als dies nicht so recht klappte, war Laura Burdorf froh, dass noch das ein oder andere Mädel hinzukam und der Mannschaft neuen Schwung einbrachte. Mittlerweile ist die gelernte Groß- und Außenhandels-Kauffrau die einzig verbliebene Spielerin aus damaliger Zeit. „Die meisten Mädchen hatten entweder keine Lust mehr oder sind weggezogen“, meint Laura Burdorf. Doch sie ließ sich davon nicht unterkriegen und kickt nun unter Trainer und Vater Joachim Burdorf in der Bremer Verbandsliga. Auch Mama Doris ist immer als Betreuerin der Frauen-Truppe dabei.

Neben dem Kicken zeigt Laura Burdorf ein sehr großes Engagement beim SV Eintracht Aumund. Die „Zehnerin“ betreut nicht nur ihr eigenes Team, sondern sorgt auch für das leibliche Wohl. Bei den Partien der Fußballer der ersten Herren ist sie ohnehin stets dabei, um ihren Bruder Steffen und ihren Freund André anzufeuern. Zudem hat sie in ihrem Verein ein Fußball-Mixed-Turnier ins Leben gerufen, das mittlerweile nicht nur vereinsintern, sondern auch bei vielen anderen Vereinen sehr beliebt ist.

Ein Engagement, das auch dem Bremer Fußball-Verband nicht entgangen ist. Anfang des Jahres wurde ihr der DFB-Ehrenamtspreis überreicht. Sie setzte sich nicht nur in Bremen-Nord durch, sondern gewann zudem auch in Bremen. Neben Terminen mit diversen Bürgermeistern und einigen Länderspielen der deutschen Fußball-A-Nationalmannschaft der Herren, gewann sie vor allem 1000 Euro für die Mannschaftskasse. „Das ist natürlich eine tolle Sache. Darüber freue ich mich sehr“, ist Laura Burdorf begeistert. Unter anderem ist sie zum Länderspiel gegen Polen am 13. Mai 2004 in Hamburg eingeladen.

Doch kommendes Wochenende steht erst mal der Abstiegskampf auf dem Plan. Die ersten Frauen erwarten den Geestemünder SC. Für Laura Burdorf Grund genug, so schnell wie möglich wieder fit zu werden – trotz besorgter Blicke der Mama.

Zur Person: Laura Burdorf lebt seit 1995 gemeinsam mit ihren Eltern Joachim (53) und Doris (52) in Aumund. Mit 19 Jahren machte sie ihr Fachabitur am Schulzentrum Bördestraße, lernte zweieinhalb Jahre den Beruf Groß- und Außenhandels-Kauffrau bei der CHS CONTAINER Handel GmbH und arbeitete dort danach für ein Jahr in der Buchhaltung. Seit neun Jahren kickt Laura Burdorf bei den ersten Frauen-Fußballerinnen des SV Eintracht Aumund. Von 1996 bis 2010 spielte sie Prellball beim Vegesacker TV. Dort wurde sie fünf Mal Deutsche Meisterin und war sogar in der 1. Bundesliga aktiv. (fsh)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+