RB Leipzig zeigt zwar keinen Superfußball, aber eine beeindruckende Effizienz – das Projekt Aufstieg läuft Die Minimalisten marschieren

Karlsruhe. Ralf Rangnick war gut gelaunt. Der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig traf viele alte Bekannte im kleinen Presseraum des Karlsruher SC.
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Von Tobias Schächter

Ralf Rangnick war gut gelaunt. Der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig traf viele alte Bekannte im kleinen Presseraum des Karlsruher SC. Er plauschte entspannt am Tresen mit Leuten wie Rainer Scharinger, seinem ehemaligen Spieler in Ulm und Assistenten in Hoffenheim. Als Sieger fiel dies Rangnick ziemlich leicht, was zählen da schon die zum Teil üblen Beleidigungen aus dem Karlsruher Publikum? Der Macher des mit Red-Bull-Geld aufgemotzten RB Leipzig ist Zielscheibe des Hasses vieler Ultragruppen.

Natürlich hegt Rangnick romantische Gefühle gegenüber seinem Sport. Als Realist ahnt der 57-Jährige, dass Klubs ohne Investoren im globalisierten Spiel nicht mehr lange werden mithalten können. Aus RB in Leipzig aber, wo Rangnick eine Struktur nach seinen Gedanken und mit dem Geld von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz formen kann, könnte schon bald ein Herausforderer des Erstliga-Establishments werden. RB jedenfalls festigte durch den 1:0-Sieg in Baden seine Aufstiegsambitionen: Einen Spieltag vor Vorrunden-Ende stehen die Leipziger punktgleich mit Tabellenführer SC Freiburg auf Rang zwei, der Abstand auf den Dritten St. Pauli beträgt schon sechs Punkte.

Früh in der Saison scheinen sich die Prophezeiungen zu bewahrheiten, nach denen Leipzig und Freiburg die beiden direkten Aufstiegsplätze unter sich ausmachen. Leipzig wirkt dabei noch breiter aufgestellt. Verletzt sich in Freiburg Nils Petersen, der Ex-Werderaner und beste Torschütze der Liga (15 Treffer), hat der SC ein Problem. RB überzeugt weniger durch glanzvollen Fußball, aber durch Effizienz. Zudem begünstigt auch die notorische Durchschnittlichkeit der anderen Teams die beiden Anwärter.

Rangnick, der schon mit Hannover und Hoffenheim in die erste Liga aufgestiegen ist (den SSV Ulm verließ er 1999 noch vor dem Durchmarsch von Liga 3 in Liga 1) weiß, dass der Erfolg in Karlsruhe „glücklich“ war. Er fordert: „Wir müssen uns steigern.“ Bis zum überraschenden Siegtor durch einen abgefälschten Schuss von Marcel Sabitzer in der 70. Minute lief nicht viel zusammen bei RB. Hätte Torwart Fabio Coltorti den bejammernswert schlecht geschossenen Strafstoß von Dimitrios Diamantakos nicht gehalten (57.), wäre RB wohl als Verlierer nach Hause gefahren.

Aber wer nach 16 Spieltagen mit dem minimalistischen Torverhältnis von 22:14 einen aufstiegsverdächtigen Punktequotienten von zwei Zählern pro Partie aufweist, verdient Respekt. Andererseits trügen die Zahlen ein bisschen. Die Defensive – vor allem der aus Kaiserslautern gekommene Innenverteidiger Willi Orban – wirkt weniger stabil, als es die nach Gegentreffern zweitbeste Abwehr der Liga vorzugeben scheint. Im Angriff muss der in Karlsruhe schwache, aus Bremen geholte Davie Selke (bislang sieben Saisontreffer) erst noch nachweisen, tatsächlich ein so großes Talent zu sein, wie viele glauben.

Ähnlich wie einst in Hoffenheim lockt Rangnick mit Geld und verheißungsvoller Perspektive entwicklungsfähige Großtalente nach Leipzig. In Leipzig sind Orban,23, Selke, 20, der schwedische Nationalspieler Emil Forsberg, 24, der dänische Internationale Yussuf Poulsen, 21., oder etwa der österreichische Teamspieler Sabitzer, 21, Versprechen auf eine große Zukunft. In Leipzig sehen diese Profis die besten Perspektiven, langfristig im oberen Drittel der Bundesliga mitzuspielen.

Weil es in der letzten Saison mit dem Aufstieg nicht geklappt hat, musste der mittlerweile beim VfB Stuttgart entlassene Andreas Zorniger gehen. Der ungeduldige Rangnick übernahm selbst das Traineramt, es soll so ohne weitere Verzögerung nach oben gehen. Wie es ausschaut, rückt das Ziel näher.

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