Ex-Basketballprofi Christian Bischoff "Dirk Nowitzki war damals absolut faul"

Wildeshausen. Es hätte die ganz große Karriere werden können, Experten waren sich bereits einig: Dieser Junge ist das größte Talent, das der deutsche Basketball seit langer Zeit hervorgebracht hat.
24.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Wildeshausen. Es hätte die ganz große Karriere werden können, Experten waren sich bereits einig: Dieser Junge ist das größte Talent, das der deutsche Basketball seit langer Zeit hervorgebracht hat. "Dann kam aber alles anders", erinnert sich Christian Bischoff. Im Alter von 16 Jahren hatte der gebürtige Gießener für die TG Landshut - als damals jüngster Profi - in der Bundesliga debütiert, gehörte fest zum Kader der Jugendnationalmannschaft und startete seine Laufbahn somit neben einem, der heute als das deutsche Basketball-Aushängeschild gilt: Dirk Nowitzki. Eine hartnäckige Rückenverletzung beendete Bischoffs aktive Karriere allerdings schon im Alter von 19 Jahren. Heute reist der 35-Jährige als Motivationstrainer um die ganze Welt - und begeisterte gestern Vormittag in der Widukindhalle rund 780 Schüler der Realschule Wildeshausen.

Polohemd, Trainingshose, rotes Stirnband - rein optisch wirkt Christian Bischoff immer noch so, als würde er gleich auf Korbjagd gehen. Dabei hat der Ex-Profi Trikot und Ball längst gegen Leinwand und Mikrofon getauscht. "Das Selbstvertrauen eines Menschen erkennt man daran, wie gut er einem in die Augen sehen kann", sagt Bischoff zu Beginn seines Vortrags. In den kommenden 90 Minuten wird er den Schülern von Willenskraft, positiven Gedanken und Selbstdisziplin erzählen, dabei Schaubilder und Videos zeigen sowie immer wieder zu Mitmach-Spielen animieren. "Glück ist ein Gefühl, das jeder Mensch selbst macht", betont der Motivationsexperte und dürfte wissen, wovon er spricht - denn Glück hat Christian Bischoff nicht immer gehabt.

"Ich dachte damals, dass ich der Größte bin", erinnert sich der ehemalige Juniorennationalspieler nach dem Vortrag an den Beginn seiner Karriere - und gibt offen zu: "Die Lobeshymnen sind mir schon etwas zu Kopf gestiegen." Als 19-Jähriger - Bischoff hatte gerade sein Stipendium an einem College im amerikanischen Tennessee angetreten - kam dann der große Karriereknick: "Eine Rückenverletzung hat mich gezwungen, mit dem Basketballspielen aufzuhören. Ich habe mein Stipendium zurückgegeben und bin in ein tiefes emotionales Loch gefallen." Während die anderen Spieler seiner Generation - allen voran Dirk Nowitzki - weiter an ihren Karrieren feilten, war für das Talent Bischoff der große Traum einer Profilaufbahn jäh beendet.

"Jeder Mensch hat bestimmte Talente. Was man daraus macht, hängt von der Selbstdisziplin ab", hatte der Mann mit dem roten Stirnband während seines Auftritts vor den Wildeshauser Schülern betont - und dabei ein prominentes Beispiel bemüht: "Dirk Nowitzki war damals absolut faul. Es war überhaupt nicht abzusehen, dass er mal eine solche Karriere hinlegen würde", berichtete Bischoff - und schob gleich hinterher: "Eines Tages hat er sich dann aber ein Ziel gesteckt, das Ziel, Basketballprofi zu werden." Danach hätte der heutige Weltstar seinen ganzen Tagesablauf ausgerichtet, hätte "schon morgens vor der Schule eine Stunde trainiert".

Bischoff selbst wurde nach seiner aktiven Laufbahn zunächst Trainer und stellte dabei gleich wieder Rekorde auf: "Ich war mit 25 Jahren der jüngste Bundesliga-Cheftrainer aller Zeiten, dann mit 26 Jahren aber auch der jüngste, der jemals gefeuert worden ist", blickt er auf seine Zeit bei den BroseBaskets Bamberg zurück. Im Anschluss arbeitete Bischoff als Assistent seines Nachfolgers - des heutigen Bundestrainers Dirk Bauermann. Irgendwann sei dann aber der Punkt gekommen, "an dem ich mich aus dem Profisport verabschieden wollte".

Seine Erfahrungen gibt Bischoff heute also als Motivationscoach weiter. "Im Sport lernt man schnell, Ziele zu verfolgen aber auch mit Rückschlägen umzugehen. Wer verliert, muss immer wieder aufstehen", sagt der 35-Jährige - und fast scheint es so, als wäre dieser Satz so etwas wie das Lebensmotto des Mentaltrainers, der inzwischen für viele große Unternehmen Seminare gibt. Zu Bischoffs Kunden gehören dabei auch Sportmannschaften aus dem Profibereich - "meinen Schwerpunkt sehe ich dort aber nicht", betont er.

In der Widukindhalle dauerte es rund zehn Minuten, bis der "Motivator" sein Publikum im Griff hatte. Rhetorisch geschickt und stets mit einem Augenzwinkern traf Bischoff den Ton der Schüler. "Wer von den Jungs glaubt eigentlich, dass er sexy ist" - nachdem auf diese Frage zahlreiche Hände in die Höhe geschossen waren, lieferte Bischoff die Belehrung gleich hinterher: "Es geht dabei keineswegs nur um's Aussehen. Entscheidender ist, wie sexy der Charakter und die Persönlichkeit sind."

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