TuS Sudweyhe - TSG Seckenhausen-Fahrenh. 0:1

Eggers' Geniestreich aus 60 Metern

Die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst kämpft aufopferungsvoll und belohnt sich in der Nachspielzeit mit einem Traumtor. Der TuS Sudweyhe dagegen enttäuscht und verpasst den Sprung an die Tabellenspitze.
22.08.2018, 14:21
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Sudweyhe/Seckenhausen. Philipp Eggers breitete nur die Arme aus. "Für einen langen Jubellauf reichte die Kraft auch nicht mehr", grinste der Mittelfeldspieler der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Jedweder Spurt hätte ohnehin keinen Sinn gehabt, denn seine Mitspieler auf dem Feld und auf der Bank hätten ihn ohnehin alsbald erwischt. Also warum nicht gleich vor Ort dieses Traumtor feiern, das seinem Team in der dritten Minute der Nachspielzeit den 1:0 (0:0)-Erfolg beim TuS Sudweyhe und damit den ersten Saisonsieg bescherte? Aus rund 60 Metern überwand Eggers den weit vor dem Gehäuse postierten Jannik Theiß, nachdem Arne Budelmann den Ball behauptet und abgelegt hatte. "Ich habe gesehen, dass er relativ weit vor dem Tor stand und es einfach versucht", schilderte Eggers die Momente, die das Spiel entschieden. Bei der TSG lösten sie kollektiven Jubel aus, Spieler und Verantwortliche des TuS dagegen machten lange Gesichter.

Nichts wurde aus dem dritten Sieg in Folge für die Sudweyher, deren Torhüter Theiß kein Vorwurf zu machen war. Weil die Gastgeber alles auf Sieg setzten, musste er vor seinem Sechzehner stehen, um die Räume eng zu halten und zugleich als mitspielender Torhüter agieren zu können. Dass Eggers den Ball so perfekt treffen würde, konnte er nicht ahnen. Das hatte der Torschütze selbst auch nur zu hoffen gewagt. "So ein Tor schießt man nicht alle Tage", wusste Eggers um die Besonderheit seines Treffers. Vor allem aber war ihm die Wichtigkeit des Erfolges bewusst, der sein Team bis zum Wochenende auf den elften Rang beförderte. "Wir haben den Sieg gebraucht. Wir wussten alle, dass wir besser spielen können als in den beiden Spielen gegen Wetschen. Das haben wir heute gezeigt. Dass das Spiel dann noch so endet, ist natürlich ein Traum."

Nach den beiden Pleiten gegen Wetschen war die TSG auch gegen Sudweyhe als krasser Außenseiter ins Spiel gegangen. Nur untergehen wollte sie kein drittes Mal. "So eine Reaktion kann man sich als Trainer nur wünschen", war Coach Dirk Hofmann stolz auf seine Elf. "Die Jungs haben alles reingehauen. Diese Punkte sind ein Bonus." Der Erfolg fußte auf einer starken kämpferischen Leistung und auf der mannschaftlichen Geschlossenheit der Gäste: "Wir sind unglaublich viel gelaufen. Ich glaube, heute kann man keinen herausheben. Das war der Sieg des ganzen Teams", freute sich Jan Dahlheuser. Er selbst war ein Musterbeispiel für den großen Einsatz und warf sich in jeden Zweikampf. Noch in der Schlussphase verfolgte er Gegenspieler Tobias Hall über die halbe Breite des Platzes und trennte ihn mit einer Grätsche vom Ball.

Diese Entschlossenheit hatten die Gäste den Gastgebern voraus – und das ärgerte TuS-Trainer Christian Mach gewaltig. "Das war überhaupt nichts. Wir haben nichts von dem gezeigt, was wir uns vorgenommen haben. Wir hatten kein Tempo, keine Läufe und keine Pässe in die Tiefe. In den ersten zehn Minuten sah es noch ganz gut aus. Da haben wir den Ball gut klatschen lassen, um neue Spielsituationen zu schaffen. Aber danach kam nicht mehr viel." Mit einem weiteren Sieg hätte sich der TuS an die Spitze gesetzt. "Aber das hätten wir mit dieser Leistung auch nicht verdient gehabt."

Die Gastgeber setzten auf Ballbesitz, die Gäste auf Laufarbeit und ihre Zweikampfstärke. Gerade letztere schmeckte den Sudweyhern überhaupt nicht. Letztlich hatte Seckenhausen sogar die besseren Möglichkeiten. Wenn die TSG den Ball eroberte, dann griff sie zu langen Bällen – kein technisch feiner Fußball, aber eine Spielart, die funktionierte. Adressat der hohen Pässe war in der Regel Arne Budelmann, der den Ball sicher verarbeitete. In der Spielfortsetzung haperte es dann, auch weil die Hofmann-Elf nicht immer entschlossen nachrückte. Sie konzentrierte sich überwiegend auf ihre Defensive. Wenn aber Budelmann tief geschickt wurde, dann wurde es durchaus gefährlich. So behauptete sich der bullige Angreifer bereits in der vierten Minute gegen Hanjo Harjes, konnte Torhüter Jannik Theiß allerdings nicht überwinden (4.). Beim zweiten Mal schickte ihn Philipp Eggers auf die Reise. Aus vollem Lauf zog Budelmann ab, verfehlte aber das lange Eck (20.). "Besser kann man nicht entlasten. Wir haben super Nadelstiche gesetzt", sagte Hofmann über die Umschaltmomente seines Teams.

In der Regel erwarteten mindestens zehn Seckenhauser die Angriffe der Gastgeber in der eigenen Hälfte. Dem TuS fiel gegen dieses Bollwerk wenig ein. Er spielte viel in die Breite. Die Laufwege in die Tiefe fehlten der Mach-Elf, die deshalb kaum Löcher in die Gäste-Abwehr reißen konnte. Die TSG reichte das gute Verschieben, um die Angriffe der Gastgeber ins Stocken zu bringen. Der TuS ließ den Ball zirkulieren, allerdings ohne Ertrag. In den entscheidenden Momenten war Seckenhausen aggressiver. Nur eine einzige Großchance erspielten sich die Gastgeber: Pascal Feldmann legte nach einem der wenigen erfolgreichen vertikalen Zuspiele direkt weiter zu Tobias Hall, der aber an Maurice Lutterklas scheiterte (22.). Weitere zwingende Aktionen hatte der Favorit nicht zu bieten.

Anders als gegen Twistringen konnten sich die Gastgeber nach der Pause nicht steigern. Mach reagierte zwar und brachte mit Marvin Brüggemann und Gianluca Causo zwei frische Kräfte. Kurzzeitig wurde das Sudweyher Spiel zwingender, doch weder Brüggemann noch Jan-Ove Bäker konnte den Ball im Tor unterbringen (50., 52.). Zuvor hatte Budelmann das 0:1 knapp verpasst, als Theiß spektakulär rettete (48.). Mehr als ein Strohfeuer waren die Sudweyher Offensivbemühungen nicht. Alles lief auf ein torloses Remis hinaus. Sudweyhe hatte keine Ideen und nicht den nötigen Zug, um die Gäste zu gefährden. Seckenhausen kämpfte weiter aufopferungsvoll und grätschte Minute für Minute von der Uhr. Der TuS wurde immer hektischer und am Ende durch Schlitzohr Eggers bestraft. "Genauso muss es für uns gehen. Wir haben als große Gemeinschaft gewonnen. Das ist unser Weg in dieser Saison", war der Torschütze vor allem vom Teamgeist seiner Mannschaft angetan. Dirk Hofmann fand die aus TSG-Sicht wohl treffendsten Worte für den Treffer, den kein Seckenhauser so schnell vergessen wird. "Das Tor passte zur Leistung der Mannschaft."

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