Ruder-Bundesliga: Jens Große ist die Rolle des Team-Kapitäns auf den Leib geschrieben

Die Konstante im Bremer Boot

Bremen. Eigentlich sind Sprint-Disziplinen etwas für jüngere Sportler. Mit dem Alter lässt die Maximalkraft nach und ist ab einem bestimmten Punkt auch durch Erfahrung nicht mehr zu kompensieren.
19.08.2019, 00:00
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Von Sören Dannhauer
Die Konstante im Bremer Boot

Mit knapp 35 Jahren ist Jens Große die Konstante im Boot der Bundesliga-Männer und hat als Team-­Kapitän großen Anteil am Erfolg des Teams, dass in diesem Jahr nach zwei Renntagen auf Platz fünf der Bundesliga-Tabelle steht.

Sören Dannhauer

Bremen. Eigentlich sind Sprint-Disziplinen etwas für jüngere Sportler. Mit dem Alter lässt die Maximalkraft nach und ist ab einem bestimmten Punkt auch durch Erfahrung nicht mehr zu kompensieren. Diesen Punkt hat Jens Große, Team-Kapitän der Bundesliga-Ruderer aus Bremen aber wohl noch nicht erreicht. Mit knapp 35 Jahren ist er die Konstante im Boot der Bundesliga-Männer und hat großen Anteil am Erfolg des Teams, dass in diesem Jahr nach zwei Renntagen auf Platz fünf der Bundesliga-Tabelle steht.

2009 wurde die Ruder-Bundesliga gegründet. Nur im Premierenjahr war Große noch nicht Teil der Bremer Mannschaft, seitdem ist er aber immer dabei, wenn eine Bremer Mannschaft zur nationalen Sprintliga gemeldet hat. Das war seitdem in acht von zehn Saisons der Fall. Ein Name im Bremer Rudersport ist Große aber nicht erst seit 2010. Den Sport kennt er inzwischen über 20 Jahre und Erfolge hat er auf so ziemlich allen Veranstaltungen gesammelt, die es im Rudern gibt.

Bereits 2001 war er Deutscher Meister U19 im Leichtgewichts-Achter und Vizemeister im Vierer-ohne auf der olympischen 2000 Meter Distanz. Es folgte eine weitere Medaille 2002 und schon im ersten Männerjahr 2003 eine Medaille auf der Deutschen Sprintmeisterschaft. Die kurzen 350 Meter Strecken der Ruder-Bundesliga sind also nichts neues für ihn gewesen.

Die Aufzählung der sportlichen Erfolge ist damit nicht komplett. „Ein paar Medaillen waren es schon“, meinte Große bescheiden. Norddeutscher Meister 2013, Deutscher Vizemeister im Sprint 2014 und es klingt nicht so, als ob keine Medaillen mehr folgen. Erst vor wenigen Wochen bei der Deutschen Meisterschaft schrammte Große hauchdünn im Achter an einer Medaille vorbei und ruderte auf der Deutschen Hochschulmeisterschaft mit seinen deutlich jüngeren Mitruderern zur Bronzemedaille. Trotzdem geht es nicht um das Sammeln von Medaillen. Dafür sind die Interessen des promovierten Maschinenbauers mit einer Spezialisierung auf Luft- und Raumfahrt viel zu breit gestreut.

Schwimmen steht regelmäßig auf dem Trainingsplan, im Winter auch Langlauf, ein paar Mal nahm Große an Triathlons teil und auch einen Marathon ist er schon gelaufen. „Unter vier Stunden, aber mehr als einmal wollte ich mir das bisher nicht antun.“ Seit einigen Jahren übernimmt er zudem Traineraufgaben im Wettkampfteam der Uni-Ruderer. „Vor allem sein Gymnastikprogramm mit Eigengewichtübungen und seine Tabata-Zirkel sind bei den Studenten gefürchtet“, berichtet Max Sudhoff, der die sportlichen Aktivitäten der Ruderer im Verein für Hochschulsport an der Universität Bremen koordiniert.

Ein volles Pensum für Große. Als Sportvorsitzender des Landesruderverbands kümmert er sich ehrenamtlich auch um Planungen und Anträge der Ruderer in Bremen und Bremerhaven. Schon als Schüler gründete Große eine Eventagentur, mit der er alle denkbaren Dienstleistungen übernommen hat, die im Umfeld großer Events entstehen, und war zu später Stunde oft als DJ unterwegs. Wenig überraschend kümmert er sich bei der Großen Bremer Ruder-Regatta auf dem Werdersee um die Technik. „Das alles ist aber weniger geworden. Das Alter und auch der Beruf regulieren das“, meint Große mit einem Augenzwinkern.

Im Hauptberuf ist Große Gruppenleiter beim Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen. Als er vor zwei Jahren etliche Monate in Schweden verbrachte, bis der Start einer Höhenforschungsrakete und die Durchführung eines Bose-Einstein-Kondensats in der Schwerelosigkeit klappte, hat er diese Zeit aber auch sportlich gut genutzt. „Es lag viel Schnee und es gab einen Langlauf-Experten dort“, so Große. Also kam er als technisch besserer Langläufer zurück nach Bremen.

Die Rolle des Team-Kapitäns in der Bundesliga-Mannschaft ist Große auf den Leib geschneidert, obwohl einige der Mitruderer über zehn Jahre jünger sind. Der Altersunterschied sei kein Problem. „Es gelingt mir im Job ja auch gut, nah bei den Studenten zu sein und trotzdem eine gewisse Autorität auszustrahlen“, meint er dazu. Es kommt vor allem darauf an, Dinge zu koordinieren. Nicht alles muss ein Kapitän selber machen. Wichtig ist am Ende, dass das Training klappt und ein bisschen auch die Stimmung der Ruderer passt.

Die Stimmung der Mannschaft ist für Große auch der wichtigste Punkt für das gute Abschneiden des Bremer Achters in diesem Jahr: „Es ist ein bisschen wie 2010. Wir haben ein paar ‚Erfahrene‘ im Kader und ‚junge Wilde‘.“ Es ist 2019 eine gut funktionierende Mischung und es scheint, dass ein erfahrener Team-Kapitän ein wichtiger Baustein für den Erfolg ist. Einzig die finanzielle Situation der Bundesliga-Teams macht Große Sorgen. „Wir haben zwar Sponsoren, die stehen aber nicht Schlange. Ambitionierten Amateursport zu finanzieren, ist eine größer werdende Herausforderung.“

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