Am morgigen Freitag startet die 1. Fußball-Kreisklasse in die neue Saison – der Aufstiegskampf ist eröffnet

Die ungeliebte Favoritenrolle

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Eine klare Angelegenheit war der Meisterschaftskampf in der 1. Fußball-Kreisklasse der vergangenen Saison.
06.08.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Kim Patrick Puhlmann

Eine klare Angelegenheit war der Meisterschaftskampf in der 1. Fußball-Kreisklasse der vergangenen Saison. Wobei von Kampf eigentlich nicht die Rede sein kein. Der SV Tungeln sowie der TSV Ganderkesee II stiegen mit elf beziehungsweise neun Punkten Vorsprung auf. Am morgigen Freitag startet die Spielzeit 2015 / 16 – und die Eröffnungspartie hat es gleich in sich. Um 19.30 Uhr empfängt der Kreisliga-Absteiger SF Wüsting den TV Falkenburg, der sich seinerseits freiwillig aus der höheren Liga zurückzog. Beide Mannschaften haben die Qualität, am Ende ganz oben zu stehen. Auch der Delmenhorster TB, der TSV Ippener, der SV Atlas Delmenhorst II und der TuS Hasbergen zählen zum Favoritenkreis.

SF Wüsting

17 Punkte und ein Torverhältnis von 41:76 nach 30 Spielen – so lautete die dürftige Ausbeute der SF Wüsting nach der vergangenen Kreisliga-Saison, der Abstieg war die logische Konsequenz. „Da waren wir sehr gebeutelt“, lautet das Fazit des neuen Trainers Florian Neumann. Dass in der kommenden Saison sofort alles besser läuft, erwartet er gar nicht. Vielmehr soll die erste Spielzeit in der 1. Kreisklasse unter dem Motto „Findungsjahr“ laufen. „Das gilt auch für mich, ich muss selbst noch ankommen“, betont Neumann. Als Absteiger aus einer höheren Liga gehören die SF Wüsting zwangsläufig zum Favoritenkreis, die Mannschaft bleibt im Kern dieselbe. Verstärkungen kommen ebenfalls aus der eigenen Talentschmiede sowie der Reserve. Lediglich Darvin Winkler stößt vom FC Hude als echter Zugang zum Team. In Sachen Zielsetzung gibt sich Neumann eher bescheiden: „Also unter die besten Sieben zu kommen, wäre gut.“

TV Falkenburg

Rein sportlich sicherte sich das Team von Trainer Florian Erhorn den Klassenerhalt in der Kreisliga, doch der TV Falkenburg ging freiwillig eine Klasse hinunter. Eigentlich ein Indiz für einen anstehenden Umbruch. So ganz bestätigen möchte das Erhorn allerdings nicht: „Jein, wir nehmen eher eine Verjüngung vor.“ Tatsächlich verbuchen die Falkenburger keinen einzigen Abgang. Aus Sicht des Coaches nicht allzu verwunderlich: „Wir haben hier eine sehr familiäre Atmosphäre. Jeder, der hierher kommt, bleibt auch in der Regel“, betont Erhorn. „Wir wollen oben mitspielen, aber der direkte Wiederaufstieg ist nicht die oberste Priorität.“ Diese sei vielmehr, langfristig etwas aufzubauen. Dazu seien vor allem junge Spieler nötig. Bestes Beispiel: Maximilian Lux. Trotz seiner gerade einmal 20 Jahre gilt das Talent als großer Hoffnungsträger. Das Problem: Immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück. Ganz ohne Routiniers geht es dann auch beim TV Falkenburg nicht. „Alexander Neels ist mit seinen 34 Jahren noch extrem fit. So jemanden brauchen wir“, betont Erhorn. Eine gesunde Mischung also, die im Aufstiegskampf entscheidend sein könnte.

TSV Ippener

Spielertrainer Andreas Lorer verleiht seinem wohl prominentesten Zugang das Prädikat „Bombenspieler“. Tatsächlich dürfte Mikael Blümel der beeindruckendste Transfer der 1. Kreisklasse sein. Der Angreifer kommt vom Bezirksligisten SV Tur Abdin und empfiehlt sich mit zwölf Toren aus der vergangenen Spielzeit. Allgemein setzen die Ippener voll auf Angriff, denn mit Bassel Ibrahim vom Bookholzberger TB heißt Lorer einen weiteren Torgaranten in seinem Kader willkommen – 23 Mal netzte Ibrahim ein. „Mit diesem Team müssen wir oben spielen“, berichtet der Spielertrainer und vermeidet das Wort Aufstieg – vorerst. „Wir warten die ersten drei bis fünf Partien ab. Unser Saisonziel können wir immer noch nach oben korrigieren.“ Und das kann ganz schnell gehen. Denn „von den Namen im Kader her sind wir schon Favorit“, muss dann auch der Spielertrainer zugeben. „Aber erstmal bleiben wir auf dem Teppich.“ Angesichts der Ippener Offensivstärke könnte der Blick vom Teppich schneller als Lorer lieb ist nach oben gehen.

TuS Hasbergen

Die Freundschaftsspiele liefen für den TuS Hasbergen überaus gut – vielleicht zu gut. „Das knappe Pokalspiel (4:3 beim FC Hockensberg, Anm. d. Red.) war eine Warnung. Vielleicht waren wir uns zu sicher“, hadert Übungsleiter Andreas Lersch. Die Vorfreude auf das erste Pflichtspiel sei jedoch ungebrochen. Schließlich wollen die Hasberger in dieser Saison oben mitspielen. Dieses Ziel gibt Lersch zumindest aus. In den vergangenen beiden Spielzeiten erfüllte die Mannschaft den Wunsch des Trainers. Platz vier und zuletzt Rang drei sprangen für die Lersch-Schützlinge am Ende heraus. Eigentlich undankbare Plätze, steigen doch nur jeweils die ersten beiden Teams in die Kreisliga auf. „So richtig einschätzen kann ich die Liga noch nicht“, gibt der Coach zu. „Denn die anderen Mannschaften haben sich über die Jahre ebenfalls gut weiterentwickelt.“ Lediglich Sven Oetjens (Karriereende) wird dem TuS Hasbergen fehlen. Auf der Seite der Zugänge verbucht der Vorjahresdritte bis auf Daniel Laugwitz (Adelheider TV) Spieler aus höheren Ligen. Ibrahim und Houssein Hazimeh kommen vom Kreisligisten Rot-Weiß Hürriyet. Bedirxan Bektas war in der vergangenen Saison noch beim SV Baris aktiv und schließt sich nun Hasbergen an. Spieler also, die dem Lersch-Team schon jetzt mindestens einen Hauch von Kreisliga bescheren.

Delmenhorster TB

Zurückhaltung sieht anders aus. Der Delmenhorster TB hat nämlich einige Neuerungen vorgenommen: Gleich 13 Zugänge vermeldet die Truppe des Trainergespanns Andre Tiedemann und Christian Stark. „Der Umbruch musste einfach sein, unser Kader war in der vergangenen Saison recht dünn besetzt“, erklärt Tiedemann die Einkaufstour. Auf der anderen Seite schmerzen zwei prominente Abgänge: Lars Goretzki und Raphael Ruberg schließen sich der zweiten Mannschaft des SV Atlas an. „Das sind gute Jungs, aber wir werden die beiden gut ersetzen können“, stellt der Coach klar. Der Transfer- soll nun auch eine Punkteoffensive folgen. „Wir wollen mehr Zähler als in der vergangenen Saison einfahren“, sagt Tiedemann. Im Klartext heißt das: mindestens 45. Bei den Ligakonkurrenten gilt der Turnerbund als große Unbekannte angesichts der zahlreichen Neuerungen. Genau das könnte in der Endabrechnung ein Vorteil sein.

SV Atlas Delmenhorst II

Auf die Frage, welche Mannschaft am Ende der Saison oben stehen wird, sind sich nahezu alle Trainer des Favoritenkreises einig: der SV Atlas II. Das schmeckt dem Coach der Bezirksliga-Reserve Holger Timme gar nicht. „Darüber bin ich wirklich verwundert.“ Übel nehmen dürfte er diese Einschätzung seiner Kollegen jedoch nicht. Denn die Blau-Gelben rüsteten für die kommende Saison ordentlich auf. Vor allem auf Qualität wird gesetzt. Da die Bezirksliga-Mannschaft außerdem selbst zahlreiche und vor allem namhafte Spieler dazubekommen hat, bleibt nun abzuwarten, welche Akteure sich in der Kreisklasse beweisen sollen. Offiziell schließt sich bislang nur der Publikumsliebling Fabian Borrmann der Reserve an. „Er ist eine echte Verstärkung“, jubelt Timme, um sofort wieder die Erwartungen zu relativieren: „Wir müssen uns erstmal finden. Ein einstelliger Tabellenplatz ist das Ziel.“ Die Rolle des Topfavoriten gibt er lieber an den TSV Ippener weiter. Auch Hasbergen und sein Ex-Verein, der DTB, haben Timmes Meinung nach gute Teams beisammen. Doch trotz aller Spekulationen bringt der Atlas-Coach die Situation der 1. Kreisklasse auf den Punkt: „Abgerechnet wird am Ende.“

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