Deutschlands Fußball-Nationalspielerin Melanie Leupolz über die Frage, was Frauen von Männern lernen können „Die Jungs haben mich oft beschützt“

Melanie Leupolz gehört zur nachrückenden Generation der deutschen Fußballerinnen. Beim 4:0 gegen Thailand wurde die 21-jährige Offensivspielerin zur Spielerin des Spiels gewählt.
18.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Melanie Leupolz gehört zur nachrückenden Generation der deutschen Fußballerinnen. Beim 4:0 gegen Thailand wurde die 21-jährige Offensivspielerin zur Spielerin des Spiels gewählt. Frank Hellmann hat sie gefragt, wie sie wurde, was sie ist.

Mit jedem Spiel bei dieser Frauen-WM steigt der Bekanntheitsgrad der Nationalspielerinnen. Kaum jemand aber kennt ihren Karriereweg. Sie haben bei den Bambinis des TSV Ratzenried angefangen und haben dann mit einer Sondergenehmigung bis zur C-Jugend mit den Jungs gespielt.

Melanie Leupolz: Als wir jetzt mit dem FC Bayern Meister geworden sind, habe ich eine Grillparty bei mir im Garten geschmissen, wo viele Jungs von früher waren, mit denen ich mal Fußball gespielt habe. Die verfolgen auch alles, was hier in Kanada passiert. Die sagen mir auch immer, dass ich alles von ihnen gelernt habe…(lacht)

Wie wichtig ist es denn, möglichst lange mit Jungs zusammenzuspielen?

Das bringt einem für den späteren Verlauf der Karriere sehr viel. Man lernt früh, sich durchzusetzen, weil die Jungs einfach kräftiger und schneller sind. Und wenn man körperlich als Mädchen nicht mithalten kann, muss man sich halt schneller entscheiden und das Spiel besser lesen können als die Jungs. Gerade im C- und B-Jugendalter wird das sehr wichtig. Man reift dadurch als Fußballerin schneller.

Waren Sie damals eine Einzelkämpferin?

Ja, ich war meist das einzige Mädchen. Auch im Umkreis von Ratzenried kann ich mich an wenige Gegner erinnern, bei denen auch eine mitgespielt hat. In der Mannschaft war ich aber total integriert, die Jungs haben mich oft sogar beschützt, was nicht notwendig war. Aber vom Gegner wurde ich schon mal gefragt, ob ich ein Mädchen oder Junge wäre, denn Mädchen könnten doch kein Fußball spielen.

Hatten Sie immer eine eigene Umkleide?

Anfangs noch nicht, da hat man oft daheim geduscht. Später habe ich immer die Schiri-Kabine bekommen. Das war kein Problem.

Wie lange sollten Frauen denn diese Erfahrung machen?

So lange es geht! Man kann da viel mitnehmen. Ich glaube, es gibt nur bis zur B-Jugend eine Ausnahmegenehmigung. Ich musste in eine Mädchenmannschaft, weil mein Verein zu wenig Spieler hatte.

Sie haben im Alter von 14 Jahren dann ein Angebot von Turbine Potsdam abgelehnt.

Wir hatten mit unserer Schule bei „Jugend trainiert für Olympia“ gegen die Sportschule Potsdam gespielt, da bin ich wohl aufgefallen. Sie haben gesagt, ich sollte mal zu einem Probetraining kommen, aber ich bin lieber zum SC Freiburg gewechselt und habe diese Entscheidung nicht bereut.

Haben Sie mit dem SC Freiburg noch häufig gegen Männer gespielt?

Unser Bundesliga-Team hat damals regelmäßig Testspiele gegen andere männliche Nachwuchsmannschaften ausgetragen, aber nie aus dem eigenen Verein.

Sie spielen seit einer Saison beim FC Bayern. Dort werden die Männer wie Popstars behandelt. Welcher Bezug besteht da?

Wir hatten ja das Vergnügen aus dem Trainingslager in der Schweiz, mit dem Helikopter zur Meisterfeier nach München zu fliegen. Ich war voller Adrenalin, als wir mit denen zusammen auf dem Balkon standen. Da waren sie total offen und nett. Ich bin ja mit Franck Ribéry rausgegangen, das war cool, und ich war überrascht, wie gut er Deutsch konnte. Wir haben uns sogar über den Abstieg des SC Freiburg unterhalten.

Stören Sie die ständigen Vergleiche mit den Männern?

Ich mache das deshalb nicht so gerne, weil es da einfach große Differenzen gibt. Wenn wir uns aber mit anderen Frauensportarten oder anderen Nationen vergleichen, dann geht es uns doch richtig, richtig gut.

Trotzdem hat keine Nationalspielerin nach der Karriere ausgesorgt. Wissen Sie schon, was Sie nach dem Fußball machen?

Ich habe in Freiburg mit Volkswirtschaftslehre angefangen, jetzt studiere ich in München an der Bayrischen Akademie für Werbung und Akademie noch Sportmarketing. Beruflich möchte ich später ins Marketing einsteigen. Und ich will mal eine Familie gründen und ein Haus bauen.

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