Mats Hummels wird für seine Kritik kritisiert – und kritisiert seine Kritiker Ein Mann namens Motzki

Dublin. Die „Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Fußball-Bundes“ ist bisweilen so sperrig wie ihr Name. Manchmal weiß sie aber auch zu überraschen.
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Von Marcus Bark

Die „Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Fußball-Bundes“ ist bisweilen so sperrig wie ihr Name. Manchmal weiß sie aber auch zu überraschen. Die Mitteilung, dass Mats Hummels am Tag vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Irland außer Bundestrainer Joachim Löw zur Pressekonferenz erscheinen wird, passte auf den ersten Blick nicht zur PR-Strategie des großen Sportverbandes. Hummels, der Innenverteidiger von Borussia Dortmund, steht schon länger in der Kritik, inzwischen sogar mächtig.

Es sind weniger seine Leistungen der Grund, obwohl auch die wie zuletzt beim 1:5 des BVB beim FC Bayern Anlass dazu gaben, sondern mehr seine öffentlichen Äußerungen. Sie waren sogar an höchster Stelle im eigenen Verein aufgestoßen. „Ich wäre froh, wenn Mats als Kapitän mit gutem Beispiel vorangehen würde, auch was die Kategorie Selbstkritik angeht“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte an, dass er „mit Mats mal reden muss“. Auslöser waren in erster Linie Hummels‘ Äußerungen in München, bei zwei tollen wie entscheidenden Pässen von Jérôme Boateng habe der Druck auf den Innenverteidiger des FC Bayern gefehlt, an dessen Seite er an diesem Donnerstag (20.45 Uhr, RTL) mindestens den einen Punkt holen will, der der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Qualifikation für die EM 2016 sichern würde.

Als Hummels in Dublin auf dem Podium saß, war das auf den zweiten Blick kein überraschender Plan mehr, sondern eine sinnvolle PR-Strategie. Einer der eloquentesten Profifußballer legte auf prominenter Bühne seine Sicht der Dinge dar. „Ich habe mit keinem Wort eine Grenze überschritten und nur auf mannschaftstaktische Fehler hingewiesen“, sagte er. Er verstand die Diskussion nicht und kritisierte die Medien: „Die Messlatte für das, was ein Skandal sein soll, ist inzwischen sehr niedrig.“ Joachim Löw unterstützte Hummels: „Was Mats gesagt hat, ist nachzuvollziehen.“ Als Kapitän des BVB habe er das Recht dazu.

Hummels köpfte Deutschland bei der WM 2014 zum 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich. Tenor damals: Jetzt, endlich, nach vielen Anläufen, sei dies der Schritt zu einem allseits anerkannten Nationalspieler gewesen. Es hieß aber auch, dass ihm der Triumph ein wenig zu Kopf gestiegen sei, was als ein Grund für die schwache vergangene Saison angesehen wurde. Über fehlendes Selbstbewusstsein klagte der Profifußballer Mats Hummels noch nie, aber nun war er auch noch Weltmeister.

Vor dem Turnier in Brasilien hatten sich die Kritiker häufig zuerst auf ihn gestürzt, um einen Schuldigen zu suchen, etwa nach dem verlorenen Halbfinale der Europameisterschaft 2012. Diese Phase endete während der WM. Hummels stand nun auf einer Stufe mit Jérôme Boateng, auch wenn der Münchner im Finale überragend gespielt hatte und ein Stellungsfehler von Hummels beinahe zum Rückstand in der Verlängerung geführt hätte.

Aktuell wird diskutiert, ob Boateng der beste Verteidiger der Welt sei. Hummels hält dies für möglich, aber um es seriös beurteilen zu können, „sehe ich die anderen zu wenig“.

In der deutschen Mannschaft ist der Dortmunder die Nummer zwei im zentralen Abwehrblock. Diese Position dürfte in den kommenden Monaten aber umkämpfter sein als zuletzt. Holger Badstuber, Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi sind Kandidaten, die Hummels den Platz beim Turnier in Frankreich streitig machen könnten. Darum ging es am Mittwoch aber nicht. Im Mittelpunkt stand ein „Skandal“, den einzig Hummels so nannte. Auf dem Flug nach Irland hatte sich Mannschaftskollege Ilkay Gündogan schon darüber lustig gemacht. Seinen Sitznachbarn Hummels nannte er bei Twitter „Motzki“. Hummels benutzte den Begriff später auch: „Im Freundeskreis werde ich schon länger so genannt. Ich gehe sowieso gerne ironisch mit solchen Sachen um.“

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