Interview Kai Stöver

Die Mannschaft nicht mehr erreicht

Sieben Jahre lang trainierte Kai Stöver die Volleyball-Damen der VG Delmenhorst-Stenum. Nach dem Oberliga-Abstieg ist er zurückgetreten. Im Interview erklärt er seine Gründe und blickt zurück.
28.03.2019, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Die Mannschaft nicht mehr erreicht
Von Michael Kerzel
Herr Stöver, Sie haben überraschend das Amt des Trainers der Damenmannschaft der VG Delmenhorst-Stenum niedergelegt. Wie ist es zu dem Entschluss gekommen?

Kai Stöver: Der Entschluss ist über die Saison gereift. Im Dezember habe ich intern schon mal die Vertrauensfrage gestellt. Ich hatte das Gefühl, die Mannschaft nicht mehr richtig zu erreichen, beim Training und auch bei den Auszeiten nicht. Es wurde nicht das umgesetzt, was ich gesagt habe. Mir ist da der Spaß abhandengekommen. Ich bin seit 34 Jahren Trainer. Spaß hatte ich eigentlich immer, aber in den letzten Monaten habe ich mich mehr zum Training gequält. Ich habe dann mit meiner Frau und auch meiner Tochter, die ja auch in der Mannschaft spielt, gesprochen. Und die haben mir von einem Rücktritt nicht abgeraten. Es gibt da noch weitere Gründe, die ich aber nicht öffentlich breittreten will.

Wie geht es für Sie im Bereich Volleyball nun weiter?

Ich mache erst mal eine Pause. Grundsätzlich habe ich schon noch Spaß am Volleyball. Aber ich brauche eine Pause. Ein endgültiger Abschluss ist das nicht. Ich bin auch selbst gespannt. Ich weiß ja gar nicht, wie es ohne Volleyball ist. Mal schauen, was ich im Sommer sage. Jetzt bin ich aber erst mal erleichtert, aber natürlich wird auch etwas fehlen.

Sie haben sieben Jahre lang die erste Damenmannschaft der VG Delmenhorst-Stenum trainiert. Was waren die Highlights?

Unsere beiden Meisterschaften. Wir sind gleich in der ersten Saison aus der Landesliga in die Verbandsliga aufgestiegen und haben es da fast wieder ganz nach oben geschafft. Der ursprüngliche Plan war, zwei Jahre in der Landesliga zu spielen, dann zwei Jahre in der Verbandsliga und dann in die Oberliga zu kommen. Das haben wir letzte Saison geschafft, die Meisterschaft gehörte zu den Höhepunkten. Die Zusammenarbeit mit den Leuten im Verein und den Spaß mit den Spielerinnen zähle ich auch dazu.

Die größte Enttäuschung war der Abstieg?

Diese Saison war natürlich ein Tiefpunkt, vor allem, weil wir so sang- und klanglos abgestiegen sind. Die Saison vor zwei Jahren, als wir in die Abstiegsrelegation der Verbandsliga mussten, war auch ein negatives Erlebnis. Die Fahrt nach Hannover zusammen mit den Herren und dass wir dann den Klassenerhalt in der Relegation geschafft haben, war natürlich wieder ein Highlight. Aber in der Saison habe ich körperlich gelitten, zu viel in mich reingefressen.

Hat die Qualität in dieser Saison schlicht gefehlt, um die Oberliga zu halten?

Vor der Saison dachte ich, dass wir die Klasse halten können und bei dieser Einschätzung bleibe ich auch. Im letzten Spiel gegen den feststehenden Meister haben wir beispielsweise gezeigt, dass wir mithalten können. Aber die Spielerinnen haben in der Saison nicht dran geglaubt, da fehlte dann auch Vollgas. Gegen die anderen schwachen Teams waren wir einfach schlecht. Das war eine Einstellungssache. Gegen Salzgitter war die Leistung eine Katastrophe. Da hat sich dann auch Resignation bei mir breitgemacht. Es war, als ob ich gegen Wände geredet hätte.

An sich gehen Aufsteiger ja oft mit viel Euphorie in der neuen Liga an den Start und wachsen über sich hinaus.

Eigentlich schon. Und wir hatten ja auch keinen Umbruch, der Kader blieb beisammen. Beim ersten Spiel in Münden haben wir gleich den ersten Satz gewonnen. Wir haben gezeigt, dass wir es können. Aber danach schien es so, als ob die Spielerinnen dachten, dass das erst mal reicht. Bis Dezember haben wir aber noch zwei Siege geholt, standen gar nicht so schlecht da. Aber ab dann setzte eine Abstiegsspirale ein. Da gab es nicht ein Spiel, das der Knackpunkt war. Vielleicht das Spiel in Giesen beim direkten Konkurrenten.

Fehlten Führungsspielerinnen im Kader?

Das will ich gar nicht so sagen. Die Spielerinnen waren sehr mit sich selbst beschäftigt. Es hat die ein oder andere gefehlt, die unbekümmert auf das Feld geht und ohne viel zu denken, einfach drauflos spielt. Viele Spielerinnen haben verkrampft, die Lockerheit fehlte. Sie haben sich selbst in den Abstieg gezogen. Ich bin da auch ratlos, woran das gelegen hat. Es hat einfach nicht funktioniert. Vielleicht muss auch deswegen jetzt ein neuer Trainer her. Das Gefüge muss sich ändern, damit ein Neustart gelingt. Und ich wusste nicht, ob ich die Spielerinnen wirklich noch erreichen kann.

Das Interview führte Michael Kerzel.

Info

Zur Person

Kai Stöver

trainiert die Volleyball-Damen der VG Delmenhorst seit deren Gründung im Jahr 2012. Insgesamt ist er seit 34 Jahren ununterbrochen als Trainer im Volleyball aktiv. Nun hat er seinen Rücktritt als Trainer erklärt und will eine Pause einlegen.

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