Simon Schempp wird beim Biathlon-Saisonauftakt hinter Ole Einar Björndalen Zweiter

Ein Fehler zu viel

Östersund. Nach seinem zweiten Platz zum Weltcup-Auftakt leuchteten Simon Schempps Augen – vor der Leistung des siegreichen Biathlon-Oldies Ole Einar Björndalen musste aber auch er den Hut ziehen. „Mit 41 Jahren noch einen Weltcupsieg zu holen.
03.12.2015, 00:00
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Von Kristina Puck
Ein Fehler zu viel

Simon Schempp (Foto) unterstrich beim Weltcup-Auftakt seine hervorragende Verfassung und wurde nach 20 Kilometern nur von einem geschlagen – dem 41-jährigen Altmeister Ole Einar Björndalen.

Tt News Agency, REUTERS

Nach seinem zweiten Platz zum Weltcup-Auftakt leuchteten Simon Schempps Augen – vor der Leistung des siegreichen Biathlon-Oldies Ole Einar Björndalen musste aber auch er den Hut ziehen. „Mit 41 Jahren noch einen Weltcupsieg zu holen. Das spricht einfach für seine Klasse. Das ist Wahnsinn“, lobte der 27-Jährige nach dem Klassiker über 20 Kilometer am Mittwochabend in Östersund. Aus Respekt vor dem 94. Weltcuperfolg des Norwegers verbeugte sich Schempp und tat so, als würde er sich anerkennend einen Hut abnehmen. „Ich habe nicht den ersten Platz verloren, sondern den zweiten Platz gewonnen“, erklärte Schempp.

Mit seinem Auftritt im ersten Einzelrennen der Saison setzte Schempp im Kampf um den Gesamtweltcup-Sieg ein klares Zeichen: Mit ihm ist in diesem Winter zu rechnen, auch wenn er seinen sechsten Weltcupsieg vorerst knapp verpasste. Ein Fehler im zweiten Liegendschießen und die daraus resultierende Strafminute waren am Ende zu viel. Björndalen blieb fehlerfrei und lag am Ende 27,1 Sekunden vorn. „Der zweite Platz ist natürlich ein Super-Einstieg“, betonte Schempp. Dritter wurde der Russe Alexej Wolkow, der wie Björndalen als Einziger im Feld alle 20 Scheiben traf.

Lange sah Schempp wie der Sieger aus, doch dann kam Björndalen. Schempp musste an den Fernsehmonitoren mit ansehen, wie der „Kannibale“ auch beim vierten Schießen alles traf. Dabei hatte Björndalen überlegt, ob er auf dem anspruchsvollen Kurs am Fuße des Storsjön-Sees überhaupt laufen soll. „Ich habe mich stark gefühlt“, erklärte Björndalen. „Das Rennen war fantastisch für mich.“

Sein Rennen beeindruckte auch die anderen Deutschen, die überwiegend abgeschlagen im Feld landeten. „Unglaublich, in dem Alter“, meinte Arnd Peiffer (4 Fehler/51. Platz). Doppel-Weltmeister Erik Lesser befand: „Ich glaube, sein Alter spielt da keine Rolle. Er hat eine Spitzenleistung gezeigt.“ Lesser (4 Fehler) selbst hatte nach eigenen Worten mit Rang 39 „versagt“. Benedikt Doll (6) belegte Platz 46, und Daniel Böhm (6) lief als 76. ins Ziel. Stark hingegen war Andreas Birnbacher (1 Fehler) als Zwölfter.

Als klare deutsche Nummer eins trat aber einmal mehr Schempp auf. Schon am Wochenende will er als erster Deutscher seit Michael Greis im Dezember 2008 wieder ins Gelbe Trikot schlüpfen. „Es wäre super, wenn ich in den Kampf mit eingreifen könnte. Ich möchte von Anfang an auf hohem Niveau laufen“, erklärte der Uhinger. Im Schießen war er stabil und legte die drittbeste Laufzeit hin. Nur der viermalige Gesamtweltcupsieger Martin Fourcade, der nach fünf Fehlern 21. wurde, und Doll waren schneller. Seine starke Form hatte Schempp schon mit den beiden Siegen in den letzten Testrennen angedeutet. Nebenbei knackte er schon die interne WM-Norm. „Simon ist das Maß der Dinge. Es verwundert in der Mannschaft niemanden. Das ist der Lohn harter Arbeit“, meinte Teamkollege Peiffer. Lesser, der sich am Sonnabend im Sprint steigern will, war neidisch: „Das muss man einfach nahtlos anerkennen, dass er extrem stark drauf ist. Ich würde auch gerne mal so schnell sein.“

An diesem Donnerstag ist bei den Damen über die 15 Kilometer auch Massenstart-Vizeweltmeisterin Franziska Preuß nach überstandenem leichten Infekt dabei. Neben ihr gehören zudem Miriam Gössner, Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz, Karolin Horchler und Maren Hammerschmidt zum Kader.

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