Ralf Preuß spielt seit Jahrzehnten erfolgreich Badminton und feiert demnächst eine Premiere – als Marathonläufer Ein Leben in Bewegung

Die Kombination ist nicht auf den ersten Blick schlüssig, eher ein bisschen verwirrend. Doch Ralf Preuß, Badmintonspieler des SC Weyhe, und einer, der über jahrelange Regional- und Oberligaerfahrung verfügt, lässt sich davon nicht beirren. Er zieht es durch. Er wird dem Badminton treu bleiben (natürlich), aber gleichzeitig seine läuferischen Ambitionen auf eine vorläufige Spitze treiben. Er trainiert nämlich fleißig für den Bremen-Marathon am 6. Oktober – seine Premiere über die berühmten 42,195 Kilometer. Mit 46 Jahren.
07.09.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Ein Leben in Bewegung
Von Jens Hoffmann

Die Kombination ist nicht auf den ersten Blick schlüssig, eher ein bisschen verwirrend. Doch Ralf Preuß, Badmintonspieler des SC Weyhe, und einer, der über jahrelange Regional- und Oberligaerfahrung verfügt, lässt sich davon nicht beirren. Er zieht es durch. Er wird dem Badminton treu bleiben (natürlich), aber gleichzeitig seine läuferischen Ambitionen auf eine vorläufige Spitze treiben. Er trainiert nämlich fleißig für den Bremen-Marathon am 6. Oktober – seine Premiere über die berühmten 42,195 Kilometer. Mit 46 Jahren.

Ralf Preuß ist von Haus aus ein sportlicher, drahtiger Typ für den Bewegung, genauer gesagt: viel Bewegung nie ein Fremdwort war. „Gelaufen bin ich eigentlich schon immer“, erklärt er gegenüber unserer Zeitung, „das ist mir sozusagen in die Wiege gelegt worden“. Kein Wunder, beide Elternteile seien läuferisch sehr aktiv gewesen, erzählt Preuß. Sie sorgten unter anderem dafür, dass der Name Preuß schon früher in den Teilnehmerlisten diverser Marathons auftauchte.

Jetzt will es ihnen der Sohnemann, der schon einige Jahre der Ü40-Fraktion angehört, gleichtun. Gibt es ein Vorbild? „Ja“, antwortet Ralf Preuß spontan, „mein Vater“. Mit Karl-Heinz Preuß, mittlerweile 75, laufe er regelmäßig zusammen, der Papa sei auch im Alter beneidenswert fit. Für den entscheidenden Motivationsschub in puncto Bremen-Marathon habe aber vor allem Ehefrau Nicole gesorgt, „wir haben uns dazu entschieden, das Ganze gemeinsam anzugehen“, berichtet Ralf Preuß. Im Traum ist er das Rennen bereits durchgegangen. „Es wäre schön, wenn Nicole und ich nach ungefähr viereinhalb Stunden und einem entspannten Lauf gemeinsam das Ziel erreichen“, sagt er und wirft schmunzelnd ein: „Aber meine Frau hat mir schon angedroht, mich kurz vor der Ziellinie zu schubsen, damit sie noch an mir vorbeiziehen kann.“

Das war natürlich nicht ernst gemeint, aber der Rest des Traums soll möglichst Wirklichkeit werden. Dafür bereiten sich beide konsequent vor. Schlechtes Wetter? Gibt’s nicht. Schlechte Laune? Wird einfach weggelaufen. Wobei das mit dem einfach so eine Sache ist. Während der Woche trainiert Ralf Preuß bevorzugt vor der Arbeit, was für ihn nichts anderes bedeutet als: um 5 Uhr morgens aufzustehen. Zu einer Zeit also, wo der innere Schweinehund besonders laut und nachhaltig bellt und der Körper eigentlich nur eines möchte: weiterschlafen. Doch Ralf Preuß, der als Geschäftsführer arbeitet, reißt seine 15 Kilometer trotzdem ab. Am Wochenende wird das Tagespensum auch gerne mal auf 32 bis 35 Kilometer ausgeweitet. Besonders beliebt ist beim Ehepaar Preuß dabei die Strecke vom heimischen Leeste zum Café Sand in Bremen. „Das sind 25 Kilometer, und die sind wirklich sehr schön zu laufen“, weiß Ralf Preuß. Den Kurs des Bremen-Marathons werden die beiden im Vorfeld auch noch in Angriff nehmen, „um ein Gefühl für die Strecke zu bekommen“, kündigt Ralf Preuß an. Nervosität vor seiner Premiere verspüre er keine, „eher ein angenehmes Kribbeln“.

Nun ist es aber nicht so, dass Ralf Preuß auf Grund der läuferischen Herausforderung, die da auf ihn wartet, seine zweite sportliche Leidenschaft schleifen lassen würde. Ganz im Gegenteil. Der 46-Jährige ist nach wie vor Badmintonspieler mit Leib und Seele. Ein Hobby, das ihn seit seit frühester Jugend begleitet. „Als ich angefangen habe, war ich, glaube ich, 13“, muss Ralf Preuß kurz nachdenken. Das sei damals noch beim TSV Leeste gewesen, einem der beiden Vorgängervereine des SC Weyhe. Schnell wies Ralf Preuß sein Talent nach, schnell feierte er seine ersten Erfolge. So lief es weiter – einige Jahre. Dann folgte eine mehrjährige Pause.

Während des Studiums habe er die Lust auf höherklassiges Badminton für einige Zeit verloren, fünf, sechs Jahre ging das so, dann führte eine an sich unspektakuläre Begegnung zu einem neuerlichen Umdenken. „In einem Bus traf ich meinen ehemaligen Doppelpartner wieder“, erinnert sich Ralf Preuß noch ganz genau. Man kam ins Gespräch, redete über alte Zeiten und kam zu dem Urteil, dass das damals mit dem Badminton doch eine Menge Spaß gemacht hätte. Warum es also nicht wieder probieren? Ralf Preuß musste nicht großartig überredet werden, die alte Leidenschaft war sofort wieder entfacht. „Nach dem Studium habe ich wieder angefangen, ernsthaft zu spielen“, erzählt er.

Und ab diesem Zeitpunkt ging es erst richtig los. Ralf Preuß schaffte es beim PSV Bremen, für den er fortan aktiv war, bis in die Regionalliga, die dritthöchste deutsche Spielklasse. Er trainierte jetzt fast jeden Tag und bestritt am Wochenende die Meisterschaftsspiele. Oder er nahm an Turnieren teil. Badminton wurde zu einem Vollzeit-Hobby. Auswärtsfahrten an die dänische Grenze oder nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern waren eher Regel denn Ausnahme. „Ich habe damals viel Zeit auf der Autobahn verbracht“, resümiert Ralf Preuß, der seinen persönlichen Einsatz dennoch nie bereut hat. Er gewann Eindrücke, die haften bleiben. Für immer. So holte er bei der Ü35-Europameisterschaft in den Niederlanden die Bronzemedaille im Mixed, „mein wohl größter Erfolg“, so Preuß. Zumindest in rein sportlicher Hinsicht.

Insgesamt eindrucksvoller war sicherlich sein Start bei der Oldie-WM in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. 2004 war das, und Ralf Preuß erreichte sowohl im Einzel als auch im Doppel das Achtelfinale. Die Akkreditierung von damals bewahrt er in seiner Sporttasche auf, wie eine kleine Trophäe. „Sie kommt immer mit“, erklärt Ralf Preuß lächelnd. Er erzählt dann noch, dass er es nach wie liebe, sich beim Badminton „richtig auspowern zu können“ und den „gesamten Bewegungsapparat“ zu fordern.

Auch in der Weser-Liga beim SC Weyhe ist sein Ehrgeiz noch akut, insofern ist die Teilnahme am Bremen-Marathon vielleicht doch ein logischer Schritt.

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