Badminton-Duo Katrin Tews/Andrea Prock vom SVGO ist seit fast vier Jahren ungeschlagen / Auf Titelkurs Die Unbezwingbaren

Der urkundlich erwähnte Rekord soll im Jahre 1830 aufgestellt worden sein. Da schafften es angeblich zwei Spieler einer englischen Adelsfamilie, den "Federball" mit insgesamt 2117 Schlägen stundenlang im Spiel zu halten, ohne dass er den Boden berührte. Darüber können Katrin Tews und Andrea Prock vom Sportverein Grambke-Oslebshausen nur lachen. Die beiden Badminton-Asse des Verbandsliga-Spitzenreiters fertigen ihre Gegner meistens im Rekordtempo ab. Und sie sind scheinbar unbezwingbar. Seit fast vier Jahren haben sie kein Match mehr verloren.
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Von Klaus Grunewald

Der urkundlich erwähnte Rekord soll im Jahre 1830 aufgestellt worden sein. Da schafften es angeblich zwei Spieler einer englischen Adelsfamilie, den "Federball" mit insgesamt 2117 Schlägen stundenlang im Spiel zu halten, ohne dass er den Boden berührte. Darüber können Katrin Tews und Andrea Prock vom Sportverein Grambke-Oslebshausen nur lachen. Die beiden Badminton-Asse des Verbandsliga-Spitzenreiters fertigen ihre Gegner meistens im Rekordtempo ab. Und sie sind scheinbar unbezwingbar. Seit fast vier Jahren haben sie kein Match mehr verloren.

Grambke. Wenn der erste Tag der Woche sich zu Ende neigt, gehört die Halle an der Sperberstraße den Badminton-Cracks der SVGO. Um 20 Uhr beginnt das Training. Die Stimmung ist locker. Kein Wunder, ziert die erste Mannschaft doch unangefochten die Tabellenspitze der Badminton-Verbandsliga. Als Aufsteiger. Was vor allem den beiden Unbezwingbaren zu verdanken ist. Katrin Tews (30) und Andrea Prock (31) sind eine sichere Bank für drei der fünf für einen Mannschaftssieg erforderlichen Punkte - lassen den Gegnern im Einzel, Doppel und Mixed kaum eine Chance.

Das Duo Tews/Prock ist in der Badminton-Szene gefürchtet. Fast wie die Barbaren, die in der Literatur zum Beispiel als mächtige archaische Krieger dargestellt werden und einen aggressiven Kampfstil pflegen. Den legt beim Damen-Doppel des SVGO Andrea Prock an den Tag. Sie baut im Spiel den Druck auf, während ihre Partnerin den eher abwartenden und defensiven Part übernimmt. Das letzte Punktspiel, erinnert sich Katrin Tews, habe man am 19. Januar 2008 gegen den BBC II verloren. Seitdem ziehen die beiden SVGO-Frauen unangefochten ihre Kreise. Anders formuliert: Seit knapp vier Jahren fegen sie ihre Gegner aus den Hallen. Beide haben eine ebenso einleuchtende wie einfache Erklärung für diese Überlegenheit: "Wir sind echt gut."

Die Anfänge des schnellsten Rückschlagspiels der Welt sind rund 2000 Jahre alt. Höhlenzeichnungen belegen, dass seinerzeit in Indien kleine, mit Hühnerfedern gespickte Holzbälle mittels abgeflachter Hölzer hin und her geschlagen wurden. Ein sportlicher Zeitvertreib, den auch die Inkas und Azteken pflegten, an dem der höfische Adel Europas erstmals zur Zeit des Barocks (1570 bis 1770) Gefallen fand. Der "Shuttle-Cock" (Federball) musste damals so lange wie möglich im Spiel gehalten werden. Die Bezeichnung "Badminton" ist auf den gleichnamigen englischen Landsitz des Duke of Beaufort in der Grafschaft Gloucestershire zurückzuführen.

Dort stellte der britische Kolonialoffizier das aus Indien mitgebrachte Spiel "Poona" im Jahre 1872 vor. 27 Jahre später fanden die "All England Championships" statt, die unter den Badminton-Fans noch heute den gleichen Stellenwert haben wie das Wimbledon-Turnier für Tennisfreunde.

Andrea Prock war neun Jahre alt, als sie bei der SGO zum ersten Mal zum Schläger und zum Federball griff. Zwei Jahre später konnte sie sich bereits mit der Trophäe einer Bremer Kreismeisterin schmücken. Fortan heimste sie Titel, zweite und dritte Plätze in Serie ein. Seit der Saison 1997/98 spielt die Physiotherapeutin in der ersten Oslebshauser Mannschaft, 2003 bestritt sie das erste Doppel mit Katrin Tews. Die ein Jahr jüngere Diplom-Verwaltungswirtin bei der Agentur für Arbeit startete ihre Badminton-Karriere in Oslebshausen vor 14 Jahren. Zuvor hatte sie sich dem Schwimmsport beim SV Weser gewidmet. Doch neben der schulischen und beruflichen Ausbildung viermal in der Woche zu trainieren, war ihr schlicht zu viel. Und so nahm ihr Vater Rainer Hillebrecht sie eines Tages mit in die Halle an der Sperberstraße, machte sie mit seiner Sportart bekannt.

Bevor sie die fast unglaubliche Serie von rund 120 siegreich beendeten Doppelspielen starteten, hatten Andrea Prock und Katrin Tews freilich auch die Tiefen des Mannschaftssports kennengelernt. Zwischen 2003 und 2011 wechselten sich Trauer und Jubel über Ab- und Aufstiege mit der ersten Mannschaft in schöner Regelmäßigkeit ab. Der Pendel schwang zwischen Landesliga und Weserliga.Gegenwärtig befinden sich die Westbremer wieder auf Meisterschaftskurs, die Oberliga winkt. Dank der Frauen-Power, die Andrea Prock auch aus einer anderen Disziplin mitgebracht hat. Viele Jahre spielte sie neben Badminton Handball, behauptete sich mit der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst sogar in der Frauen-Oberliga.

Die Badminton-Abteilung des SV Grambke-Oslebshausen habe sich, so das Vorstandslob, zu einer tollen Gemeinschaft entwickelt. Zu der neben den unbezwingbaren Frauen Katrin Tews und Andrea Prock die männlichen Mitspieler Christoph Träger, Klaus-Henrik Seyer, Mathias Tews, Klaus Tews und Thomas Paulig gehören. Eine Gemeinschaft, die auch außerhalb der Halle funktioniert - auf Fahrten und anderen gemeinsamen Unternehmungen. In diesen Tagen ist freilich Weihnachtspause angesagt. Und das erinnert wieder an die Anfänge des Badmintons in England. Weil es zunächst an geeigneten Sportstätten mangelte, wurde auf der Insel selbst in Kirchen gespielt. Das hohe Kirchenschiff bot dem Federball freie Flugbahn, die Kirchenbänke waren für die Zuschauer Logenplätze - die Briten spielten zum Halleluja von der Kanzel.

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