Bremer Rennverein

"Ein Motto finden, das Spaß macht"

Der Bremer Rennverein um Präsidentin Tonya Rogge zieht Bilanz und sieht sich in seiner Arbeit bestätigt. Sechs Renntage mit 51 einzelnen Rennen hat der Verein in dieser Saison ausgerichtet.
09.12.2015, 11:45
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"Ein Motto finden, das Spaß macht"

Schlussgong für die Galoppsaison 2015: Präsidentin Tonya Rogge freut sich über die gestiegene Akzeptanz aus Sport und Wirtschaft.

Frank Thomas Koch

Der Bremer Rennverein um Präsidentin Tonya Rogge zieht Bilanz und sieht sich in seiner Arbeit bestätigt. Sechs Renntage mit 51 einzelnen Rennen hat der Verein in dieser Saison ausgerichtet.

„Wir sehen mehr schwarz als rot“, sagt Frank Lenk. Und kaum hat der Pressesprecher des Bremer Rennvereins diesen Satz ausgesprochen, muss er herzhaft lachen. Es herrscht gute Laune bei den Verantwortlichen des Bremer Traditionsklubs. Grund dafür ist die Jahresbilanz 2015, die sowohl sportlich als auch wirtschaftlich positiv bewertet wird. Zwar sei nicht alles im grünen Bereich, „ein Hauch Rot bleibt erhalten“, sagt Präsidentin Tonya Rogge, doch damit könne man leben. „Wir treffen nicht ganz die schwarze Null“, sagt auch Frank Lenk. Doch wenn die Tendenz so anhalte, „dann kommen wir im nächsten Jahr ins Plus – und das ist unser großes Ziel“, so Tonya Rogge.

"Umsatz ist mit 650.000 Euro stabil geblieben"

Sechs Renntage mit 51 einzelnen Rennen hat der Verein in dieser Saison ausgerichtet, dabei fanden rund 13.000 Besucher und damit 1200 mehr als im Vorjahr den Weg auf die Galoppanlage in der Bremer Vahr. „Der Umsatz ist mit 650.000 Euro stabil geblieben“, sagt Frank Lenk mit Blick auf Wett- und Zuschauereinnahmen. Und dank der Unterstützung durch die Sponsoren habe man die Prämien für Siege und Platzierungen anheben können und damit zugleich auch den Anreiz bei den Trainern erhöht, ihre besten Galopper zu melden.

So waren 20 Pferde mehr am Start als 2014; und neben den Top Ten der deutschen Trainergilde waren mit Andrasch Starke, Alexander Pietsch, Jozef Bojko oder Cevin Chan auch die Spitzenjockeys aus der Republik regelmäßig in der Vahr vertreten. Darüber hinaus kamen Pferde und Jockeys aus weiten Teilen Europas, darunter Tschechien und auch Norwegen, in die Bremer Vahr. „Die sportliche Akzeptanz auf allen Ebenen hat uns in unserer Arbeit sehr bestätigt – das ist ein schönes Zeichen“, sagt Tonya Rogge.

Pressesprecher Frank Lenk.

Pressesprecher Frank Lenk.

Foto: Koch

Ebenfalls erfreulich für den Rennverein: „Alle Sponsoren haben bereits für die nächste Saison zugesagt“, erklärt Rogge. „Die Signale aus der Wirtschaft sind positiv.“ Positiv, aber immer noch ausbaufähig, so Lenk, „doch solche Prozesse sind langwierig“. Immerhin habe man in jüngerer Vergangenheit eine schwere Phase erfolgreich gelöst. Nach finanziell schwierigen Jahren mit einem Minus von bis zu 350 000 Euro pro Saison und dem Wegfall der Subventionen durch die Stadt Bremen hatte man den Verlust im Vorjahr bereits auf 20.000 Euro reduzieren können und nähert sich nun der Gewinnzone an. Auch das sei Bestätigung für die intensive ehrenamtliche Arbeit der Vorstandsriege und der vielen engagierten Vereinsmitglieder.

"Das veränderte Marketingkonzept greift"

„Das veränderte Marketingkonzept greift“, sagt Tonya Rogge. Es sei richtig gewesen, sich als Rennbahn für die ganze Familie zu positionieren, die Angebote im Rahmenprogramm entsprechend zu erweitern und die Renntage mit verschiedenen Partnern als Thementage zu gestalten. Daran wird der Bremer Rennverein auch 2016 festhalten; sechs Veranstaltungstage sind für daskommende Jahr bereits fest terminiert.

Saisoneröffnung ist erneut am Karfreitag (25. März), wie schon in den Vorjahren gibt Bremen damit bundesweit den Startschuss. Am 17. Mai, dem Dienstag nach Pfingsten, folgt wieder ein „Afterwork-Renntag“, der von der französischen Wettgesellschaft Pari Mutuel Urbain (PMU) live übertragen wird. Eine solche Zusammenarbeit mit Europas größtem Anbieter von Pferdewetten zahlt sich aus: Immerhin drei Prozent der Wetteinnahmen gehen an den jeweiligen Veranstalter.

Höhepunkt im Bremer Terminkalender ist wieder der traditionelle SWB-Renntag, der am 26. Juni stattfinden wird. Weiter geht es gleich nach den Sommerferien am 7. August. „Die Sommerpause in diesem Jahr war uns zu lang“, erklärt Tonya Rogge und ergänzt: „Für den Renntag im August werden wir noch ein Motto finden, das Spaß macht.“ Weitere Renntage in der Vahr sind am 23. Oktober und abschließend am 27. November. Ob im nächsten Jahr in der Vahr womöglich noch ein siebter Renntag stattfinden wird, ist derzeit zumindest „eine Option“, so Rogge. Denkbar sei ein weiterer PMU-Renntag im September, „aber wir gehen da behutsam mit um, denn das muss ja auch finanziert werden und die Partner müssen zu uns passen.“ Eine endgültige Entscheidung, betont die Präsidentin, werde Mitte Januar fallen.

Festhalten will der Rennverein auf jeden Fall an der Austragung von Hindernisrennen. „Es war mutig, aber auch richtig, diese Tradition wiederzubeleben“, sagt Tonya Rogge. „Die Hindernisrennen werden gut angenommen.“ Gleichwohl sei hier noch Platz für Verbesserungen. Ein Tribünensprung, ein Wassersprung, eine Strecke, die über die Diagonale geht – all das sei für Zuschauer attraktiv und spektakulär, „doch für solche Veränderungen brauchen wir finanzielle Unterstützung“, sagt Rogge. Klar ist aber: Bremen bleibt ein Teil der in diesem Jahr neu initiierten, sechsteiligen „Registano-Trophy“. Sponsor und Unternehmer Albert Darboven (Idee-Kaffee) weilte beim Saisonfinale am Sonntag persönlich in Bremen, nahm die Siegerehrung vor und sagte für die Zukunft seine weitere Unterstützung zu.

Rennbahn ist ein "Image- und Werbeträger"

„Der Galoppsport hat seinen festen Platz in Bremen“, sagt Tonya Rogge. „Die Rennbahn gehört zur Stadt – sie ist ein Image- und Werbeträger“, sagt auch Frank Lenk. Und eben weil die Rennbahn weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorge, wäre es für Lenk „eine tolle Geschichte“, wenn sich das Land beispielsweise mit einem Rennen um den Preis des Bremer Senats engagieren würde. „Das wäre doch mal ein echtes Bekenntnis zu dieser traditionsreichen Bahn.“

Unternehmer Albert Darboven.

Unternehmer Albert Darboven.

Foto: Koch

Der Rennverein setzt aber für die Zukunft nicht nur auf Galoppsport, sondern wird sich auch verstärkt für andere Veranstaltungen öffnen. Ziel ist eine größere Auslastung der Anlage „um Mieteinnahmen zu generieren“, sagt Tonya Rogge. So wird ab Anfang April 2016 jeweils sonnabends auf dem Parkplatzgelände B ein großer Flohmarkt stattfinden.

Offen ist der Verein auch weiterhin für Musikevents oder Public Viewing, ein Jazzkonzert sei bereits fest geplant. Zudem befindet sich der Klub in „guten Gesprächen“ (Lenk) mit einem Veranstalter aus Finnland, der mit seinem sogenannten Fun Run in den USA und England bereits Zehntausende Besucher angelockt hat und jetzt auch in Deutschland Fuß fassen möchte.

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