Urgestein Rudi Jäger ist trotz seiner 86 Jahre nicht aus den Jahn-Hallen wegzudenken Ein echter Turnvater

Brinkum. Das Sportangebot des FTSV Jahn Brinkum ist enorm, die Fokussierung auf einzelne Disziplinen entsprechend schwierig - notgedrungen müssen einige Stützen des Vereins in den Hintergrund rücken. An einer Person, die in ihrer Abteilung das Geschehen entscheidet geprägt hat, gibt es allerdings kein Vorbeikommen: Rudi Jäger. Das inzwischen 86-jährige Turn-Urgestein kümmert sich seit 1993 beim FTSV darum, dass seine Schützlinge an den Geräten eine gute Figur machen. "Eigentlich hätte ich längst aufgehört", erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. "Aber die Mädchen lassen mich einfach nicht."
19.03.2011, 05:00
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Ein echter Turnvater
Von Malte Bürger

Brinkum. Das Sportangebot des FTSV Jahn Brinkum ist enorm, die Fokussierung auf einzelne Disziplinen entsprechend schwierig - notgedrungen müssen einige Stützen des Vereins in den Hintergrund rücken. An einer Person, die in ihrer Abteilung das Geschehen entscheidet geprägt hat, gibt es allerdings kein Vorbeikommen: Rudi Jäger. Das inzwischen 86-jährige Turn-Urgestein kümmert sich seit 1993 beim FTSV darum, dass seine Schützlinge an den Geräten eine gute Figur machen. "Eigentlich hätte ich längst aufgehört", erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. "Aber die Mädchen lassen mich einfach nicht."

Rudi Jäger gehört beim Training in der Halle beinahe ebenso zum Inventar wie die Gerätschaften, die von den Akteuren stets selbst mit sicherem Griff aufgebaut werden. "Ich darf nicht mehr helfen, das haben mir die Mädchen, aber auch der Arzt verboten." Die jungen Damen der Leistungsgruppe wissen genau, wem sie ihre Talentförderung zu verdanken haben, und deshalb geben sie nicht nur gute Leistungen, sondern auch ein vorbildliches Verhalten zurück. Beim Betreten der Halle führt der erste Weg direkt zum Trainer, per Handschlag und einem Blick in die Augen wird der Übungsleiter begrüßt. Keine disziplinarische Vorschrift, vielmehr eine freundschaftliche Geste.

Apropos Disziplin. Zweifellos fordert Rudi Jäger seinen Schützlingen einiges ab, gibt klare Kommandos und erwartet deren Umsetzung. Der Ton macht allerdings auch hier die Musik - und die Melodie stimmt. Er selbst hat da noch ganz andere Zeiten erlebt. "Ich bin durch die Olympischen Spiele 1936 aufs Turnen aufmerksam geworden. Als ich dann angefangen habe, gab es bei uns noch den Vorturner in weißer Hose und mit Spitzbart", erinnert sich der gebürtige Magdeburger zurück.

Sport als Reha-Maßnahme

Die persönliche sportliche Laufbahn erlebte jedoch eine abrupte Unterbrechung, an Turnen war nicht zu denken "Es kam der Zweite Weltkrieg, ich wurde Soldat und war schließlich vier Jahre in Gefangenschaft", erzählt Jäger. "Danach habe ich zunächst meine Arme überhaupt nicht mehr heben können. Durch das Turnen hat es dann irgendwann wieder funktioniert."

In der Zwischenzeit hatte es ihn nach Bremen verschlagen, doch es sollte nur die erste von vielen Stationen bleiben. Unter anderem standen Ingelheim am Rhein oder Nordhorn auf dem Plan. Doch er hatte die Rechnung ohne seine Ehefrau gemacht, die es vehement in die Heimat zurückzog. So führte der Weg erneut gen Norden, sowohl in Bremen als auch in der Umgebung half Jäger fortan beim Aufbau mehrerer Turnabteilungen. Ab den frühen 1990er Jahren eben auch beim FTSV Jahn.

"Ich brauche in etwa zwei Jahre, um die Grundlagen zu vermitteln. Vier Jahre sind es, um aus einem talentierten einen Leistungsturner zu machen", erklärt der 86-Jährige. "Was die Kinder bei uns kriegen, ist das Rüstzeug für das ganze Leben." In Brinkum hat er bereits etliche Augenblicke seiner Lebenszeit investiert, auch weil er äußerst fruchtbaren Boden vorfindet. "Die Mädchen sind sehr gut, in der vergangenen Saison haben wir die Ligen dominiert. Das war, ehrlich gesagt, schon nicht mehr schön."

Ausruhen will sich der Routinier auf diesen Lorbeeren jedoch nicht, kürzlich wurde stattdessen ein neues Projekt angeschoben. "Wir bauen derzeit eine Leistungsgruppe für Jungen auf", erzählt Jäger. "So etwas gibt es im gesamten Landkreis Diepholz noch nicht. Allerdings ist das ganz schön schwierig. 90 Prozent der Jungen gehen irgendwann lieber zum Fuß- oder Handball." Es steht also noch einige Arbeit ins Haus. Aber aufhören darf Rudi Jäger ja sowieso nicht . . .

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