Doping Druck wächst: WADA mahnt, FIS erwägt Strafe

Vancouver. Russland gerät nach der Negativserie von elf Doping-Fällen binnen zwölf Monaten im Biathlon und Langlauf immer stärker unter Druck. Der Internationale Ski-Verband (FIS) droht der nationalen Föderation unverhohlen mit Sanktionen.
08.02.2010, 11:50
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Vancouver. Russland gerät nach der Negativserie von elf Doping-Fällen binnen zwölf Monaten im Biathlon und Langlauf immer stärker unter Druck. Der Internationale Ski-Verband (FIS) droht der nationalen Föderation unverhohlen mit Sanktionen.

«Das Reglement gibt vieles her», sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis der «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Nach den FIS-Regeln wäre ein zeitweiser Ausschluss des russischen Verbandes oder von Funktionären, eine drastische Geldstrafe und der Entzug von internationalen Veranstaltungen möglich.

Der Weltverband will nach den Olympischen Winterspielen in Vancouver und Ende der Weltcup-Saison über mögliche Maßnahmen entscheiden. Die Britin macht aber keinen Hehl daraus, dass es so mit Russland nicht weitergehen kann. «Das zeigen die Ergebnisse. Es ist ein großes Problem», sagte Lewis. Beunruhigt ist auch der russische Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Leonid Tjagatschew, der als Vizepräsident der FIS selbst ins Visier des Weltverbandes geraten könnte. «Er ist sehr besorgt», berichtete Lewis.

Unterdessen hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bestätigt, russische Behörden ermahnt zu haben, ausländische Doping-Kontrolleure ungehindert in ihrem Land arbeiten zu lassen. Die WADA hat bei regelmäßigen Treffen und in einem Briefwechsel mit russischen Behörden immer wieder auf die Bewegungsfreiheit der Kontrolleure gedrungen. «Wir haben die russischen Behörden in dieser speziellen Angelegenheit kontaktiert», erklärte WADA-Generaldirektor David Howman der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Fernsehsender ZDF hatte auf Grundlage eines geheimen WADA- Reports darüber berichtet, dass in Russland internationale Doping- Kontrolleure behindert worden sind. Demnach habe es zumindest bis vor wenigen Monaten bei einer der erfolgreichsten Sportnationen der Welt und Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi erhebliche Probleme und Defizite im Doping-Kontrollsystem gegeben.

So hätten staatliche Stellen die Arbeit von Kontrolleuren auf russischem Gebiet massiv gestört. Dabei sollen auch mehrfach Dopingproben von der russischen Polizei beschlagnahmt worden sein. Mindestens in einem Fall wurde laut ZDF ein Fahnder über mehrere Stunden in Arrest genommen. Laut dem WADA-Bericht hat man Ermittler dabei behindert, «Proben über die Grenzen ins Ausland zu bringen, Proben innerhalb der russischen Grenzen zu transportieren sowie ihre Doping-Kontroll-Utensilien und Gerätschaften nach Russland ein- und auszuführen».

Erschreckend ist zudem die Häufung der Fälle von Sportbetrug mit verbotenen Mitteln durch russische Athleten. Allein in den olympischen Winter-Disziplinen gab es elf positive Dopingfälle binnen zwölf Monaten, darunter Spitzensportler und Olympiasieger wie die Skilangläufer Jewgeni Dementjew und Julia Tschepalowa. Zwei Wochen vor den Spielen in Vancouver war bekanntgeworden, dass Langläuferin Alena Sidko Ende 2009 positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet wurde. (dpa)

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