Springturnier RFV Steller See

Die Stangen fallen reihenweise

47 Nennungen allein für das S-Springen, 1200 über das gesamte Wochenende. Beim Springturnier des RFV Steller See stießen die Ausrichter an ihre Grenzen.
01.08.2017, 10:27
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Von Niklas Golitschek
Die Stangen fallen reihenweise

Irina Dierks (RV Heiligenrode) schaffte es auf C-You im S*-Springen ins Stechen.

UDO MEISSNER

Stuhr-Stelle. Die Zuschauer haben sichtlich mit Liesa Behrens (RV Sudweyhe) mitgelitten. In ihrem ersten S-Springen auf ihrem Pferd Betty Balou legte sie auf dem anspruchsvollen Parcours beim Reitturnier des RFV Steller See eine tolle Runde hin. Bei jeder Hürde, die das Duo überwand, waren noch ein paar Zentimeter Luft. Und dann kam das letzte Hindernis, einige hielten bereits die Hände für den Applaus bereit. Doch die Stange fiel, vier Strafpunkte und das Aus. Ein Raunen ging durch die Runde, die Hände klatschten nicht, sondern wurden vor den Mund gelegt. Das kam überraschend.

Natürlich war es eine bittere Pille für Liesa Behrens. „Ich war ein bisschen zu dicht dran“, sagte sie später selbstkritisch, hatte aber schon wieder ein Lächeln im Gesicht. „Ich war froh, dass ich bis dahin noch keine Fehlerpunkte hatte. Der Rest war super, ich bin sehr zufrieden. Ich hatte nur ein bisschen Pech“, bilanzierte sie. Mit einer guten Zeit von 69,29 Sekunden reichte es dennoch für Rang zwölf und damit eine Platzierung – als schnellste Reiterin mit vier Fehlerpunkten. Noch kurioser war zuvor ihre Zwei-Phasen-Springprüfung Klasse L gelaufen: Wieder war es die letzte Hürde. Doch dieses Mal riss ihr Pferd, Aragon, nicht die Stange. Sondern beim Landen verlor die Reiterin das Gleichgewicht, kippte links über und hielt sich noch bis zum Zieleinlauf an der Seite fest, um die Wertung mitzunehmen. „Das ist mir auch noch nie passiert, vielleicht bin ich aus dem Steigbügel gerutscht“, sagte Behrens mit einem verschmitzten Lächeln. Im Stechen blieb sie erneut fehlerfrei und holte sich in 25,48 Sekunden Platz zwei.

Auch Dennis Schlüsselburg (RFV Steller See), der mit seinen Jungpferden abermals brillierte, fiel dem schweren Parcours im S*-Springen zum Opfer. Auf Chaccinus sammelte er 11,5 Fehlerpunkte und kam so nur auf Platz 29. Tim Köhler (RV Thedinghausen) ereilte dieses Schicksal gleich doppelt. „Ich bin meine Pferde in den letzten drei Wochen auf Hochleistung geritten, die Lust war weg“, erklärte er. Call me Fred sei mit seinen acht Jahren zudem noch jung und keine zehn S-Prüfungen gesprungen. „Er wächst da noch rein. Nächstes Jahr ist er für höhere Prüfungen bereit, er hat Potenzial.“

Pech hatte auch Kevin Martsch (RFV Okel), der auf Ciccioleena 8,25 Fehlerpunkte einfuhr. „Mein Pferd hat auf die untere Planke geschaut und war unkonzentriert, sonst ist es gut gesprungen“, analysierte er und sah noch Luft nach oben. Ins Stechen schaffte es als einzige Vertreterin aus der Region Irina Dierks (RV Heiligenrode) mit einem fehlerfreien Umlauf auf C-You. Auf dem verkürzten Parcours konnte sie dann jedoch nicht mehr mithalten und musste sich mit acht Fehlerpunkten mit Platz zehn zufriedengeben.

Das anspruchsvolle Springen begründete Parcoursbauer Eric Runge mit dem starken Teilnehmerfeld: „Man hat das Gefühl, dass hier Halb-Profis und Profis aus ganz Norddeutschland dabei sind.“ Zudem seien die Bedingungen durch die neue Ebbe-Flut-Anlage, die den Wassergehalt des Platzes auch bei starkem Regen und starker Trockenheit exakt reguliert, ideal. „Außerdem soll nicht jeder Zweite ins Stechen kommen. Niemand will, dass jemand ins Stechen kommt und am Ende nicht platziert ist. Bei 20 Teilnehmern wäre das langweilig“, schilderte er. Immerhin verzeichneten die Ausrichter für die S-Prüfung 47 Nennungen.

Auch die weiteren Prüfungen waren über das gesamte Wochenende wieder gefragt. Das Limit von insgesamt 1200 Nennungen wurde erreicht. „Da stoßen wir schon an unsere Grenzen“, betonte Lutz Vincke, zweiter Vorsitzender des RFV Steller See. Wegen der guten Platzverhältnisse sei die Ausfallquote gering gewesen, weshalb der Zeitplan nur wenig entzerrt wurde. Dennoch kam es im Ablauf nur zu geringen Verzögerungen. Besonders freute die Ausrichter, dass sich wieder zahlreiche Persönlichkeiten aus der regionalen Reitszene blicken ließen. Dazu zählte neben Sören Pedersen und Gilbert Böckmann auch Sandra Auffarth, Olympia-Siegerin im Vielseitigkeitsreiten, die mit ihren Jungpferden vorwiegend in den A-Prüfungen startete. Ein weiterer Höhepunkt war das Flutlichtspringen am Sonnabend, bei dem sich laut Vincke knapp 1000 Gäste auf dem Reitgelände einfanden.

Als Sieger aus der prestigeträchtigen Prüfung ging Ricardo Saarloos auf United nach 35,50 Sekunden im Stechen hervor. Knapp dahinter folgte Liesa Behrens, der auf Betty Balou sowohl im ersten Umlauf als auch im Stechen fehlerfreie Ritte gelangen, mit einer Zeit von 35,91 Sekunden war sie im Stechen nur geringfügig langsamer. Es war ein weiterer Beweis, dass sie mit Betty Balou schon bald für höhere Aufgaben bereit sein könnte. Das nächste S-Springen steht bereits kommende Woche in Hüttenbusch im Programm.

„Niemand will, dass jemand ins Stechen kommt und am Ende nicht platziert ist.“ Parcoursbauer Eric Runge
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