Burkhard Schnaar ist Rennfahrer aus Leidenschaft und seit 60 Jahren Mitglied im BDR

Ein Leben für den Radrennsport

Bremen. Die Augen von Burkhard Schnaar leuchten, wenn es um seine beiden Kinder geht. Tochter Wiebke (45) und Sohn Olaf (48) machen den 76-Jährigen stolz, der „Ur-Huchtinger“ kann kaum aufhören, von ihnen in den höchsten Tönen zu sprechen.
23.12.2019, 00:00
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Von Christian Markwort
Ein Leben für den Radrennsport

Burkhard Schnaar mit seinem Rennrad ausnahmsweise mal im Wohnzimmer. Ansonsten favorisiert er schon die Straße.

Christian Markwort

Bremen. Die Augen von Burkhard Schnaar leuchten, wenn es um seine beiden Kinder geht. Tochter Wiebke (45) und Sohn Olaf (48) machen den 76-Jährigen stolz, der „Ur-Huchtinger“ kann kaum aufhören, von ihnen in den höchsten Tönen zu sprechen. „Ich glaube“, sagt er lächelnd, „meine Frau Gisela und ich haben das mit den beiden ganz ordentlich hinbekommen.“ Während die Tochter mittlerweile als Sachbearbeiterin für einen Bremer Patentanwalt tätig ist, trat der Sohn nicht nur beruflich in die Fußstapfen seines Vaters und arbeitet ebenso wie dieser als Elektroinstallateur – der 48-Jährige schwang sich auch auf den Fahrradsattel und übernahm damit sportlich das Erbe seines Vaters.

Der Radrennsport-Veteran, Jahrgang 1943, wuchs gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter als Einzelkind auf, der Vater fiel im Zweiten Weltkrieg. Schon als kleiner Junge verfolgte Schnaar den Radrennsport, Rudi Altig und dessen Bruder Willi zählten zu seinen ersten Idolen. Während seiner Ausbildung zum Elektroinstallateur riet ihm schließlich ein Arbeitskollege, es doch selbst einmal auszuprobieren. Schnaar fuhr 1959 sein erstes Rennen. „Ich fuhr damals ein ganz normales 26-Zoll-Rad mit einfacher Gangschaltung“, erinnert sich der Radsport-Veteran, „und hatte mich gerade dem Verein Radtouristen-­Sport-Wanderer angeschlossen.“ Von den erfahreneren Rennfahrern erhielt Schnaar jede Menge Ratschläge in Sachen Ernährung und Ausstattung, auch sein erstes Rennrad wurde ihm von den „Alten“ gestellt. „Dort habe ich festgestellt“, blickt Schnaar auf seine Anfänge zurück, „dass man im Radsport ohne viel ­Talent, aber mit viel Trainingsfleiß viel erreichen kann.“

An seine erste Trainingsrunde überhaupt denkt Burkhard Schnaar nur ungern zurück: „Wir fuhren damals von Walle aus nach Bodenwerder bei Porta Westfalica und wieder zurück zum Schützenfest in Brinkum“, erzählt er. „Als ich dort ankam, war ich praktisch tot.“ Dennoch sei sein Talent schon damals aufgefallen, zur Belohnung für die Strapazen bekam er schließlich von dem Vereinsvorsitzenden Klaus Röper eine echte Rennmaschine geschenkt. „Damit bin ich den ganzen Winter über unterwegs gewesen“, sagt er, „ich war erst 16 Jahre alt, sehr stolz und wusste sofort, das ist genau mein Sport.“

Seinen ersten Sieg fuhr Schnaar schließlich 1962 ein, als blutjunger Amateur nahm er an dem traditionsreichen Rennen Syke-Okel-Syke teil und fuhr bravourös auf Platz eins. Ein Jahr später wechselte Schnaar dann in die A-Klasse und gewann seine ersten Aschenbahnrennen. Von 1964 bis 1965 leistete Schnaar seinen Wehrdienst in Adelheide und Schwanewede ab, mit der Militärmannschaft nahm er 1964 an den internationalen Meisterschaften in Belgien teil.

Dort traf er auf ein weiteres Idol seiner Jugend: Burkhard Schnaar war damals Mitglied beim RV „Hansa“ aus Walle und wurde von dem legendären Radsportler Eddy Mercks schlicht stehen gelassen. „Eddy Mercks hat mir ordentlich den Zahn gezogen“, meint Schnaar schmunzelnd, „aber davon konnte ich als junger Kerl nur profitieren.“ Über lediglich zwei Kilometer habe er das Tempo der Radsport-Legende mitgehen können, erzählt der Rentner lachend, „danach bin ich fast tot vom Rad gefallen“.

Eine seine schwersten Verletzungen erlitt Burkhard Schnaar 1970 bei einem Aschenbahnrennen in Delmenhorst: Bei einem Sturz bohrten sich einige Zähne der Kette in seinen Oberschenkel, doch gespürt habe er es erst im Hotel. „Am nächsten Morgen sah ich beim Aufwachen, dass die ganze Bettwäsche voller Blut war“, erinnert er sich, „aber ich war so voller Adrenalin, dass ich es nicht bemerkt hatte.“

Ehefrau Gisela, mit der Schnaar seit fast 33 Jahren verheiratet ist, versorgte seine Wunden und kümmerte sich rührend um ihren verletzten Ehemann. „Sie ist mein Sonnenschein“, versichert Schnaar, „und war bei fast allen meiner Rennen immer n meiner Seite.“ Die 75-Jährige übernahm bei der RG Bremen sogar die Buchführung, gemeinsam stellten sie den klammen Verein schließlich wieder auf gesunde Füße.

1976 machte sich Burkhard Schnaar schließlich selbstständig, heute führt er seine Firma aus dem Hintergrund, Sohn Olaf führt mittlerweile die Regie. Nach seiner aktiven Zeit widmete sich Schnaar in erster Linie seiner zweiten Leidenschaft und baut noch heute gerne an seinem Haus in Huchting herum. Die Karriere seines Sohnes verfolgte er zwischen 1982 und 2009 mit großem Enthusiasmus, gemeinsam feierte die ganze Familie dessen unzählige Erfolge. „Ich habe ihn nach Leibeskräften unterstützt und gefördert“, versichert der stolze Vater, der froh sei, dass Tochter Wiebke nicht in diesen kräftezehrenden Sport eingestiegen war. „Sie wollte partout keinen Helm aufsetzen“, sagt Schnaar, „weil der ihre Frisur kaputt gemacht hätte.“

Etwas aus der Art geschlagen ist Enkelsohn Max, der achtjährige wolle kein Radsportler werden, „weil er mit drei Jahren mit dem Fahrrad hingefallen ist“, wie Opa Burkhard erzählt. Sein vierjähriger Enkel Dominik sei noch unentschieden, „eventuell steigt er später in die Pedale“, sagt Schnaar.

Zwingen würden ihn aber weder er noch Sohn Olaf, „das soll Dominik mal schön selber entscheiden“, betont der Großvater, der erst kürzlich mit der goldenen Ehrennadel des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) für seine 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden war. Wilfried Gerken, Ehrenvorsitzender des Verbandes, überreichte Schnaar die Auszeichnung. „Ich bin sehr dankbar“, sagt Burkhard Schnaar, „und hoffe, dass ich auch in den nächsten Jahren noch viele Kilometer auf zwei Rädern durch die Welt fahren darf.“

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