Wiebke Möller ist eine der treffsichersten Spielerinnen der Oberliga – und steht mit Grüppenbühren vor dem Abstieg

Die treue Torjägerin

„Ich kann nur treffen, wenn die Kolleginnen mir helfen.“ Wiebke Möller Ganderkesee-Bookholzberg.
14.03.2015, 00:00
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Von Daniel Cottäus
Die treue Torjägerin

Nicht zu stoppen: Wiebke Möller hat in der laufenden Saison noch kein Spiel verpasst und bringt es nach 19 Einsätzen in der Oberliga auf 151 Tore.

INGO MOELLERS

Die Anfrage kam irgendwann, ziemlich unvermittelt, im Verlauf der vergangenen Saison: Ob sie sich nicht vorstellen könne, künftig für den SV Werder Bremen Handball zu spielen. Wiebke Möller sagte: nein. In der Landesliga hatte sie mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht, als Nachrücker stieg die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg – nicht zuletzt dank Möllers Toren – am Ende sogar in die Oberliga auf. Die Auftritte der Linkshänderin waren auch Werder nicht verborgen geblieben, an der Weser sollte sie das Reserve-Team verstärken. „Ach, Anfragen gab es immer mal wieder“, winkt Möller ab, „ich möchte aber bei meiner Mannschaft bleiben“. Wenn Grüppenbühren heute Nachmittag Werder II in der Oberliga empfängt, trägt Möller also weiterhin das Trikot ihres Vereins. Auch eine andere Sache hat sich in der höheren Klasse nicht verändert: Wiebke Möller ist eine der besten Torjägerinnen der Liga.

Die 24-Jährige stand in bisher allen 19 Saisonspielen auf dem Platz und hat dabei 151 Tore markiert. Das macht einen Schnitt von 7,9 pro Partie. Zur Einordnung: Insgesamt hat Grüppenbühren bisher 458 Mal getroffen, Möller ist also für rund ein Drittel aller Tore verantwortlich. Das sind Zahlen, die in dieser Form nur die Spitzenspielerinnen der Oberliga vorweisen können. Mareike Zetzmann etwa, die drittligaerfahrene Shooterin der HSG Hude/Falkenburg, bringt es nach 18 Einsätzen auf 142 Tore, und ist mit einem Schnitt von 7,8 sogar eine Nuance schlechter als Möller. Nun ist Hude als Tabellenzweiter ein Topteam und verfügt generell über große Qualität. Grüppenbühren hingegen hat sich als Vorletzter bereits mit dem Abstieg abgefunden. Vor diesem Hintergrund ist Möllers persönliche Statistik sogar noch etwas höher zu bewerten.

„Ich freue mich, wenn ich viele Tore machen kann“, sagt die Handballerin, die zumeist im rechten Rückraum spielt. Eine Sonderstellung innerhalb der Mannschaft weist sie kategorisch von sich: „Ich kann ja nur dann treffen, wenn die Kolleginnen mir helfen. Es ist nicht so, dass ich mehr Verantwortung trage als andere.“ Trainer Stefan Buß sieht das etwas anders, auch wenn er es ebenfalls nie laut aussprechen würde. Es liegt aber auf der Hand, dass der Coach heilfroh ist, eine Ausnahmespielerin wie Möller in seinem Team zu haben. „Sie hat einen guten Wurf und ist sehr wichtig für uns“, erklärt er. Neben Rechtsaußen Sonja Gode ist Möller die einzige Linkshänderin im Team. Auch das macht sie wertvoll. „Sie ist eine Leaderin und auch menschlich ein toller Typ“, lobt der Trainer. Möller habe in seinen Augen sogar das Potenzial, höher als in der Oberliga zu spielen. Dass die 24-Jährige der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg trotzdem schon ihre Zusage für die neue Saison gegeben hat, nennt Buß einen Glücksfall.

Wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, geht es für die Torjägerin nach nur einem Jahr wieder runter in die Landesliga. Ein Problem? Für Möller nicht. „Wir haben schon vor der Saison gesagt, dass wir es einfach mal probieren wollen. Wir wollten so viel mitnehmen, wie wir können“, erklärt sie. Trotz bisher 16 Niederlagen, einem Remis und erst zwei Siegen „haben wir noch Spaß“. Die Mannschaft war zwar oft nah dran, musste aber noch öfter erkennen, dass es für die Klasse nicht reicht. Möller persönlich liefert jedoch weiter Tore wie am Fließband und könnte sich ihren neuen Klub am Ende der Saison vermutlich aussuchen. Will sie aber nicht. „Mir ist es wichtiger, mit meinen Freundinnen zusammen in einer Mannschaft zu sein“, sagt die Bookholzbergerin, die schon ihr Leben lang in ihrem Heimatort Handball spielt. Erst bei den Minis des Bookholzberger TB, später dann in der Spielgemeinschaft. Zwar arbeitet Möller in Bremen als Speditionskauffrau. Nach Feierabend geht es aber direkt zurück in Richtung Bookholzberg. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Nicht nur Trainer Buß, der ganze Verein dürfte froh sein über die Kombination aus Talent und Treue sein, die Wiebke Möller in sich vereint. Schließlich kehren überdurchschnittlich veranlagte Sportler nicht selten ihrem Heimatklub den Rücken, um anderswo – bei größeren Vereinen, in höheren Ligen – ihr Glück zu suchen. „Bei mir ist so etwas nicht in Planung“, versichert Wiebke Möller nochmals. Bei der Frage nach einem Wechsel muss sie lachen. So abwegig erscheint ihr der Gedanke.

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