Engagierter Fanclub

Dortmunder Insel in Bremen

Ein offizieller BVB-Fanclub engagiert sich nicht nur für den Verein, sondern auch für das Trauerland in Bremen.
13.12.2018, 22:42
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Dortmunder Insel in Bremen
Von Ruth Gerbracht
Dortmunder Insel in Bremen

Sieht aus wie in Dortmund, ist aber in Bremen: der BVB-Fanclub Schwarzgelb bei seinem Treffen in Walle.

Christina Kuhaupt

Ein paar wenige schwarz-gelbe Luftballons machen schon draußen vor dem Waller Sportcafé deutlich: Hier geht es einmal nicht um Werder Bremen, sondern um Borussia Dortmund. Genauer gesagt um die Fans des Tabellenführers der Fußball-Bundesliga, der am Sonnabend auf Werder trifft. Rund 70 norddeutsche BVB-Anhänger aus rund 16 Fanclubs haben sich zum Treffen in Bremen versammelt. Eingeladen hat Stefan Poetukat. Er ist Vorsitzender des BVB-Fanclubs SchwarzGelb Bremen. Es ist das erste Mal, dass dieses große Regionaltreffen in der Hansestadt durchgeführt wird. Dementsprechend gerührt zeigte sich der 33-Jährige bei seiner Ansprache. „Dass so viele kommen, hätte ich nicht gedacht. Das ist echt großartig.“ Und bestimmt werden die Gäste gerne wiederkommen, das haben sie mit ihrem donnernden Applaus gleich deutlich gemacht. Das Programm in der schwarz-gelb geschmückten Gaststätte traf ihren Geschmack.

Neben einem Preiskegeln wurde geklönt, diskutiert, gegessen und gerne auch das BVB-Lied angestimmt. Besonders glücklich war der Bremer Fanclub-Vorsitzende jedoch über den Geldbetrag, der mithilfe einer Tombola eingenommen wurde. Fast 900 Euro sind zusammengekommen, die jedoch nicht in die Vereinskasse fließen, sondern dem Bremer Verein Trauerland zugutekommen. Sebastian Großmann, zuständig für Öffentlichkeit und Fundraising bei Trauerland, freute sich ganz besonders über diese Unterstützung, schließlich ist auch er ein eingeschworener Borussen-Fan. „Seit mehr als 20 Jahren bin ich BVB-Mitglied“, stellte er sich den Fanclubs vor, die sich schwer begeistert zeigten.

Schwarz-gelbe Begeisterung auf ganzer Linie

Sebastian Großmann, der eigentlich aus Berlin stammt, geht es wie den meisten der Gäste. Irgendwie und irgendwann hat er seine Fußball-Liebe zu Borussia Dortmund entwickelt. Das gilt auch für Jan Köbel, der den Verein 2015 gegründet hat. Seine Entwicklung zum BVB-Fan ist noch erstaunlicher, schließlich stammt sein Vater aus Recklinghausen und ist Schalke-Fan. Doch der 27-Jährige, in Delmenhorst geboren, geriet ausgerechnet unter den Einfluss eines Freundes seines Vaters, der eingefleischter BVB-Fan war. „Und irgendwie hat mir das super gefallen“, erklärt Köbel. Schwarz-gelbe Begeisterung auf der ganzen Linie, da konnte auch der Vater nichts mehr dran ändern.

Da Jan Köbel mit seiner Leidenschaft für den Revierklub während seines Studiums in Bremen jedoch ziemlich allein war, suchte er Verbündete. Zunächst traf er tatsächlich einen einzigen, mit dem er am Wochenende Spiele von Borussia Dortmund verfolgen konnte. Über Facebook schließlich ging er auf die Suche. Und tatsächlich, so nach und nach traf sich eine kleine, aber feine Runde. „Es macht einfach mehr Spaß, in der Gemeinschaft Fußball zu schauen“, erklärt Jan Köbel. 2015 schließlich beschlossen sie, offizieller Fanclub von Borussia Dortmund zu werden. Als Fanclub haben sie Anspruch auf ein gewisses Kartenkontingent für die Spiele, vornehmlich im Norden. Allerdings müssen sie auch etwas dafür tun. „Wir repräsentieren mit Veranstaltungen und Treffen den Verein“, sagt Stefan Poetukat, der den Vorsitz im März von Jan Köbel übernommen hat. Alles, was sie organisieren, wird jeweils dokumentiert und an die Fanabteilung des Bundesligisten weitergeleitet.

Betrag für Trauerland wir höher ausfallen

Poetukat war es auch, der die Idee hatte, die laufende Saison mit einem sozialen Zweck zu verbinden. Jedes Mitglied spendet pro Dortmunder Treffer einen selbst bestimmten Betrag. Das kann von zehn Cent bis zu mehreren Euros sein. Da die BVB-Profis zurzeit besonders erfolgreich sind, wird der Betrag für Trauerland auf jeden Fall höher ausfallen. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Ich kann mir auch vorstellen, mal einen Bus zu chartern und mit 20 Kindern nach Dortmund zum BVB zu fahren“, sagt Poetukat. Gemeinsam Fußball schauen, reichen ihm und seinem Fanclub nicht. Gemeinschaft ist ihnen wichtig, aber sie wollen eben auch für andere da sein wie beispielsweise für die Kinder von Trauerland. Darauf ist der Gründer Jan Köbel besonders stolz. „Ich bin begeistert, wie sich die Idee von Stefan entwickelt hat. Das ist großartig“, sagt der studierte Biologe, den es aus beruflichen Gründen ausgerechnet nach München verschlagen hat, der seinem BVB-Fanclub in Bremen aber auf jeden Fall die Treue hält.

Auch Stefan Poetukat ist aus beruflichen Gründen weggezogen, wohnt nun seit mehreren Jahren in Lüneburg, wo er auch Mitglied des örtlichen BVB-Fanclubs ist. Trotzdem fühlt er sich mit den Bremern so verbunden, dass er den Vorsitz gerne übernommen hat. Einmal im Monat, immer am 9. um 19.09 Uhr, treffen sich die Mitglieder des Fanclubs Schwarz-Gelb Bremen. Dann kommt auch Poetukat aus Lüneburg angereist. Momentan halten sie ihre Sitzungen noch in der Gaststätte des TuS Komet Arsten ab. Ob das so bleiben wird, ist noch nicht sicher. Nur zu gerne hätte der Fanclub einen Ort, wo er tagen und auch die Dortmund-Spiele sehen könnte. Das ist in einer Stadt, die mit Werder Bremen über einen eigenen Bundesligisten verfügt, ziemlich schwierig. Aber vielleicht geht ja was im Waller Sportcafé. Als Poetukat mit dem hiesigen Wirt über die Modalitäten des Fan-Treffens gesprochen hatte, war er ziemlich überrascht, dass sich dieser ebenfalls als BVB-Anhänger outete. Somit erhöhte sich die Mitgliederzahl schon auf 30.

Es dürften aber auch noch ein paar mehr sein. Wessen Herz schwarz-gelb schlägt, kann sich bei der BVB-Gemeinschaft in Bremen gerne melden. E-Mail: SchwarzGelb-Bremen@web.de oder bei www.facebook.com/SchwarzGelbBremen.

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