Fußball-Bremen-Liga

Ein bisschen ratlos

Der Brinkumer SV spielt gegen den SV Werder Bremen III eine starke erste Hälfte, bricht aber nach dem Seitenwechsel ein. Der Ausgleich fällt folgerichtig.
26.04.2019, 22:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Ein bisschen ratlos

Chance vertan: Jakob Raub rutscht in dieser Szene am möglichen 2:0 vorbei.

Thorin Mentrup

Stuhr-Brinkum. Wenn es einer Szene bedurfte, die deutlich machte, warum der Brinkumer SV sein Heimspiel gegen den SV Werder Bremen III nicht gewann, sondern mit einem 1:1 (1:0)-Unentschieden zufrieden sein musste, dann die nach etwas mehr als einer Stunde: Da wandte sich Esin Demirkapi in Richtung Brinkumer Bank und rief: „Welches System spielen wir hier eigentlich?“ Denn das war zu diesem Zeitpunkt bestenfalls zu erahnen – auch für den 26-Jährigen, der alle Hände voll zu tun hatte, den knapp führenden, aber bedenklich wackelnden Gastgeber irgendwie über Wasser zu halten. Das gelang allerdings nur noch wenige Augenblicke, dann fing sich die Elf von Trainer Dennis Offermann den längst verdienten Ausgleich, der einen Rückschlag bedeutete im Kampf um einen Platz unter den besten acht Mannschaften der Fußball-Bremen-Liga.

Das Spiel, das war nach dem Abpfiff deutlich zu spüren, ließ die Brinkumer etwas ratlos zurück. „Es ist Wahnsinn“, stellte Offermann mit Blick auf die zweite Hälfte fest, in der der Elf vom Brunnenweg überhaupt nichts mehr gelang. Als wären der Spielfluss, die Kontrolle und die Zweikampfstärke, mit der der Gastgeber die Begegnung im ersten Durchgang dominiert hatte, irgendwo auf dem Weg von der Kabine zurück zum Platz auf der Strecke geblieben. „Es ist immer die zweite Hälfte“, verstand auch Manager Jogi Bender die Welt nicht mehr nach einer Partie, die irgendwie sinnbildlich war für die Brinkumer Saison, die geprägt ist von Höhen und Tiefen, von starken Auftritten und unerklärlichen Leistungseinbrüchen. Genauso war es am Freitagabend. Letztlich traf es Linksverteidiger Nicolai Gräpler wohl am besten: „Wir sind einfach zu inkonstant.“

Wer die erste Hälfte gesehen hatte, der konnte eigentlich kaum an einem Sieg der Brinkumer zweifeln. Die Gastgeber versprühten nicht unbedingt den großen spielerischen Glanz, Bastian Helms' Lupfer zur Führung einmal ausgenommen (13.), doch sie agierten bissig, strahlten in den Mann-gegen-Mann-Duellen eine große Präsenz und Entschlossenheit aus und hatten eine gute Ordnung. „Wir haben das Spiel komplett im Griff gehabt“, hatte Offermann eine gute Leistung seiner Elf gesehen, die durch Jakob Raub kurz vor der Pause die beste Chance auf das 2:0 ausließ (41.). Auch den Nackenschlag durch Marcel Dörgelohs Verletzung (22.) steckte Brinkum zunächst gut weg. Auf den Mann für die besonderen Momente wird der BSV wohl eine Weile verzichten müssen: „Es hat in der Kniekehle gezogen. Es fühlt sich nicht gut an“, machte sich der 28-Jährige wenig Hoffnungen auf ein zeitnahes Comeback. Auch Offermann tat das nicht: „Es sieht nicht gut aus.“

Die personelle Hiobsbotschaft passte zum gebrauchten Abend, an dem sich, wie der Trainer im Kreis nach dem Spiel anmerkte, die Gastgeber bei Torhüter Tariq Olatunji bedanken konnten, dass sie noch einen Punkt mitnahmen. Der 23-Jährige stand nach dem Seitenwechsel für den Geschmack der Brinkumer viel zu häufig im Mittelpunkt. Er parierte stark gegen Behljulj Salihis Schuss (52.) und zweimal mindestens genauso gut gegen Ludwig Voß, der es zunächst per Kopf (54.) und dann mit dem Fuß versuchte (56.). All das war kein Weckruf für die Gastgeber, die seltsam gehemmt wirkten. Von dem Selbstvertrauen, das sie sich im ersten Durchgang erspielt hatten, war nichts mehr übrig geblieben. Brinkum verlor die Bälle meist in der eigenen Hälfte bereits wieder, hatte keine Ruhe und quasi keine Aufbauspiel mehr und kam in den Zweikämpfen nun meist einen Schritt zu spät. Die Offermann-Elf war völlig raus aus der Partie.

Werder machte den deutlich besseren und auch fitteren Eindruck. Ludwig Voß etwa war überall zu finden, auch Behljulj Salihi wirbelte ordentlich, während der früh ins Spiel gekommene Karim Jahjah körperliche Präsenz ins Angriffszentrum brachte. Er traf auch zum überfälligen Ausgleich (67.). Mittlerweile war zwar allen Brinkumern klar, welches System sie spielten – Offermann hatte Demirkapi längst mit 4-1-4-1 geantwortet. Die Umsetzung aber funktionierte dennoch nicht. Und hätte die Latte nicht Jahjahs zweiten Treffer verhindert (82.), dann hätten die Brinkumer wohl nicht mal einen Zähler retten können. Immerhin das Glück hatte die Gastgeber nach der Pause nicht komplett verlassen.

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