Rodeln Ein Leben fürs Rodeln: «Goldschmied» Lenz wird 75

Schönau am Königssee. Im Kreis seiner großen Familie feiert Sepp Lenz seinen 75. Geburtstag, bei den olympischen Rodel-Rennen sucht der einstige «Goldschmied vom Königssee» aber die Abgeschiedenheit.
08.02.2010, 07:40
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Schönau am Königssee. Im Kreis seiner großen Familie feiert Sepp Lenz seinen 75. Geburtstag, bei den olympischen Rodel-Rennen sucht der einstige «Goldschmied vom Königssee» aber die Abgeschiedenheit.

«Die schaue ich mir daheim in aller Ruhe vor dem Fernseher an. Das fachliche Auge ist ja immer noch dabei», erzählt der langjährige Bundestrainer vor seinem Festtag am 8. Februar der Deutschen Presse-Agentur dpa. Und der Mann wusste, wie es geht: 96 Medaillen fuhren die deutschen Rodler in den fast 30 Jahren unter seiner Regie bei Winterspielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften ein. Sein erfolgreichster Athlet wird in der Gratulantenschar fehlen. «Das ist schade, dass ich nicht dabei sein kann», sagt der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl, der dann mit den deutschen Medaillenhoffnungen in Kanada weilt.

«Wir sind in die Schule mit dem Schlitten gefahren», erinnert sich Lenz an seine Kindheit. Das Sportgerät lässt ihn sein ganzes Leben nicht los: Sein Vater bestritt auf Naturbahnen Rennen, Sohn Sepp folgte dem Vorbild. «Den Rodelsport habe ich geerbt von meinem Vater.» Drei Einzeltitel und zwei deutsche Meisterschaften im Doppelsitzer holt Lenz, 1962 wird er Einsitzer-Europameister. 1964 bei den Winterspielen in Innsbruck erobert Rodeln die Olympia-Bühne, doch die Premiere endet für Lenz und seinen Partner Josef Fleischmann bitter. Die Doppelsitzer verunglücken, Fleischmann erleidet eine Gehirnprellung, Lenz wird am Arm schwer verletzt. Doch der Rodelsport bleibt seine große Liebe. Nach eineinhalb Jahren im Krankenstand wird Lenz Bundestrainer - zunächst noch halbjährig. «Ansonsten bin ich meinem Beruf als Schiffsführer auf dem Königssee nachgegangen.»

29 Jahre lang bleibt Lenz Bundestrainer, Erfolg um Erfolg sammelt er - den Höhepunkt erlebt er gegen Ende seiner Trainerzeit mit dem Aufstieg eines regelrechten Stars. «Bei Georg Hackl hat man sofort gemerkt, dass er alles tut für den Rodelsport», sagte Lenz einmal über seinen Schützling. «Er ist der erfolgreichste Athlet.» 1992 holt Hackl den ersten seiner drei Olympiasiege, doch vor der Wiederholung zwei Jahre später in Lillehammer geschieht das Unglück: Ende 1993 wird Lenz auf der Kunsteisbahn in Winterberg beim Schneefegen von einem Schlitten erfasst - und verliert einen Unterschenkel. «Ich war halt eine Sekunde zu spät.»

Doch Lenz gibt seinen Sport nicht auf, nach nicht einmal zwei Monaten steht er beim zweiten Olympiasieg seines Schützlings wieder an der Bahn. «Es war für mich sehr wichtig, dass er nach seinem tragischen Unfall dabei war», gestand Hackl einmal. 1995 gab Lenz den Trainerstab an seinen Co-Trainer Thomas Schwab ab, der wie er Erfolg um Erfolg einheimste und inzwischen zum Sportdirektor beim deutschen Bob- und Schlittenverband (BSD) aufgestiegen ist.

«Er war der große Übervater im Rodelsport für mich. Er ist ein Lehrmeister», zollt Hackl seinem langjährigen Bundestrainer Respekt. Seit 15 Jahren ist Lenz nun nicht mehr im Amt, doch Rodeln ist noch immer sein Leben. «Man beobachtet das ja alles schon», gesteht er. «Große Veränderungen hat es eigentlich nicht gegeben.» Und so wagt der einstige «Goldschmied» auch für die Winterspiele auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler einen Expertentipp: «Ich rechne schon mit ein paar Medaillen - ganz fest natürlich bei den Frauen.» (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+