Basketball-Bundesliga

Drama in Crailsheim: Eisbären Bremerhaven verlieren in letzter Sekunde

Die Luft für die Eisbären Bremerhaven in der Basketball-Bundesliga wird immer dünner. Gegen die Hakro Merlins Crailsheim gaben die Eisbären eine Führung in letzter Sekunde aus der Hand und verloren 80:86.
20.03.2019, 20:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Marc Gogol
Drama in Crailsheim: Eisbären Bremerhaven verlieren in letzter Sekunde

Ohne Worte: Das Team von Michael Mai gab wenige Sekunden vor Schluss eine Führung aus der Hand.

imago

Dieses Spiel durften die Eisbären Bremerhaven nie und nimmer verlieren. Am Ende des sogenannten Schicksalsspiels in der Basketball-Bundesliga bei den Crailsheim Merlins leuchtete jedoch ein 86:80 (29:36)-Heimsieg von der Anzeigetafel in der Arena Hohenlohe in Ilshofen. Der Aufsteiger aus dem Nordosten Baden-Württembergs hatte sich für die 80:93-Saison-Auftaktniederlage revanchiert und stürzt die Seestädter nun in riesengroße Abstiegssorgen.

Dabei hatten die Eisbären nach zwei verwandelten Freiwürfen von Durrell Summers 58,4 Sekunden noch mit 78:75 in Front gelegen. „Am Ende hatten wir auch etwas Glück, zugegeben“, sagte Crailsheims bundesligaerfahrener Forward Konrad Wysocki nach der Schlusssirene und einer aus Bremerhavener Sicht gesehen zuvor schier unglaublichen Szene. Erst leistete sich Eisbären-Spielmacher Chris Warren einen Ballverlust unter dem Crailsheimer Korb, und dann ein unsportliches Foul. Er schubste Ben Madgen, als sein Widersacher, Crailsheims Denker und Lenker Frank Turner, beim 79:78 für seine Farben an der Freiwurflinie stand. Die Unparteiischen hatten freie Sicht, und anstelle Ballbesitz für Bremerhaven und der Chance, das Spiel in den verbleibenden knapp elf Sekunden wieder zu drehen, durften die Gastgeber an der Linie bleiben und mit weiteren Freiwürfen zum 82:78 den Sieg eintüten. Letztlich verlor also Chris Warren im Freiwurf-Krimi die Nerven.

„Wie auch wir kämpfen sie ums Überleben und haben zuletzt einige Spiele gewonnen. Deshalb erwarte ich eine Schlacht!“ Michael Mai, erst seit Anfang des Monats Headcoach bei den Eisbären Bremerhaven, hatte diese wirklich enge und kampfbetonte Auseinandersetzung vorausgesagt. Und er hatte seinen Schützlingen eine intelligente und energiereiche Defensive verordnet, um den Sieg davontragen und dann in der Tabelle nach Pluspunkten mit den „Zauberern“ aus dem Süden gleichziehen zu können.

Ein Rezept, das über weite Strecken aufging. „Es war kein schönes Spiel. Es ging um viel, da wackelte auf beiden Seiten oftmals das Händchen“, analysierte Crailsheims Konrad Wysocki. Sein Team lief dem Geschehen in der ersten Halbzeit meist hinterher, weil die Bremerhavener gut aus den Startlöchern kamen und ihre Dreier trafen. Die 50-Prozent-Quote in dieser Kategorie konnten die Eisbären übrigens bis zum Schluss aufrechterhalten, der letzte Distanz-Wurf von jenseits der 6,75-Meter-Linie von Elston Turner zum 72:68 hätte schon den Sieg bringen können. Aber bekanntermaßen lief die Schlussphase ja dann völlig verquer.

Nach dem Gewinn des ersten Viertels mit 21:19 zogen die Gäste mit einem 7:0-Run auf 31:21 davon und schienen schon zu diesem Zeitpunkt auf der Siegerstraße zu sein. Crailsheim, das bisher überhaupt erst einmal in der Bundesliga gegen Bremerhaven gewonnen hatte, traf lediglich 18 Prozent bei den Dreiern und fabrizierte überdies mehr Turnover als die Eisbären. Viele offene Würfe wurden von den Gastgebern nicht getroffen, doch das Blatt wendete sich nach dem Seitenwechsel.

Da führte Point Guard DeWayne Russell seine Mannschaft wieder heran und übernahm ab dem 53:53-Ausgleich auch die Führung. Der Crailsheimer kassierte jedoch gut sechs Minuten vor dem Spielende sein fünftes persönliches Foul und musste damit unter die Dusche. Was die Eisbären Bremerhaven konsequent ausnutzten, auch der bis dato schlecht treffende Anthony Canty war jetzt erfolgreich. Auf der Position eins markierte er fünf Punkte in Folge zum 67:62 und legte den Grundstein für eine möglicherweise entspannte Schlussphase. Was sich wenig später als Trugschluss erweisen sollte.

Natürlich war Eisbären-Trainer Michael Mai nach den unglücklichen Geschehnissen in der Schlussphase betrübt. „Gratulation an Crailsheim. Sie haben in der zweiten Halbzeit mehr gekämpft. Vor allem im dritten Viertel wollten sie es mehr als wir. Nach der Halbzeit haben sie gezeigt, dass sie wissen, was für ein Spiel das ist. Wir haben im dritten Viertel zu wenig gezeigt. Dass ein Spiel dieser Bedeutung so entschieden wurde, wie es entschieden wurde, ist schade. Wir müssen nach vorne schauen. Es sind noch neun Spiele, und wir müssen weiterkämpfen“, sagte der 44-Jährige in der Pressekonferenz. Die Eisbären als weiterhin Tabellenletzter haben nun einen Sieg weniger als der Mitteldeutsche BC und Science City Jena auf den Plätzen vor ihnen. Wobei sie am Saisonende zwei Teams hinter sich lassen müssen. Crailsheim ist den Bremerhavenern bereits zwei Siege enteilt.

Hakro Merlins Crailsheim - Eisbären Bremerhaven 86:80 (19:21,10:15,30:20,27:24)

Hakro Merlins Crailsheim: Madgen 19, Turner 16, Lawson 15, D. Russell 13, Wysocki 9, Gay 6, Cuffee 3, P. Neumann 3, Herrera 2

Eisbären Bremerhaven: Bleck 14, Summers 10, Warren 10, Benson 8, Breitlauch 8, Turner 8, Wimberg 7, Jackson 6, Canty 5, Moten 4 Zuschauer: 2083

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