Taekwondo

Die Weltmeisterin aus dem Radio

Imke Turner von Tura Bremen hat ein volles Pensum: Die 55-Jährige arbeitet als Moderatorin für den Hessischen Rundfunk - und fährt als Titelverteidigerin zu ihrer bereits elften Taekwondo-WM.
13.11.2018, 16:13
Lesedauer: 3 Min
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Die Weltmeisterin aus dem Radio
Von Elena Matera

Bremen. „Fuß Faust Weg“, so werden die drei koreanischen Begriffe „Tae Kwon Do“ übersetzt. Fuß und Faust stehen für die verschiedenen Techniken. Weg für die persönliche Entwicklung, die jeder durchläuft, der Taekwondo ernsthaft betreibt. Auch Imke Turner hat solch eine Entwicklung erfahren. „Taekwondo ist mehr als nur ein Sport. Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden, der mich verändert und geprägt hat“, sagt die Bremerin.

Imke Turner, 55 Jahre alt, ist in ihrer Altersklasse amtierende Europa- und Weltmeisterin in der Disziplin Technik. Vier WM-Titel hat sie bereits gewonnen, bei der Technik-WM in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, will sie jetzt ihren Titel verteidigen. Vom 15. bis 18. November wird Turner dort ihren Verein Tura Bremen vertreten. Der Wettbewerb vom 15. bis 18. November wird für schon die elfte WM sein. Eine solche Erfolgsbilanz Bilanz kann in Deutschland kein anderer Taekwondo-Sportler aufweisen.

Das Talent für die Balance

Die Balance halten und auf den Punkt konzentriert sein – das hat Imke Turner mittlerweile perfektioniert. Bei der traditionellen koreanischen Kampfkunst ist das auch wichtig. Taekwondo ist Turners Sport, ihre Leidenschaft. Zu der sie eher zufällig kam. Eigentlich wollte sie Selbstverteidigung trainieren. Mit 31 Jahren besuchte sie zum ersten Mal einen Taekwondokurs und fing sofort Feuer.

Die Kombination aus körperlichen Training, Konzentration und absoluter Fokussierung hat sie von Anfang an fasziniert. Und sie hat Talent – das hat auch ihr Trainer Roland Klein schnell bemerkt. Turner ist sportlich. Bereits in ihrer Kindheit hat sie regelmäßig geturnt und damit ihre Koordination trainiert. Eine gute Grundlage für Taekwondo. „Ich war schon immer beweglich und kann gut die Balance halten“, sagt sie.

Im Taekwondo unterscheidet man zwischen zwei Disziplinen: Wettkampf und Technik. Beim Wettkampf hat man einen Gegner, gegen den man körperlich kämpft. Bei der Technik ist man alleine oder im Team, ganz ohne Berührungen. Turner hat schnell bemerkt, dass der Wettkampf nichts für sie ist. „Ich habe da kein Talent für. Ich glaube, mir fehlt das aggressive Potenzial“, sagt sie und lacht. In der Technik hingegen bewies Turner von Anfang an Geschick. „Die Technik ist eine Mischung aus Schattenkampf und Tai Chi“, sagt Turner. „Es ist sehr dynamisch und abwechslungsreich.“

Schnell stellten sich Erfolge ein. Tura-Trainer Roland Klein von Tura Bremen half von Anfang an. „Er legte den Grundstein meiner Karriere, machte den Bundestrainer auf mich aufmerksam. Er hat viel für mich getan“, sagt Turner. Seit mehreren Jahren lebt sie in Frankfurt, dennoch ist sie Tura Bremen treu geblieben. „Ich fühle mich mit Tura sehr verbunden. Ich verdanke dem Verein unglaublich viel“, sagt sie.

Frühstückssendung um halb fünf

Dreimal die Woche trainiert Turner in einem Frankfurter Taekwondoverein. Dort bietet sie auch Kurse als Trainerin an. Zuhause dehnt sie sich regelmäßig. Krafttraining im Fitnessstudio und Ausdauertraining wie Schwimmen kommen dazu. Ein großer zeitlicher Aufwand. Dabei arbeitet Turner auf einer Vollzeitstelle als Radiomoderatorin beim Hessischen Rundfunk. Sie moderiert eine Frühstückssendung, um 4:30 Uhr beginnt ihre Schicht. Abends folgt meist eine zweite. Zwischen Radio und Training bleibt nicht mehr viel Freizeit. „Sagen wir es mal so: Es ist lange her, dass ich im Kino war“, sagt sie und lacht.

Die Konzentration aus dem Taekwondo-Training helfen Turner auch bei ihrer Arbeit als Moderatorin. „Ich muss schnell reagieren können. Wenn das rote Aufnahmelicht aufleuchtet, bin ich sofort fokussiert. Ungünstige Gedanken schiebe ich dann einfach weg“, sagt Turner. Trotz des Leistungssports lebt Turner dennoch ohne Verzicht. „Ich halte keine Diäten, gehe wie die anderen in die Kantine und trinke auch gerne mal ein Bier in der Kneipe“, sagt sie.

In Taipeh startet sie in der Altersklasse der 50- bis 60-Jährigen. Turner freut sich schon. Die Starter aus aller Welt, sie sind längst auch eine Art Familie geworden. Die Koreanerin Young-ae Seo ist dabei Turners stärkste Konkurrentin. Sie kennen sich seit der WM 2006. Zweimal besiegte Turner Seo, zuletzt im vergangenen Jahr. Ansonsten lag die Koreanerin vorn.

„Ich möchte meine Kicks höher machen, das kann schief gehen. Aber ich muss das Risiko eingehen“, sagt Turner. Hohe und sichere Kicks, die Tritte, sind wichtig für eine gute Bewertung. Auch der Stand der Füße wird streng bewertet. Und wer die Balance nicht halten kann, kassiert erhebliche Abzüge. Turner ist ehrgeizig. Dennoch: Große Ziele setzt sie sich nicht mehr. „Der Weltmeistertitel im Einzel vor zwei Jahren ist das höchste, was ich erreichen konnte“, sagt sie.

Wie lange sie den Sport weiterhin professionell machen möchte, weiß Imke Turner noch nicht. Sie ist zufrieden. Die Kampfkunst macht ihr Spaß. Mit Fuß und Faust geht ihr Weg weiter, Tag für Tag, mit oder ohne Erfolg – ganz wie es die Bedeutung von Taekwondo vermitteln möchte.

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