Warum Faustballer Daniel Wandel den Wechsel vom Bundes- zum Verbandsligisten nicht bereut hat "Die menschliche Seite habe ich vermisst"

Eine nicht alltägliche Neuverpflichtung ist den Faustballern des MTV Lübberstedt gelungen. Mit Daniel Wandel haben sie einen Akteur gewonnen, der beim TSV Essel Bundesliga-Punktspiele absolvierte und vergangenen Sonntag erstmals bei den Lübberstedtern zum Einsatz kam. Unser Redakteur Thomas Müller sprach mit dem 26-Jährigen über die Hintergründe des Wechsels.
26.01.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Eine nicht alltägliche Neuverpflichtung ist den Faustballern des MTV Lübberstedt gelungen. Mit Daniel Wandel haben sie einen Akteur gewonnen, der beim TSV Essel Bundesliga-Punktspiele absolvierte und vergangenen Sonntag erstmals bei den Lübberstedtern zum Einsatz kam. Unser Redakteur Thomas Müller sprach mit dem 26-Jährigen über die Hintergründe des Wechsels.

Frage: Dass der MTV Lübberstedt einen neuen Spieler von außerhalb bekommt, ist ja schon fast so, als wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Wie kam es zu dem Wechsel?

Daniel Wandel: Vergangenen Sommer habe ich bei meinem alten Verein TSV Essel in der Nähe von Stade aufgehört - aus beruflichen und privaten Gründen. Ich arbeite seit fast vier Jahren in Osterholz-Scharmbeck und bin über eine Patientin in Kontakt zum MTV Lübberstedt gekommen. Trainiert habe ich schon länger dort, und die Jungs da haben mich immer wieder gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auch Punktspiele mitzumachen. Jetzt hat es endlich das erste Mal geklappt.

Und wie hat Daniel Wandel seinen Einstieg bei den Lübberstedtern erlebt?

Das war eine ganz feine Sache. Ich kann nur sagen: Das Zusammenspiel klappt sehr gut. Die Lübberstedter haben mich sehr freundlich und herzlich aufgenommen. Das sind Dinge, diese menschliche Seite, die ich bei meinem alten Verein vermisst habe. Beim MTV wurde ich von Anfang an zu allen möglichen Aktivitäten eingeladen.

Wie lief es aus sportlicher Sicht? Als Linkshänder haben Sie in der Abwehr hinten links wohl gleich auf Ihrer Lieblingsposition gespielt?

Im Grunde genommen ist es mir egal, auf welcher Position sie mich einsetzen. Ich bin auf allen Positionen zu Hause, ich habe die in meiner Laufbahn auch schon alle gespielt. In Essel war ich zuletzt vorwiegend in der Mitte eingesetzt. Aber ursprünglich komme ich von hinten links aus der Abwehrecke. Vor allem in der Halle bringt das einige Vorteile mit sich.

Einem Bundesliga-Spieler dürfte der Wechsel leistungsmäßig in die Verbandsliga nicht schwergefallen sein. Wie schätzen Sie das Niveau dort ein?

In den letzten sieben Jahren habe ich in Essel überwiegend 1. Bundesliga gespielt. Sicher, ich konnte jetzt in der Verbandsliga gut mitspielen, das war kein großes Problem, obwohl es da ganz ohne Training auch nicht funktioniert. Wenn man ehrlich ist, liegen leistungsmäßig aber Welten zwischen diesen Klassen. Vor allem in der Halle. Das Niveau in der höheren Liga ist wesentlich intensiver, da kann man sich keine Fehler erlauben. In der Verbandsliga wird nicht so konsequent geschlagen. Wenn du in der 1. Liga nicht mit Druck spielst, kriegst du den Ball postwendend wieder um die Ohren geschlagen. Das passiert so nicht in der Verbandsliga. Da geht der Ball schon mal drei-, vier- oder fünfmal hin und her, bis sich ein Angreifer durchsetzen kann. Fehler kann man sich erlauben, weil auch der Gegner welche macht.

Wie sind Ihre Pläne für die Feldserie? Bleiben Sie beim MTV Lübberstedt?

Es sieht ganz danach aus. Ich muss mal sehen, wie es zeitlich passt. Das war jetzt im Winter ja auch nicht immer so einfach. Ich kann sicherlich spontan mal einspringen. Fest einplanen kann man mich aber nicht. Ich würde ja gerne öfter spielen, aber die berufliche Situation lässt leider nicht mehr zu. Dass die Lübberstedter mich trotzdem mit offenen Armen aufgenommen haben - da fühle ich mich schon geschmeichelt.

Dann wird es auch keinen Verdrängungswettbewerb geben?

Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. In der Mannschaft ist sich keiner zu schade - ich auch nicht -, draußen zu bleiben und mal ein Spiel nur zuzuschauen. Konkurrenzängste sind da nicht angebracht. Ich habe den Jungs auch gesagt: Ich spiele da, wo ihr mich hinstellt. Ich bin flexibel einzusetzen

Faustball hat die Eigenart, dass es einige wenige Hochburgen gibt, aber auch völlig faustballfreie Landstriche. Ihre Erklärung dafür?

Stimmt. Wenn man von Bremen aus Richtung Stade sieht, gibt es da einige Vereine, die seit Jahren oder Jahrzehnten auf höchstem Niveau Faustball spielen. Richtung Oldenburg und Ahlhorn genauso, während Bremen selbst Niemandsland ist. Erklären kann ich mir das auch nicht. Es hängt wohl mit Konkurrenzsportarten zusammen, die Faustball verdrängt haben.

Wie kann man die Randsportart Faustball populärer machen?

Das ist eine Frage, die alle Vereine beschäftigt. Ich habe da kein Patentrezept. Ich glaube aber, dass man noch breiter in die Öffentlichkeit gehen muss, um Leute zu gewinnen, die sich Faustball wenigstens erst mal anschauen: Viele wissen gar nicht, was das ist. Dabei ist es ein sehr schöner, intensiver Sport, der für jede Altersgruppe geeignet ist. Fußball, Handball und Basketball sind meist auch an den Schulen Vorreiter. Da muss es schon Lehrer geben, die selbst Faustball spielen.

Wie haben sie das Problem in Essel gelöst?

Über viel Öffentlichkeitsarbeit und gute Beziehungen zu Nachbarvereinen. Da haben sie immer wieder Nachwuchsspieler gewinnen können, die nach und nach in die erste Mannschaft aufgerückt sind. Die Mannschaft, in der ich 1. und 2. Bundesliga gespielt habe, hatte nur einen Spieler, der direkt aus Essel kam. In Ahlhorn ist es wieder anders. Da gibt es Hunderte von Leuten, die Faustball spielen - vom kleinen Kind bis in die höchsten Ligen. Da gibt es aber auch viele Lehrer, die Faustball über die Schule verbreiten.

Wie würden Sie Faustball jemandem empfehlen, der es noch nie gespielt hat?

An die Hand nehmen und dahin mitnehmen, wo Faustball gespielt wird. Einfach mal ansehen! Dann kann man in kleiner Runde mal ausprobieren, wie sich Faustball überhaupt anfühlt. Ich bin mit sechs Jahren angefangen und noch heute dabei.

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