Fußball

Ein Derby fast ohne Geschichte

Der TSV Okel empfängt den SV Heiligenfelde - nach mehr als 30 Jahren stehen sich die ersten Mannschaften beider Klubs wieder in einem Punktspiel gegenüber.
03.10.2019, 10:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Okel/Heiligenfelde. Es ist ein Derby, allerdings eins fast ohne Geschichte: Als die Fußballer des TSV Okel und des SV Heiligenfelde in der Saison 1986/87 zuletzt gemeinsam in einer Liga spielten, war der heutige SVH-Trainer Torben Budelmann ein kleiner Steppke, der kurz vor dem Beginn seiner Fußballlaufbahn stand. Währenddessen dachte Lutz Schröder, der mittlerweile beim TSV Regie führt, an sein Abitur. Beide hatten also durchaus Besseres zu tun, als sich intensiv mit der 1. Kreisklasse Nord auseinanderzusetzen, in der vor mehr als 32 Jahren das bis dato letzte Aufeinandertreffen beider Teams stattfand. An diesem Sonntag wird die Derby-Geschichte ab 15 Uhr fortgeschrieben. Dann stehen sich beide Teams in Okel gegenüber – und als Bezirksligisten einige Klassen höher als beim letzten Mal.

Einer, der damals mittendrin war, ist Helmut Schulten. Der Wachendorfer war Trainer der Heiligenfelder. Mittlerweile hat der Pensionär nach eigenen Worten mit dem Fußball abgeschlossen, „aber die Berichte verfolge ich noch“. Fußballschlachten hat er nicht nur mit den Heiligenfeldern geschlagen, sondern auch mit dem TSV Bassum und vor allem dem TuS Syke. „Gegen Twistringen hatten wir bis zu 4000 Zuschauer“, erinnert er sich. So groß sei die Kulisse bei den Derbys zwischen Heiligenfelde und Okel damals nicht gewesen. „Trotzdem lockten die Duelle immer einige Zuschauer an. Da war immer viel Freude am Sport und an der Rivalität dabei“, sagt Schulten, der an die Spiele keine genauen Erinnerungen hat. Spannend jedenfalls waren die beiden Duelle der Saison 1986/87: Das Hinspiel in Okel am 31. August 1986 gewann der SVH mit 3:2, im Rückspiel behielt der TSV durch zwei späte Tore mit 2:0 die Oberhand. Am 18. April 1987 schien sich Heiligenfelde aus dem Aufstiegsrennen zu verabschieden. Doch es kam anders – auch weil Okel den SVH-Rivalen SV Dreye bezwang. Mit einem 21:1 über Dimhausen feierten die Heiligenfelder am letzten Spieltag den Aufstieg in die Kreisliga.

Von da an trennten sich die Wege der Klubs. Schulten führte Heiligenfelde bis in den Bezirk, Okel verharrte auf Kreisebene, bestritt Nachbarschaftsduelle gegen Ristedt, Barrien und Osterholz-Gödestorf – und auch Heiligenfelde II, aber nie gegen die Erste des SVH. Mal traf man sich zum Freundschaftsspiel, mal zum Kick in der Halle. Aber das Salz in der Suppe, die Punktspiele, fehlte. Sonntag gibt es nach dann 11 859 Tagen wieder ein Derby um Zählbares. Die Beteiligten freuen sich darauf: „Ich spüre bei den Jungs, dass das Spiel einen hohen Wert hat“, sagt Schröder. Schließlich kennen sich die Spieler, auch ohne allzu oft aufeinander getroffen zu sein.

Okels Trainer hofft, dass die Partie trotz der dürftigen Wetterprognosen stattfinden kann. Das Spiel gegen Lemförde habe Spuren auf dem Platz hinterlassen. Die Mannschaft dagegen habe das irre 5:6 gut verkraftet. „Wir hatten Spaß beim Training, die Jungs haben viel gefrotzelt. Klar waren wir enttäuscht, aber das hat keine Auswirkung auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft.“ Im Derby wird Rico Volkmann ins Team zurückkehren, auch Tom Holthusen und Marlon Reyher sind Optionen. Der Einsatz Marvin Zwieblers, der mit einem Gegenspieler Kopf an Kopf zusammengerasselt ist, wird sich kurzfristig entscheiden. Einfluss auf die Favoritenfrage hat diese Personalie für Schröder nicht. „Wir sind der Underdog. Wir hoffen, dass wir an die Leistung gegen Stuhr anknüpfen können.“ Den TVS schlug Okel bekanntlich 4:2.

Hochmotiviert sind auch die Heiligenfelder, besonders nach dem 0:4 gegen Drakenburg. „Das Spiel in Okel findet unter ganz anderen Vorzeichen statt“, sieht Budelmann aber keine Vergleichspunkte, „allein schon deshalb, weil es ein Derby ist“. Die Gäste stellen sich auf eine Partie mit sehr vielen Zweikämpfen ein. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir nicht nur Fußball spielen können“, erwartet Budelmann, dass sich seine Elf den Gegebenheiten anpasst. Bis auf Frank Weseloh dürften alle Spieler an Bord sein. Gute Voraussetzungen also für das erste Derby-Kapitel nach mehr als 30 Jahren.

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