Der Frankfurter Ex-Profi Stefan Reinartz versorgt Bundesligisten, DFB und ARD mit einer innovativen Daten-Erfassung Die Statistik mit den geilen Pässen

Ascona. Irgendwann während der vergangenen verkorksten Saison hat sich Stefan Reinartz ein Herz genommen und seinen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt angesprochen. Der Mittelfeldspieler wollte sein Start-up-Unternehmen vorstellen, das Fußballdaten völlig neu aufbereite.
03.06.2016, 00:00
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Ascona. Irgendwann während der vergangenen verkorksten Saison hat sich Stefan Reinartz ein Herz genommen und seinen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt angesprochen. Der Mittelfeldspieler wollte sein Start-up-Unternehmen vorstellen, das Fußballdaten völlig neu aufbereite. Er wollte Trainer Armin Veh überzeugen, dass die Spielanalyse mit der Packing-Methodik hilfreich sein könnte, „aber ich habe keinen Termin bekommen.“ Veh sagte dazu am Donnerstag auf Nachfrage ziemlich verärgert: „Ich habe gar nicht gewusst, dass Stefan eine Firma hat, die solche Dienste anbietet.“ Er sei immer interessiert an neuen Entwicklungen. Reinartz und Veh haben inzwischen miteinander telefoniert und sich in der Angelegenheit ausgesprochen.

Bei Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund haben Reinartz und sein ehemaliger Leverkusener Mitspieler Jens Hegeler ihre Software dem Leverkusener Chefcoach Roger Schmidt und dem Manager Jonas Boldt vorgestellt, „da waren die sofort angefixt“. Auch Thomas Tuchel erkannte während eines Gesprächs in seinem Sabbatical die innovative Kraft des Programms, ebenso wie DFB-Chefanalytiker Christopher Clemens. „Wir haben ein positives Feedback bekommen“, berichtet Reinartz. Um sein Projekt vorzustellen, ist er in dieser Woche eigens ins DFB-Vorbereitungsresort nach Ascona gekommen. Bayer und der BVB gehören, genau wie RB Leipzig, der DFB und die ARD während der EM, zu den Kunden von Impect. So heißt die Firma, die in Köln gerade in ein neues Büro umgezogen ist, schon sechs feste und 15 freie Mitarbeiter hat und deren Geschäftsführer Stefan Reinartz bald sein wird.

Gerade erst hat der 27-Jährige seine Profikarriere beendet. In Frankfurt hatte er 2015 noch einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Aber dann war er immer wieder verletzt, schließlich wurde sein Vertrag aufgelöst. Fußballspielen will er erst einmal überhaupt nicht. Die Firma, die er in den vergangenen zwei Jahren mitentwickelt hat, hat ihm den Abschied leichter gemacht. „Wenn man sich nicht für andere Dinge interessiert, sondern nur für Fußball, dann spielt man so lange weiter, bis man nicht mehr laufen kann“, sagt er. Stefan Reinartz möchte zumindest im Alltag noch laufen können, momentan geht das wegen der Folgen eines Sehnenrisses noch immer nicht in hohem Tempo.

Jens Hegeler, mittlerweile Hertha-Profi, und er haben sich früher oft geärgert, weil die Statistik einen einfachen Querpass über wenige Meter genauso zählte „wie einen geilen Pass in die Spitze“. Sie haben sich dann nicht gewundert, dass die gängigen Statistiken mit Ballbesitz und Passquoten oft keinen Einfluss aufs Spielergebnis hatten. Also haben sie, gemeinsam mit Lukas Keppler, das „Packing“ entwickelt. Kardinalfrage: Wie viele Gegner werden mit einem Pass überspielt? Toni Kroos zum Beispiel überspielt pro Spiel im Schnitt 85, das ist dreimal so viel, wie ein durchschnittlicher Sechser in der Bundesliga schafft.

Reinartz sagt über sich, er sei früher ein „Mathe-Leistungskurs-Kind“ gewesen. Aber er hat später auch mal Psychologie studiert. Und er glaubt, die Zahlen und das Mentale lassen sich ganz gut kombinieren bei Fußballprofis. „Unsere Werte kann ein Trainer auch als Motivation nutzen für einen Spieler. So hat er Argumente, die Leistung ganz neu zu messen." Hätte Bundestrainer Joachim Löw den Werten Beachtung geschenkt, wäre neben Kroos übrigens auch Lars Stindl aus Mönchengladbach mit im DFB-Kader. Stindl bringt es hierzulande im „Packing“ auf Bestwerte. Und die Eintracht? Seit Niko Kovac dort Trainer wurde, sind statt 60 überspielten Verteidigern – Minuswert der Liga – nur noch 40 überspielt worden. Ein Top-Fünf-Wert der Bundesliga.

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