Karfreitag startet die Abschiedssaison

Dreimal laufen sie noch auf der Galopprennbahn in der Bremer Vahr

Karfreitag eröffnet der Bremer Rennverein traditionell die Saison auf der Galoppanlage in der Bremer Vahr. Vermutliche die letzte.
08.04.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Dreimal laufen sie noch auf der Galopprennbahn in der Bremer Vahr
Von Frank Büter
Dreimal laufen sie noch auf der Galopprennbahn in der Bremer Vahr

Stammgast in der Bremer Vahr: Jockey Eduardo Pedroza (links) steigt auch Karfreitag in den Rennsattel.

Frank Thomas Koch

Karfreitag eröffnet der Bremer Rennverein traditionell die Saison auf der Galoppanlage in der Bremer Vahr. Vermutliche die letzte.

Karfreitag eröffnet der Bremer Rennverein traditionell die Saison auf der Galoppanlage in der Bremer Vahr. Ab 13.30 Uhr finden dort insgesamt sieben Rennen statt, für die bisher rund 90 Meldungen vorliegen. Fast die komplette Riege der Spitzenjockeys hat dabei ihr Kommen angekündigt, darunter auch der in Panama geborene und lange in Bremen beheimatete Werder-Fan Eduardo Pedroza. Der 42-jährige Erfolgsjockey startet unter anderem im Acatenango Derby Trial, dem mit einem Preisgeld von 8750 Euro an diesem Tag höchst dotierten Rennen. Für die Zuschauer ist dieses Derby Trial für dreijährige sieglose Pferde auch deshalb stets von besonderem Interesse, weil auf der Bremer Bahn in der Vergangenheit schon mehrfach spätere Derby-Sieger wie Adlerflug (2007) oder Wiener Walzer (2009) in Aktion waren.

Zum Start in die grüne Saison werden zum einen deutsche Top-Trainer wie Andreas Wöhler, Peter Schiergen, Mario Hofer oder Markus Klug ihre Pferde in der Vahr in die Rennen schicken. Aber es ist auch für reichlich Lokalkolorit gesorgt. Aus der Trainingszentrale in Mahndorf unter der Leitung von Trainer Pavel Vovcenko sind vier Pferde gemeldet. Erstmals dabei ist die vierjährige Stute Werribee aus dem Stall „5 Stars“ von Tonya Rogge, der Präsidentin des Bremer Rennvereins. Und auch die Pferde Vision in Grey und Wameera werden in Mahndorf trainiert. Zudem sitzt Vovcenkos Auszubildende Melina Ehm in einem Ausgleich III über 1600 Meter im Sattel von Miss Sommerroh.

Pressekonferenz des Bremer Rennvereins zur Saisoneröffnung 2016 -  Frank Lenk

Frank Lenk

Foto: Frank Thomas Koch

Im vergangenen Jahr fanden rund 3450 Besucher den Weg auf das Oval in der Ludwig-Roselius-Allee. Der Rennverein, der in diesem Jahr sein 160-jähriges Bestehen feiert, hofft diesmal auf einen ähnlich hohen Zuspruch. Schließlich ist der Renntag an Karfreitag zugleich Auftakt der Abschiedstournee. Bekanntlich hat die Stadt Bremen dem Rennverein die Nutzung des Geländes zum Jahresende gekündigt. Da sich unter diesen Voraussetzungen die Sponsorensuche zunehmend schwerer gestaltet hat, wird es nach heutigem Stand nur noch zwei weitere Veranstaltungen (11. Mai und 18. Juni) geben. Mit dem swb-Renntag im Juni, an dem der Energieversorger die Kosten übernimmt, endet also die langjährige Galoppsporttradition in der Vahr.

„Das hat sich keiner gewünscht, aber auf Basis der Faktenlage kann nur ein Entschluss zum Tragen kommen: Am 18. Juni ist Schluss“, sagt Vorstandsmitglied und Vereinssprecher Frank Lenk. Mit Blick auf die Haftungsfrage und die fehlende wirtschaftliche Absicherung sei diese Entscheidung für ihn und seine Vorstandskollegen „seriös, verantwortungsvoll und alternativlos“. Lenk bestätigte zudem, dass sich der Rennverein mit der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) bereits mündlich und einvernehmlich darauf geeinigt habe, die Saison an eben diesem Termin zu beenden. Im Gegenzug sei die Behörde dem Rennverein entgegengekommen und habe auf einen Teil der Pacht verzichtet.

„Wir stehen als Vorstand in einer besonderen Verantwortung“, sagt Frank Lenk. Man habe alles getan, damit es weitergeht in der Vahr, „das war immer unser Ziel“, so der Vereinssprecher. „Aber es ist uns nicht gelungen.“ Wenn es nun doch noch neue Ideen gebe, die auch kurzfristig umsetzbar seien, „würde uns das freuen“, erklärt Lenk vorab der außerordentlichen Jahreshauptversammlung.

Anberaumt wurde diese Versammlung unter anderem auf Bestreben von Vereinsmitglied Frank Haller. Der ehemalige Staatsrat beim Wirtschaftssenator und einige Mitstreiter möchten sich mit dem Aus für die Rennbahn nicht abfinden und sind bestrebt, dort weiterhin Rennen zu veranstalten – möglicherweise auch über das Jahresende hinaus. „Wenn sich neue Geldgeber auftun und es Lösungen gibt, sind wir dabei“, sagt Lenk stellvertretend für den Vorstand, der Ende Januar auf der turnusmäßigen Jahreshauptversammlung nach Offenlegung aller Zahlen komplett für weitere drei Jahre im Amt bestätigt wurde. Vorrangig sei es nun aber, die drei ausstehenden Renntage professionell auszurichten – angefangen an Karfreitag. „Wir sind bestrebt, den Besuchern, Sponsoren, Trainern und Jockeys einen ­guten Abschluss zu liefern“, sagt Frank Lenk. „Und wir würden uns natürlich freuen, wenn die Leute zahlreich auf die Rennbahn kommen und damit ihre Sympathie für den Galoppsport in Bremen zum Ausdruck bringen.“


Galoppszene trauert um Hubertus Fanelsa Die Galoppsportszene in Deutschland trauert um den ehemaligen Bremer Galoppertrainer Hubertus Fanelsa, der am 20. März gestorben ist. Die Beisetzung hat bereits in aller Stille im engsten Familienkreis stattgefunden. Fanelsa hinterlässt Frau Monika sowie Tochter Amory und Sohn Dennis. Er wurde 72 Jahre. Der Ostpreuße und ehemalige Futtermeister von Hein Bollow fasste als selbstständiger Trainer in den 70er Jahren in der Bremer Vahr schnell Fuß. Er trainierte viele gute Pferde wie Indurain, Derbysieger in Tschechien, Moulton Sky, der dreimal in Folge das „Haniel-Rennen“ in Iffezheim gewann, sowie Red Pearl und die gute Stute Mariea Magdalena. Auch Askan aus dem Rennstall des Sportmoderators Ulli Potofski war ein Großverdiener auf der Rennbahn. Als 2006 der Trainingsbetrieb von der Vahr nach Mahndorf verlagert wurde, wechselte Fanelsa nicht mit hinüber. Er war ein Gegner der Anlage. Jockey Jozef Bojko war zehn Jahre lang Stalljockey bei Fanelsa. Und auch der Tscheche und heutige Spitzenjockey Filip Minarik hat seine berufliche Laufbahn bei Fanelsa begonnen. 2007 beendete Fanelsa seine Trainerkarriere. Seine Pferde siegten in 642 Flach- und 62 Hindernisrennen.
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