Bundesliga-Bogner des SV Dauelsen halten vierten Platz / Olympia-Zweite Lisa Unruh kommt nach Verden

Ein Königreich für eine Kristallkugel

Idstein. Es gibt Sportarten, in denen ist ziemlich schnell klar, wo es tabellarisch für eine Mannschaft in einer Saison hingeht. Auch auf Topniveau.
06.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Königreich für eine Kristallkugel
Von Malte Bürger
Ein Königreich für eine Kristallkugel

Christian Dauel rückte für Sebastian Rohrberg in die Mannschaft und lieferte eine starke Leistung ab.

Björn Hake

Idstein. Es gibt Sportarten, in denen ist ziemlich schnell klar, wo es tabellarisch für eine Mannschaft in einer Saison hingeht. Auch auf Topniveau. Das Leistungsgefälle ist mitunter derart groß, dass Überraschungen Mangelware bleiben. Nicht so in der Bundesliga Nord der Bogenschützen. Dort passiert derzeit etwas, das selbst langjährige Experten verblüfft zurücklässt. „Es ist im Moment überhaupt keine Tendenz zu spüren, die Liga ist eine totale Wundertüte“, sagte auch Andreas Hehenberger. Der Trainer des SV Dauelsen hatte immerhin noch das Glück, dass er mit seinem Team Rang vier verteidigt hat. Andererseits war deutlich mehr möglich.

Der erste Spieltag im vergangenen November hatte bereits für großes Rätselraten gesorgt, als plötzlich Aufsteiger BSC Laufdorf die Spitze erklomm. Nun ist der amtierende Deutsche Meister BSC-BB Berlin zwar zurück auf Rang eins, allerdings ohne dafür seine Aushängeschilder wie Olympia-Silbermedaillengewinnerin Lisa Unruh an die Linie gestellt zu haben. Kurzum: Es herrscht ein wildes Durcheinander, vermeintliche Favoriten straucheln nach einer Siegesserie dann doch wieder unerwartet, die angeblich Kleinen fertigen urplötzlich große Namen ab. „Zwischen dem Ersten und dem Letzten liegen in der Tabelle gerade einmal sechs Punkte“, sagte Andreas Hehenberger. „Es gab Zeiten, da war das zwischen den Plätzen eins und zwei so.“ Und genau diese Ausgangslage ist einerseits enorm spannend, sorgt bei den Beteiligten aber durchaus auch für Magengrummeln. „Es lässt sich noch überhaupt nicht absehen, wer am Ende die beiden Absteiger sein werden oder welche vier Teams es zur Deutschen Meisterschaft schaffen“, erklärte der angespannte SVD-Coach.

Beim aktuellen Auftritt im südhessischen Idstein starteten die Dauelser eigentlich verheißungsvoll. Eigentlich. Gegen den 1. UTK BSC Oberauroff führten sie bereits recht komfortabel, mussten sich aber doch mit einem 5:5 begnügen. Dieses unangenehme Schauspiel wiederholte sich dann gegen Sherwood Herne und den Blankenfelder BS 08. Zwischendurch gelang dann tatsächlich ein 7:1-Coup gegen Berlin – das damit die einzige Niederlage des Tages kassierte. Auch dieses Ergebnis fiel, bei aller Freude, an diesem Nachmittag irgendwie völlig aus der Reihe. Nachdem der SV Dauelsen dann auch noch den BSC Laufdorf mit 7:3 bezwang, war das Team plötzlich auf Position eins vorgespült worden.

Es passte ins Gesamtbild, dass Florian Kahllund und Co. dann ausgerechnet gegen den SV Querum die erste Niederlage kassierten. Der Dauerrivale aus Braunschweig hatte bis dato einen rabenschwarzen Tag erlebt und alle seine Duelle verloren. Dieses Mal nicht, am Ende stand es nach eher durchwachsenen Darbietungen auf beiden Seiten 1:7 aus Sicht der Dauelser. Nach einem anschließenden 2:6 gegen Köln waren die Schützlinge von Andreas Hehenberger dann wieder auf Platz vier abgerutscht. „Im Grunde bin ich mit diesem Spieltag recht zufrieden, lediglich die drei Unentschieden liegen mir aufgrund unserer jeweiligen Führungen etwas schwer im Magen“, sagte der Trainer. Ein Sonderlob verteilte er an Nachwuchsmann Christian Dauel. Dieser hatte nach den ersten beiden Begegnungen den Posten von Leistungsträger Sebastian Rohrberg übernommen. „Sebastian hat von sich aus gesagt, dass er der Mannschaft an diesem Tag nicht richtig helfen kann“, verriet sein Trainer. Folglich schoss Rohrberg nun in der Aufwärmzone munter einen Pfeil nach dem anderen ab, um vielleicht doch noch seine Form wiederzufinden, während nebenan Christian Dauel aufblühte. „Er hatte am Ende einen Schnitt von knapp 9,5 Ringen pro Aufnahme. Das war schon richtig stark“, freute sich Hehenberger.

Apropos Freude: Gute Laune gibt es im Dauelser Lager auch im Hinblick auf den Heimwettkampf am 14. Januar. Für die Veranstaltung in der Halle der Berufsbildenden Schulen gibt es nämlich ein echtes Zugpferd: Lisa Unruh. „Nach ihrer Olympiateilnahme und dem großen Erfolg ist einiges auf sie eingeprasselt, weshalb sie erst mal ein kleines sportliches Päuschen eingelegt hat. Auch aus beruflichen Gründen“, sagte Hehenberger. „Nun hat sie uns aber zugesagt, dass sie bei uns in Dauelsen wieder einsteigt und somit für Berlin mitschießen wird.“ Und die Dame mit dem einprägsamen Schlapphut sorgt nicht allein für ein wenig nacholympisches Flair im Kreis Verden. Auch ihr männliches Pendant Florian Floto aus Querum wird dabei sein. Weitere nationale Topakteure der Szene sowieso.

Spannung ist aber ja ohnehin garantiert. Allein wegen der Tabellensituation. Andreas Hehenberger sehnt sich bei einer Prognose fast ein bisschen nach einer helfenden Kristallkugel. "Ich möchte nicht tippen wollen, wie das ausgehen mag", meint er. "Wer mir jetzt sagen kann, wer am Ende absteigt oder zu DM fährt, dem sage ich nur: Hut ab." Eine große Hoffnung hat der Trainer allerdings: Seine eigene Mannschaft möge doch irgendwie am Ende vorne mit dabei sein."

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+