Hausbesuch beim Vegesacker Trainer Kristian Arambasic Die steile Treppe als Erfolgssymbol

Vegesack. "My home is my castle", wusste schon William Shakespeare und brachte seine Erkenntnis vor rund 400 Jahren zu Papier. Das Haus schlechthin für sich und seine Familie hat Kristian Arambasic in der Vollmersstraße im Waller Ortsteil Osterfeuerberg gefunden.
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Von Klaus Grunewald

Vegesack. "My home is my castle", wusste schon der berühmte englische Dramatiker William Shakespeare und brachte seine Erkenntnis vor rund 400 Jahren zu Papier. Das Haus schlechthin für sich und seine Familie hat Kristian Arambasic in der Vollmersstraße im Waller Ortsteil Osterfeuerberg gefunden.

Der 33-jährige Pädagoge und Fußballtrainer, der sich mit der SG Aumund-Vegesack auf der Erfolgsspur in der Bremen-Liga befindet, wohnt seit drei Jahren in dem äußerlich unscheinbaren Reihenhaus und sagt, sinngemäß, dass hier seine Burg sei, die er nicht mehr verlassen werde.

"Trautes Heim, Glück allein", wird Shakespeares Interpretation der eigenen vier Wände auch übersetzt. Darin liegt für Kristian Arambasic noch immer ein großes Tüpfelchen Wahrheit, wenngleich er die heimische Burg nicht als Wagenburg versteht. Dazu ist er als Fußballer und Sozialpädagoge an der Oberschule Gröpelingen, der es täglich mit Menschen zu tun hat, viel zu kontaktfreudig.

2007 stand der gebürtige Findorffer mit seiner Frau Mirian in der Vollmersstraße zwar nicht vor einer Ruine, aber vor einem Haus, das im Innern völlig umgekrempelt werden musste. Es steht dort, wo es vor 150 Jahren nur eine große Sanddüne gab. Der Sand wurde abgetragen, für den Bau der benachbarten Bahnanlage benötigt, die den Waller Ortsteil Osterfeuerberg in zwei Hälften zerschneidet. In der einen stand der berüchtigte Galgenberg, auf dem Bremens Mörder ihr Leben aushauchten.

Altbau entkernt

Die Arambasics hauchten dem Haus in der Vollmersstraße mit Hilfe des Vaters neues Leben ein, entkernten den Altbau und schenkten ihm und sich ein modernes und gleichzeitig vertrautes Interieur. Mit hellen Räumen, die in ihren Übergängen ein wenig an skandinavische Wohnkultur erinnern. Die Vornamen von Ehefrau Mirian und der beiden Söhne Alessio (8) und Leandro (2) führen gedanklich in die entgegen gesetzte Himmelsrichtung. Die 33-Jährige ist zwar ebenfalls in Findorff geboren und aufgewachsen, ihre familiären Wurzeln aber sind in Andalusien zu finden. Was sich nicht nur in den Vornamen ihrer Söhne, sondern auch in ihrer Begeisterung für den spanischen Zweitligaklub Betis Sevilla widerspiegelt. Fußball hat das Leben von Kristian Arambasic seit seinem vierten Lebensjahr bestimmt. Als er zum ersten Mal im Trikot des einstigen Findorffer Klubs TuS Eintracht kickte, der später unter das Dach des Großvereins SG Findorff schlüpfte. Die nächste Station des Mittelfeld- und Abwehrstrategen

war der SC Weyhe, wo er in der B- und A-Jugend, später in der 2. Herren spielte. 1997 folgte der Findorffer dem Ruf der SAV, rundete seine Qualitäten unter den Trainern Uwe Behrens und Jörg Schröder ab, um 2002 noch einmal für den SC Weyhe in der Oberliga aufzulaufen.

"Unvergessliche Jahre", sagt der 33-Jährige heute, habe er dann beim VfL 07 unter Coach Thomas Horsch gehabt, mit dem der vor 100 Jahren gegründete Traditionsklub in die Bremen-Liga aufstieg. 2009 heuerte Arambasic als Trainer beim SC Borgfeld in der Landesliga an, seit dieser Saison bastelt er am Erfolgskonzept für den Bremen-Ligisten SAV. Mit Ausdauer und Akribie, immer auf der Suche nach taktischen Marschrouten, die seinem Team zur Dominanz auf dem Rasen verhelfen. "Fußballlehrer zu werden, war schon immer mein Traum", sagt der ausgebildete Gymnasiallehrer, der sich soeben an der Sportschule Hennef angemeldet hat, um die A-Lizenz zu erwerben. Tagsüber versucht der Sozialpädagoge, Gröpelinger Schülern aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine Perspektive zu verschaffen. Auch mit Hilfe einer Fußball-Werkstatt. Und abends ist fast nur noch Fußball angesagt: drei Mal in der Woche auf dem Trainingsgelände, am Wochenende bei den Punktspielen und zuhause, meistens spätabends, vor dem

Computer. Dann aktualisieren Mirian und Kristian Arambasic die von ihnen und Sportwart Holger Franz neu angelegte Homepage der SAV-Fußballabteilung. Und natürlich erfüllt es sie mit Stolz, wenn täglich rund 400 Besucher der Homepage registriert werden. Zeit zum Abschalten und Ausspannen? Das Ehepaar lächelt und schüttelt den Kopf. Er engagiert sich im Auftrag des DFB noch für behinderte Kinder, um sie mit Hilfe des Fußballs in die Gemeinschaft zu integrieren, sie absolviert neben Hausarbeit und Kinderbetreuung ein Fernstudium (Wirtschaft). Doch demnächst, wenn der Fußball in die Winterpause geht, nimmt sich die junge Familie eine Auszeit. Dann geht es für eine Woche ins Ferienhaus am dänischen Hennestrand.

"Danach", sagt Kristian Arambasic, "müssen wir uns eigentlich wieder ums Haus kümmern." Unter anderem um die Treppe vom Erdgeschoss in die erste Etage. Sie führt steil nach oben - so wie der Weg der SAV in der bisherigen Saison - , wartet aber noch auf die farbliche Krönung. Die fußballerische strebt Kristian Arambasic mit seinem Team an: den Meistertitel in der Bremen-Liga.

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